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28.01.2011

08:17 Uhr

Flächenbrand in Nordafrika

Revolte verschreckt deutsche Investoren

VonMathias Brüggmann

Ermuntert vom Sturz der Regierung in Tunesien, verschafft sich jetzt vor allem die Jugend von Ägypten Gehör und auch im Jemen protestieren Tausende gegen Staatschef Saleh. Deutsche Unternehmen schrecken angesichts der angespannten Lage in Nordafrika vor neuen Investitionen in der Region zurück.

Tausende Menschen demonstrieren auch im Jemen gegen die Regierung. Auch viele deutsche Unternehmen sind von den Unruhen betroffen. DAPD

Tausende Menschen demonstrieren auch im Jemen gegen die Regierung. Auch viele deutsche Unternehmen sind von den Unruhen betroffen.

Kaum war der tunesische Diktator Ben Ali aus seiner Heimat ins saudi-arabische Exil geflohen, klingelte im Büro einer deutschen Handelskammer auf dem Balkan das Telefon: "Mir wurde sofort mitgeteilt, dass deutsche Unternehmen, die ihre Produktion in Kürze vom Balkan in Maghreb-Staaten verlagern wollten, doch erst einmal hier ansässig bleiben", sagt der Geschäftsführer der dortigen Außenhandelskammer, der weder seinen Namen noch sein Gastland öffentlich machen will. Die aktuelle politische Lage habe die Umzugspläne erst einmal gestoppt.

Da momentan vor allem sehr investitionsintensive Projekte im Energiebereich in arabischen Ländern anstünden, haben viele deutsche Firmen ihre Entscheidungen bis auf weiteres vertagt. Nach Handelsblatt-Informationen geht es dabei neben der laufenden Öl- und Gasförderung in Ländern der Region sowie dem Desertec-Projekt für Strom aus der Wüste auch um weitere große Vorhaben bei erneuerbaren Energien, über deren Realisierung in Kürze entschieden werden sollte. Nun laute die Devise erst einmal: Abwarten.

Deutsche Unternehmen schrecken angesichts der angespannten Lage in Nordafrika vor neuen Investitionen in der Region zurück. Die politischen Unruhen "werden gravierende Einschnitte in der Wirtschaft zur Folge haben, vor allem in vom Tourismus abhängigen Ländern wie Ägypten", sagt Helene Rang vom Nah- und Mittelost-Verein in Berlin voraus.

Mit aller Härte versucht die ägyptische Regierung, neue Massenproteste gegen Präsident Husni Mubarak zu unterbinden. Kurz vor den geplanten Großkundgebungen an diesem Freitag wurden in weiten Teilen des Landes die Internetverbindungen unterbrochen. Sicherheitskräfte nahmen zahlreiche Oppositionelle fest. Auch Textnachrichten konnten nicht mehr mit Blackberry versendet werden. Webseiten wie Twitter, Facebook und der Email-Dienst von Google waren vollständig blockiert.

Die ganze Region steht in Flammen, an geregelte wirtschaftliche Beziehungen ist nicht zu denken. Die Kurse an der Börse Kairo befinden sich im freien Fall. Von Marokko bis Jemen gehen die Menschen auf die Straße und stellen die Machtfrage.

Von den Unruhen betroffen sind auch viele deutsche Unternehmen. Für Konzerne wie die Rüstungsfirma MAN Ferrostaal, den Energieversorger RWE und die Autoindustrie haben der ägyptische und andere arabisch-muslimische Märkte an Bedeutung gewonnen. Das Handelsvolumen belief sich 2010 schon auf gut elf Milliarden Euro.

Kommentare (1)

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Margrit Steer

28.01.2011, 13:19 Uhr

Soll ich nun Mitleid haben mit unsren deutschen investoren?
...". Textil- und Kfz-Produktion"

Ach ja? Das kann man wohl nicht mehr in Deutschland machen?
Vielleicht wurde es Zeit, so schlimm die Krawalle dort für die Menschen sind, dass so was mal kommt, vielleicht wachen unsere deutschen gierigen Manager mal wieder auf.
in Deutschland wurde alles abgebaut, weil man dort billigst produziern kann und die Leute ausbeuten.
Darauf müssen unsere deutschen Firemn nicht stolz sein
bleibe im Lande und nähre Dich redlich, so hat man uns mal beigebracht
5 Mil. Arbeitslose und mehr im eignen Land können Autos bauen und in Nähereien tätig sein. Man muß sie nur ordentlich bezahlen.
Aber das will man ja nicht, denn bleibt zu wendig Rendite und die boni sind dann geringer.
Nein, ich habe nicht einen Funken Mitleid mit diesen deutschen niederträchtigen investoren.
Sie sollten lieber mal überlegen, ob nicht auch hier im Lande mal bürgerkriegsähnliche Zustände ausbrechen könnten, wenn es so weiter geht

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