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18.04.2012

16:41 Uhr

First Solar

Politiker setzen auf eine Übergangslösung

Das US-Unternehmen First Solar zieht sich aus Deutschland zurück und schiebt das auf die gekürzte Solarförderung. Die Landesregierung setzt auf eine Auffanglösung. Die IG Metall fordert einen Plan für die Zukunft.

Das Logo des US-amerikanischen Solarunternehmens First Solar. dapd

Das Logo des US-amerikanischen Solarunternehmens First Solar.

Berlin/Frankfurt (Oder)/PotsdamNach dem Rückzug des Solarmodulherstellers First Solar aus Frankfurt (Oder) setzt die Landesregierung in Brandenburg auf eine Auffanglösung für die Beschäftigten. 1200 Stellen drohen wegzufallen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kündigte am Mittwoch an, der US-amerikanische Konzern First Solar wolle sich an einer Transfergesellschaft beteiligen. Darin könnten Beschäftigte auf neue Stellen vermittelt werden und für eine Übergangszeit weiterhin Geld bekommen.

Platzeck sagte nach dem Treffen mit dem Konzernchef, die Entscheidung sei angesichts der jahrelangen guten Zusammenarbeit für ihn überraschend gekommen. „Wir haben gesagt, dass das so nicht geht.“ Immerhin gehe es um 1200 Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren. „Viele von denen sind erst vor wenigen Monaten in die Region gezogen mit der Eröffnung der zweiten Fabrik von First Solar.“ Mit dem Unternehmen sei nun vereinbart worden, dass bis zum 31. Oktober die Produktion laufe. Auch werde gemeinsam nach Investoren gesucht. Es handle sich immerhin um eine nagelneue Fabrik mit besten Rahmenbedingungen, sagte Platzeck.

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Indes forderte auch die IG Metall eine Zukunftsstrategie für das First-Solar-Werk in Frankfurt (Oder) und nennt die angekündigten Stellenstreichungen einen „sozialpolitischen Skandal“. „Die können sich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen“, so. der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Ostbrandenburg, Peter Ernsdorf.

Die Gewerkschaft sei von der angekündigten Streichung von 1200 Arbeitsplätzen völlig überrascht worden. Bei den Beschäftigten von First Solar sei die Stimmung „unter aller Kanone“. Mit dem Betriebsrat sei die Gewerkschaft in Kontakt. „Wir haben ihnen alle Unterstützung angeboten.“ Es gehe jetzt auch um Gespräche mit anderen Solarunternehmen in Ostbrandenburg - zum Beispiel mit Odersun, die einen Insolvenzantrag gestellt hat. An diesem Freitag sei ein Treffen von IG Metall und First-Solar-Vertretern geplant - die Zusammenkunft sei schon anberaumt gewesen, bevor die Schließung der Produktionsstätten in Frankfurt (Oder) bekannt wurde, so Ernsdorf.

Der Bezirksleiter der Gewerkschaft in Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel, forderte, im Interesse der Beschäftigen müssten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen. Die Unternehmensleitung müsse auch alle Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit nutzen. „Der maximale Kurzarbeitszeitraum ist noch lange nicht erreicht“, sagte Höbel. Bereits seit 1. März sind die Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Unterdessen sehen die Grünen die Schuld für den Rückzug des US-Unternehmens aus Deutschland bei der Bundesregierung: „Dank Rösler und Röttgen wird die zweite Deindustrialisierung Ostdeutschlands erfolgreich in die Wege geleitet“, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin der „Berliner Zeitung“ (Mittwoch). Der Bundesvorsitzende seiner Partei, Cem Özdemir, sagte, wenn künftig vom Staat unterstützte chinesische Unternehmen die Module lieferten, die bisher aus Frankfurt (Oder) kamen, liege das an den ständig veränderten Förderbedingungen.

Kommentare (7)

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vandale

18.04.2012, 10:21 Uhr

Die Solarenergie beruht auf einer (öko)religiösen Vision, die sich technisch nicht sinnvoll umsetzen lässt und mittels staatlicher Subventionen in einigen Ländern zu einer gewaltigen Blase aufgeblasen wurde.

Mit zunehmenden finanziellen Restriktionen des Staates der mit den Amokläufen der Kanzlerin meint für die steigenden Staatsschulden Südeuropas bürgen zu müssen, werden die finanziellen Resourcen zum füttern dieser Blase abnehmen. Spätestens wenn aus den Bürgschaften der "Rettungsschirme" Zahlungsverpflichtungen werden, wird das Geld für visionäre Energiekonzepte fehlen.

Demzufolge ist es umso besser je bälder diese sinnlose Produktion eingestellt wird. Es ist gut dass dieses vor dem Wahljahr 2013 erfolgt und man kann hoffen dass man nicht analog des Ruhrkohlebergbaus eine tote Branche über Jahrzehnte hinweg mit zusätzlichen Subventionen am Leben hält.

Vandale

zarakthuul

18.04.2012, 11:00 Uhr

Der Verweis auf sinkende Subventionen ist billig - und falsch! Unternehmen, die im Rekordjahr 2011 Verluste geschrieben haben, sind nicht lebensfähig!

sgk_10

18.04.2012, 11:15 Uhr

@ Vandale:

Zitat: "...man kann hoffen dass man nicht analog des Ruhrkohlebergbaus eine tote Branche über Jahrzehnte hinweg mit zusätzlichen Subventionen am Leben hält."

Dann müsste Ihrer Aussage nach auch die Atomindustrie fallen gelassen werden:

- der Staat hat die Forschung und Entwicklung der Atomkraft in den 60er-80er Jahren mit mehreren 100 Mrd. EUR gefördert
- der Staat fördert heute die Forschung an Fusionsreaktoren
- der Staat übernimmt die Kosten für die Endlagerung des radioaktiven Mülls für die nächsten 200.000 Jahre
- der Staat übernimmt alle Kosten über 2.5 Mrd. EUR für im Fall eines Atomunfalls (Fukushima kostet Japan etwa 100 Mrd. EUR)
- der Staat übernimmt die Kosten für die Sicherheit der Castor-Transporte

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