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12.02.2013

14:19 Uhr

Flieger bleiben am Boden

Pannen am Aeroflot-Hoffnungsträger „Superjet“

Am „Superjet 100“ sind technische Pannen entdeckt worden. Vier von Zehn Fliegern müssen am Boden bleiben. Die Vergangenheit des Hoffnungsträgers ist bereits düster. Bei einem Werbeflug starben 45 Menschen.

Ein russischer Superjet 100. Vier von zehn Fliegern müssen wegen technischer Pannen am Boden bleiben. Reuters

Ein russischer Superjet 100. Vier von zehn Fliegern müssen wegen technischer Pannen am Boden bleiben.

MoskauWegen technischer Probleme muss die russische Fluggesellschaft Aeroflot vier ihrer zehn Superjets 100 vorübergehend am Boden lassen. In den ersten beiden Jahren seit Inbetriebnahme seien an jedem Modell diesen Typs Konstruktionsfehler festgestellt worden, teilte der Hersteller Suchoi am Dienstag mit. Demnach kann Aeroflot aber voraussichtlich Ende dieser Woche zwei der mit einem Flugverbot belegten Superjets wieder in seinen Dienst nehmen; die restlichen zwei vermutlich Ende des Monats.

Die Zeitung "Wedomosti" berichtete unter Berufung auf Kreise der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazia, die Probleme beim Superjet 100 beträfen das Fahrwerk. Die Behörde habe deshalb die vorübergehende Stilllegung einiger dieser Flieger von Aeroflot angeordnet. Die Wirtschaftszeitung "Kommersant" hatte vergangene Woche berichtet, dass 40 Prozent der bei der Flotte von Aeroflot registrierten Pannen auf das Konto des Superjets gingen.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Der Superjet 100 war die große Hoffnung der russischen Luftfahrtindustrie. Das Mittelstreckenflugzeug hat Platz für bis zu hundert Passagiere und kann Entfernungen zwischen 3200 und 4620 Kilometern zurücklegen. Der Flieger wurde entwickelt, um dem brasilianischen Konzern Embraer und dem kanadischen Unternehmen Bombardier Konkurrenz zu machen. Das erste Modell wurde im April 2011 ausgeliefert. Auf einem Demonstrationsflug in Indonesien, bei dem um mögliche Kunden geworben werden sollte, prallte im März 2012 ein Superjet 100 aufgrund eines Pilotenfehlers gegen einen Vulkan. 45 Insassen starben.

Von

afp

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