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27.07.2012

10:34 Uhr

First Automotive Works

Der Feind in der eigenen Fabrik

VonMark C. Schneider

Schon seit über 20 Jahren läuft die Zusammenarbeit von VW und Chinas größtem Autobauer FAW. Die Partnerschaft wurde erst vor kurzem um weitere 25 Jahre verlängert. Doch das Vertrauen ist es erst einmal verloren.

Eine Produktionsstätte von First Automobile Works (FAW) im Nordosten Chinas. ap

Eine Produktionsstätte von First Automobile Works (FAW) im Nordosten Chinas.

HamburgDie Zusammenarbeit begann überschaubar. 1988 arbeitete der deutsche Volkswagen-Konzern erstmals mit dem chinesischen Staatsunternehmen First Automotive Works (FAW) zusammen. In Lizenz bauten die Chinesen den Audi 100.

Drei Jahre später gründeten beide bereits ein gemeinsames Unternehmen, die FAW-Volkswagen Automotive Company in Changchun, einer Stadt mit mehr als sieben Millionen Einwohnern im Nordosten des Landes. 2011 feierten Deutsche und Chinesen 20 Jahre Partnerschaft. "Gemeinsam mit unserem Partner FAW haben wir die Mobilität in China maßgeblich geprägt und über 15 000 Arbeitsplätze geschaffen", sagte VW-Chef Martin Winterkorn zum Jubiläum vor 4 500 Gästen in Changchun.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Seit dem Produktionsstart hat das Joint Venture fast sechs Millionen Fahrzeuge produziert. Vergangenes Jahr verließen erstmals mehr als eine Million Autos der Marken VW und Audi die Tore der Fabriken von FAW-Volkswagen in Changchun, Chengdu und Dalian: vom VW Golf über Audi Q5 bis zur Langversion des A6.

Seit 1995 ist Volkswagens Premiumtochter Audi ebenfalls Gesellschafter des Joint Ventures. FAW gehören 60 Prozent, Volkswagen 20 Prozent, VW China und Audi jeweils zehn Prozent. Dem Aufsichtsrat, Board of Directors genannt, von FAW-VW gehört bereits seit Jahren Volkswagens Konzernvorstand Jochem Heizmann an, der offiziell ab kommender Woche den in Wolfsburg in Ungnade gefallenen bisherigen China-Chef Karl-Thomas Neumann in Peking ablöst.

Die Wahl für die Führung des wichtigsten Markts China fiel auf Heizmann, weil er ein langjähriger Vertrauter Winterkorns seit gemeinsamen Tagen bei Audi in den 80er-Jahren ist und weil er als ausgewiesener Produktionsexperte gilt. Volkswagen baut in immer kürzeren Abständen neue Fertigungskapazitäten auf. Vergangenes Jahr startete FAW-Volkswagen den Bau eines neuen Werks in Foshan im Süden des Landes. Dort sollen 300 000 Autos jährlich vom Band laufen.

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