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02.07.2013

19:57 Uhr

Finanzkreise

Medizinpflaster-Hersteller LTS Lohmann vor Verkauf

Nun ist es offiziell: Der Medizinpflaster-Hersteller LTS Lohmann steht laut Finanzkreisen zum Verkauf. Einen Käufer soll die Investmentbank Morgan Stanley finden. Novartis lehnte eine Stellungnahme ab.

Die Investmentbank Morgan Stanley soll einen Käufer für das Unternehmen finden. AFP

Die Investmentbank Morgan Stanley soll einen Käufer für das Unternehmen finden.

FrankfurtDer Medizinpflaster-Hersteller LTS Lohmann steht Finanzkreisen zufolge nun offiziell zum Verkauf. Die Investmentbank Morgan Stanley soll einen Käufer für das Unternehmen aus dem rheinland-pfälzischen Andernach finden, wie drei mit den Plänen vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Der neue Eigentümer von LTS Lohmann müsse wohl mehr als eine Milliarde Euro hinblättern, das ist mehr als das Zehnfache des operativen Gewinns (Ebitda). An LTS Lohmann sind neben dem Schweizer Pharmariesen Novartis auch SAP-Mitgründer Dietmar Hopp und die Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft BWK beteiligt, keiner der drei hat die Mehrheit. Novartis lehnte eine Stellungnahme ab, Morgan Stanley wollte sich zunächst nicht äußern.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Das Unternehmen mit rund 1000 Mitarbeitern sieht sich als der Erfinder des Nikotinpflasters. Doch können mittlerweile auch Wirkstoffe gegen Alzheimer, Parkinson oder das Restless-Legs-Syndrom durch ein Pflaster über die Haut verabreicht werden. Daneben stellt LTS Lohmann im Auftrag anderer Pharmaunternehmen auch Medikamente in Form hauchdünner Plättchen her, die die Patienten auf der Zunge zergehen lassen müssen.

Novartis ist nicht nur der größte Teilhaber an LTS, sondern auch der größte Kunde des Unternehmens. "Das macht die Verhandlungen schwierig", sagte ein Insider. Der Verkaufsprozess habe aber gerade erst begonnen. Für LTS Lohmann dürften sich vor allem Finanzinvestoren interessieren. Die schwedische EQT und BC Partners dürften einem Insider zufolge den Hut in den Ring werfen.

Von

rtr

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