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03.03.2016

11:13 Uhr

Flüchtlinge in Deutschland

Firmen ringen mit der Integration

VonBert Fröndhoff

Flüchtlinge wollen in Deutschland arbeiten, die deutschen Firmen wiederum suchen Personal. Doch die Einbindung von Migranten fällt den Unternehmen schwerer als erwartet. Woran es scheitert, zeigt eine neue Studie.

211 Unternehmen der Hauptstadt stellten auf der Messe im Estrel Hotel aus. dpa

Flüchtlinge auf der Jobbörse in Berlin

211 Unternehmen der Hauptstadt stellten auf der Messe im Estrel Hotel aus.

Düsseldorf.Mehr als hundert Meter lang ist die Schlange vor dem Berliner Estrel Hotel. Flüchtlinge warten dort darauf, dass die erste große Jobbörse für Migranten eröffnet. 211 Unternehmen haben in den Hotelhallen ihre Stände aufgebaut, an denen sie über Jobchancen in ihren Organisationen informieren. Bayer ist dabei, der Energiekonzern Vattenfall, eine Reederei sowie viele Hotels.

Am Ende des Tages waren mehr als 4.000 Flüchtlinge zu Gast. Die Veranstalter werten die Jobbörse daher am Montag dieser Woche als großen Erfolg. Ein erstes Kennenlernen, Kontakte knüpfen – für viele Firmen ist es das erste Mal, dass sie sich mit Asylsuchenden über Ausbildung, Ansprüche und Jobchancen austauschen.

Noch haben erst wenige deutsche Unternehmen Flüchtlinge eingestellt – gerade einmal sieben Prozent gaben dies bei einer aktuellen Umfrage des Münchener Ifo-Instituts an. Aber das soll sich bald ändern: Ein Drittel der rund 1.000 befragten Personalleiter planen, in diesem oder im kommenden Jahr Flüchtlinge einzustellen. Dieser Trend geht quer durch die Branchen, vor allem aber das Gastgewerbe ist auf der Suche nach Personal.

Migranten sollen hier die Anforderungen im Job des Schreiners kennenlernen. dpa

Flüchtlings-Initiative der Handwerkskammer Berlin

Migranten sollen hier die Anforderungen im Job des Schreiners kennenlernen.

Doch die Suche nach geeigneten Bewerbern unter den Flüchtlingen ist für die meisten Firmen eine große Herausforderung. Denn nicht nur die Migranten sind wenig auf ein neues Berufsleben in Deutschland vorbereitet. Auch den Personalabteilungen deutscher Firmen Unternehmen fällt die gewünschte Integration von Flüchtlingen schwerer als erwartet, wie eine aktuelle Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte zeigt.

Danach stellen die sehr unterschiedlichen Qualifikationen der Bewerber und die komplexen gesetzlichen Regelungen für sie die größten Herausforderungen dar. Wie erwartet, scheitert die Einstellung von Flüchtlingen an deren fehlenden Sprachkenntnissen – 69 Prozent der Befragten nannten dieses Hindernis. Aber auch kulturelle Unterschiede fordern 40 Prozent der Unternehmen heraus, ebenso wie die Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen.

Knapp die Hälfte der Firmen ist noch nicht mit gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen zur Migrantenintegration in die Arbeitswelt vertraut, ergab die Deloitte-Studie. Beispiele dafür sind aus Sicht der Prüfungsgesellschaft die sogenannte Nachrangigkeitsprüfung. Danach können Firmen im Grunde nur dann Asylsuchende einstellen, wenn kein Deutscher oder EU-Bürger für diese Stelle zur Verfügung steht.

Viele Unternehmen zeigen sich verunsichert darüber, ob und wie diese Regelung gelockert wird, und wie genau mögliche Ausnahmen aussehen sollen. Als weitere bürokratische Hürde gilt die Anerkennung relevanter Qualifikationen, die Flüchtlinge in ihren Heimatländern erworben haben.

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