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26.01.2005

14:50 Uhr

Finanzvorstand genehmigte umstrittene Aktion

Crucell-Manager machen vor Jahreszahlen Kasse

VonAnna Trömel (Handelsblatt)

Knapp eine Woche vor der Bekanntgabe schwacher Jahreszahlen haben vier Topmanager der niederländischen Biotechnologiefirma Crucell Aktien im Wert von über einer Million Euro verkauft.

HB AMSTERDAM. Wie der Website der niederländischen Wertpapieraufsicht AFM zu entnehmen ist, lösten der Crucell-Chef Ronald Brus und drei weitere Manager am 18. Januar Aktienoptionen ein, weil der Aktienkurs zu diesem Zeitpunkt über dem Ausübungspreis notierte.

Die Manager übten ihre Aktienoptionen zum Bezugspreis von 11,43 Euro aus und verkauften sie an der Amsterdamer Börse zu 11,60 Euro. Insgesamt erzielten sie damit einen Gewinn von etwa 15 000 Euro. Als das auf die Entwicklung neuer Impfstoffe spezialisierte Unternehmen sechs Tage später einen Jahresverlust von 21,3 Mill. Euro auswies, rutschte der Aktienkurs auf 10,61 Euro ab.

Der Fall heizte in der niederländischen Presse die Diskussion über den Verhaltenscodex für Vorstandsmitglieder an. Zwar verstießen die Crucell-Manager mit der Transaktion nicht gegen das niederländische Aktienrecht, wohl aber gegen die internen Verhaltensregeln des Unternehmens. Sie untersagen es dem Management, vor der Veröffentlichung von Geschäftzahlen mit Crucell-Papieren zu handeln.

"Das Verhalten der Crucell-Manager ist nicht klug", sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde AFM der Tageszeitung "de Volkskrant". Es gebe jedoch keine rechtliche Handhabe dagegen. Die Behörde ist das niederländische Gegenstück zur Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Frankfurt. Auch in Deutschland wird derzeit diskutiert, ob sich Aktienoptionen als Bestandteil der Managervergütung mit dem Verbot von Insidergeschäften vereinbaren lassen.

Nach niederländischem Gesetz müssen börsennotierte Unternehmen zum Schutz vor verbotenen Insidergeschäften intern eine Person bestimmen, die Aktienverkäufe von Vorstandsmitgliedern kontrolliert. Bei Crucell nimmt der Finanzvorstand Leonard Kruimer diese Aufgabe wahr. Er genehmigte die umstrittenen Transaktion, weil die Aktienoptionen nach dem 18. Januar verfallen wären. Das pikante daran ist, das Kruimer selbst zu den Managern zählt, die ihre Optionen ausübten und anschließend verkauften.

Das in Leiden ansässige Unternehmen verteidigte die Verkäufe inzwischen in einer Pressemitteilung. Die Optionen seien auf der Basis einer Entscheidung umgewandelt worden, die bereits vor zwei Monaten gefällt worden sei. Das sei lange vor Beginn der so genannten closed period gewesen, in der das Management nicht mit Crucell-Aktien handeln darf.

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