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23.07.2015

11:10 Uhr

Flottenmanager

VW verkauft Milliardenanteil an Leaseplan

Mit 3,7 Milliarden Euro für seinen niederländischen Leasinganbieter Leaseplan hat Volkswagen deutlich mehr herausgeschlagen als erwartet. VW will sein eigenes Flottenmanagement künftig weiter ausbauen.

Im April war der Verkauf von Leaseplan noch abgesagt worden, jetzt melden die Wolfsburger Vollzug. dpa

Volkswagen

Im April war der Verkauf von Leaseplan noch abgesagt worden, jetzt melden die Wolfsburger Vollzug.

WolfsburgDer VW-Konzern verkauft seinen milliardenschweren 50-Prozent-Anteil an dem Weltmarktführer für Leasing- und Fuhrparkmanagement, Leaseplan. Der Deal ist insgesamt 3,7 Milliarden Euro schwer und soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein, wie Europas größter Autobauer am Donnerstag mitteilte. Leaseplan mit Sitz in den Niederlanden geht an einen Zusammenschluss aus Investoren.

Über den Verkauf war seit Monaten spekuliert worden. Für Volkswagen hat die Trennung strategische Gründe – die Wolfsburger haben das Geschäftsmodell Leasing und Flottenservice konzernintern ausgebaut.

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VW vor dem Umbruch

Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen läuft vom Motorrad bis zum Schwerlaster alles vom Band. Demnächst könnte es vier Marken-Familien unter dem Konzerndach geben.

Quelle: dpa

Volumen

Die Kernmarke VW-Pkw steht für rund jedes zweite verkaufte Auto im Konzern und produziert Modelle vom Kleinstwagen Up bis zum luxuriösen Phaeton. Sie könnte mit der tschechischen Pkw-Tochter Skoda und der spanischen Marke Seat eine Familie für den Massenmarkt bilden. Das Trio kam zuletzt auf rund 75 Prozent vom Konzernabsatz.

Premium

Dafür steht im VW-Konzern vor allem Audi. Die Ingolstädter setzten 2014 rund 1,45 Millionen Wagen ab. Zu Audi zählen auch die Edelmarke Lamborghini, die 2014 aber nur 2650 Fahrzeuge produzierte, und die Motorräder von Ducati (Jahresproduktion gut 45.000 Stück).

Sport und Luxus

Das ist im Konzern vor allem Porsche. Die Schwaben setzten 2014 rund 190 000 Wagen ab. Zusammen mit Audi fuhr Porsche zuletzt zwei Drittel des Konzern-Betriebsgewinns ein. Zu den Schwaben könnte sich die Luxuswagenschmiede Bentley gesellen, Hoflieferant des britischen Königshauses. Die 2014 rund 11.000 abgesetzten Wagen sind konzernweit zwar kaum zu sehen. Doch Bentley treibt Trends wie den Leichtbau voran, was auch Porsche macht. Hinzu kommen könnte Bugatti, wo 2014 zwar nur 45 Autos verkauft wurden. Jedoch baut Bugatti das Spitzenprodukt im Konzern: Der Supersportler Veyron fährt Tempo 432.

Schwere Nutzfahrzeuge

Das sind bei Volkswagen MAN und Scania. Beide Marken formen künftig in einer eigenständigen Holding eine gemeinsame Organisationseinheit – nehmen die Familienbildung also schon voraus.

Der Rest

Übrig blieben die VW-Nutzfahrzeuge (VWN), die im leichten Segment der gewerblichen Nutzung etwa Kastenwagen für Handwerker bauen. VWN hat technologisch mehr Nähe zu den Pkw-Schwestern als zu MAN und Scania.

Volkswagen hatte sich die bisherige Leaseplan-Beteiligung mit einer Investmentgesellschaft des deutschen Bankiers Friedrich von Metzler geteilt. 2004 waren die Wolfsburger bei Leaseplan eingestiegen und Anfang 2009 hatten sie noch über eine Komplettübernahme verhandelt.

Leaseplan ist den Angaben zufolge in 32 Ländern präsent, beschäftigt mehr als 6800 Mitarbeiter und hat rund 1,5 Millionen Fahrzeuge unter Vertrag. Die Niederländer bieten Flottenlösungen ab 30 Fahrzeugen und sind der weltgrößte Anbieter von Fuhrparkmanagementservices. Dazu zählt es etwa, Fuhrparks für Vertriebsmitarbeiter als Gesamtpaket zusammenzustellen - vom Leasing über die Wartung bis hin zum nötigen Versicherungspaket. 2014 machte Leaseplan 372 Millionen Euro Gewinn.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Konzernkreisen hatte sich Volkswagen seinerzeit auch bei Leaseplan eingekauft, um den Dienstleister als Absatzkanal einzusetzen. Die Niederländer sind jedoch nur bedingt an Marken des VW-Konzerns gebunden und bieten auch Fahrzeuge der Konkurrenz an. Ohne eine Mehrheitsbeteiligung fehlte VW der Durchgriff für eine stärkere Beeinflussung der Vertriebspolitik bei Leaseplan, zumal das Management dort stets eigenständig blieb.

Volkswagen in Zahlen

Umsatz

108,8 Milliarden Euro im 1. Halbjahr 2015 (+10,1 Prozent)

Auslieferungen an Kunden

5,039 Millionen Fahrzeuge (-0,5 Prozent)

Gewinn nach Steuern

5,663 Milliarden Euro (-0,9 Prozent)

Mitarbeiter

597.800 am 30. Juni 2015 (+0,9 Prozent im Vergleich zum 31. Dezember 2014)

Mitarbeiter im Inland

273.900 (+1,0 Prozent)

Werke

118 (Vorjahr: 106)

Inzwischen leistet der VW-Konzern Leasing- und Flottenangebote auch selber intern mit seiner Finanztochter in viel größerem Umfang als früher. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch erklärte am Donnerstag: „Mit dem Ausbau des eigenen Flottenmanagements bei Volkswagen Financial Services ist nach unserer Meinung jetzt der geeignete Zeitpunkt gekommen, Leaseplan in neue Hände zu geben.“

Der VW-Konzern hatte 2014 vor Zinsen und Steuern (Ebit) rund 12,7 Milliarden Euro verdient. Aus dem China-Geschäft, wo VW mit Partnern unterwegs ist, flossen anteilig weitere 5,2 Milliarden Euro. Auf Basis dieser fast 18 Milliarden Euro Gewinn aus dem Tagesgeschäft entspräche der Sondereffekt aus dem Leaseplan-Deal etwa zehn Prozent.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Heiner Ettwein

23.07.2015, 12:58 Uhr

Warum muß der Normalbürger Dienstwagen finanzieren -siehe z:B. SPD Ulla Schmidt ? Diese Subvention gehört endlich gestoppt - Häuslebauer bekommen doch auch nichts mehr !

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