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02.06.2017

08:26 Uhr

Finanzchef Lutz geht

Unruhige Zeiten bei Covestro

VonBert Fröndhoff

Bei Bayers Kunststofftochter werden die personellen Weichen für die Zukunft an der Vorstandsspitze gestellt – und plötzlich wirft der Finanzvorstand hin. Der Abgang von Frank Lutz zeugt von einem Zerwürfnis.

Im Oktober 2015 feierten sie die Erstnotiz der Aktie an der Frankfurter Börse. AFP; Files; Francois Guillot

Covestro-CEO Patrick Thomas (links) und Finanzchef Frank Lutz:

Im Oktober 2015 feierten sie die Erstnotiz der Aktie an der Frankfurter Börse.

DüsseldorfFür Richard Pott sind es Tage des Bedauerns. Einen Tag vor Christi Himmelfahrt unterrichtete der Aufsichtsratschef des Kunststoffherstellers Covestro die Öffentlichkeit über den Wechsel an der Vorstandsspitze im kommenden Jahr. Dass der langjährige Chef Patrick Thomas seinen Vertrag nicht verlängern will, nahm Pott mit „tiefsten Bedauern“ auf. Am Donnerstagabend äußerte er in einer Pflichtmitteilung das nächste Bedauern: Finanzvorstand Frank Lutz hatte bei Pott seinen Rücktritt eingereicht – schon am Freitag wird er nicht mehr im Büro sein.

Was ist los beim jungen Star der deutschen Chemiebranche? Seit der Ausgliederung aus der Bayer AG im September 2015 machte das Unternehmen nur mit rasanten Steigerungen bei Gewinn und Aktienkurs von sich reden. Bayer ist derzeit froh, noch die Mehrheit an Covestro zu halten: Die ehemaligen Material-Science-Geschäfte liefern üppige Ergebnisbeiträge in die Konzernbilanz.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Da überraschen die jüngsten Neuigkeiten aus der Führungsspitze von Covestro. Tatsächlich hängen beide personellen Schritte zusammen. Patrick Thomas hat noch bis Ende September 2018 einen Vertrag als CEO. Er hatte jüngst Aufsichtsratschef Richard Pott informiert, dass er den Vertrag zwar erfüllen, aber nicht verlängern will. Wie es in Konzernkreisen heißt, steckt kein Streit dahinter. Im Gegenteil: Thomas gilt als Architekt der jungen Erfolgsgeschichte von Covestro.

Allerdings folgt er dem Motto „Gehe, wenn es am Schönsten ist“: Thomas steht seit 2007 an der Spitze des Unternehmens und wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Er gilt als umtriebiger Mensch und Weltenbummler, der sich in verschiedenen Organisationen engagiert, und nun eine frühzeitige Nachfolgereglung bei Covestro ermöglichen will.

Covestro: Finanzvorstand geht, Aktienkurs fällt

Covestro

Finanzvorstand geht, Aktienkurs fällt

Weiteres Stühlerücken bei Covestro: Der Finanzvorstand des Kunststoff-Herstellers, Frank Lutz, tritt überraschend zurück. Der Aktienkurs sackte daraufhin ab, die Aktionäre reagieren verschreckt.

Die hat der Aufsichtsrat umgehend beschlossen: Nachfolger an der Covestro-Spitze wird im Oktober 2018 Markus Steilemann, der im Vorstand als Chief Commercial Officer für Innovation, Marketing und Vertrieb zuständig ist. Der 1970 geborene Chemiker gilt als ausgewiesener Kenner des Unternehmens, er hat bei Bayer Material Science und bei Covestro operative Funktionen im Inland wie auch in Asien besetzt.

Die Berufung Steilemanns sei der Grund gewesen, warum eine Woche später Finanzvorstand Frank Lutz überraschend seinen Rücktritt einreichte, heißt es in Unternehmenskreisen. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte selbst Ambitionen auf den Chefposten bei Covestro. Dass er so kurzfristig hinwirft, zeugt von einem Zerwürfnis und von Enttäuschung.

Lutz war 2014 von der CFO-Position bei Aldi-Süd zu dem Kunststoffhersteller gewechselt und gilt als Architekt des Börsengangs im Herbst 2015. Er genießt einen starken Ruf bei den Investoren – der Grund dafür, dass die Covestro-Aktie nach Bekanntwerden seines Rücktritts um zwei Prozent nachgab. Einen neuen Finanzvorstand hat Covestro noch nicht benannt.

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