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25.01.2006

07:19 Uhr

Firmensitz wird verlegt

Zetsche dampft Daimler ein

VonCarsten Herz und Martin Buchenau

Etwa drei Wochen nach Amtsantritt hat der neue Vorstandschef des Autokonzerns Daimler-Chrysler, Dieter Zetsche, einen radikalen Umbau der Führungsstruktur eingeleitet.

Konzern-Chef Dieter Zetsche krempelt die Führungsstruktur von Daimler-Chrysler um. Foto: dpa

Konzern-Chef Dieter Zetsche krempelt die Führungsstruktur von Daimler-Chrysler um. Foto: dpa

HB FRANKFURT/STUTTGART. Der neue Vorstandschef streicht nach Einschnitten in der Produktion bis Ende 2008 auch jede fünfte Leitungs- und Verwaltungsstelle weltweit im Konzern. Unternehmenskreisen zufolge sollen die Kürzungen zusätzlich zu dem bereits geplanten Jobabbau erfolgen. Insgesamt streicht Daimler damit in den nächsten drei Jahren bis zu 22 000 Arbeitsplätze. Zetsche warnte vor „Zahlenspielen“ und lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Nach der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus in der Produktion kappt Daimler nach eigenen Angaben etwa 20 Prozent aller Verwaltungsfunktionen. Zugleich rückt Zetsche die Konzernzentrale enger an die wichtigste Daimler-Sparte Mercedes Car Group. Das Top-Management wird demnach zum Mercedes-Hauptquartier nach Stuttgart-Untertürkheim verlegt. Entsprechende Pläne legte Zetsche dem Aufsichtsrat gestern auf einer Sondersitzung vor.

Zetsche steuert damit weiter auf Konfrontationskurs mit dem Betriebsrat. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm betonte, die Arbeitnehmer hätten im Kontrollgremium den pauschalen Personalabbau nicht akzeptiert. Klemm steht unter Druck, denn im März finden bei Daimler Betriebsratswahlen statt. Die Arbeitnehmer hatten bereits der Finanzplanung bis 2008 aus Protest gegen den dort vorgesehenen weiteren Stellenabbau ihre Zustimmung verweigert. Unklar blieb zunächst, wie stark die Kürzungen die bisherige Zentrale in Stuttgart-Möhringen treffen werden. Zetsche betonte lediglich, dass in Deutschland mehr als 60 Prozent der Verwaltungsstellen im Konzern angesiedelt seien. Auch dem Aufsichtsrat wurden laut Unternehmenskreisen noch keine detaillierten Zahlen für die einzelnen Standorte vorgelegt.

Die Maßnahmen sind die ersten wichtigen Neuordnungen des Vorstandschefs, der am 1. Januar von Jürgen Schrempp die Konzernleitung übernommen hat. Mit den Einschnitten sollen die Verwaltungskosten um 1 Mrd. Euro netto pro Jahr verringert werden. Das auf drei Jahre angelegte Programm wird aber zunächst rund zwei Mrd. Euro kosten. Das neue Führungsmodell gebe Daimler „mehr Flexibilität“, das für 2007 angestrebte Renditeziel von sieben Prozent bei Mercedes zu erreichen, betonte Zetsche.

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