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05.01.2010

11:34 Uhr

Flugsicherheit

Scannerfirmen vor Riesengeschäft

VonMatthias Eberle , Hans Schürmann

Nach dem vereitelten Flugzeugattentat von Detroit beraten die Regierungen großer Industrieländer über schärfere Kontrollen an Flughäfen. Von der Angst vor Attentaten profitieren vor allem die Hersteller von Sicherheitstechnik. Ihnen winkt ein Milliardenmarkt.

Ein Fluggast während der Sicherheitskontrolle am Flughafen Schiphol in Amsterdam. Immer mehr Länder setzen auf Ganzkörperscanner. Quelle: dpa

Ein Fluggast während der Sicherheitskontrolle am Flughafen Schiphol in Amsterdam. Immer mehr Länder setzen auf Ganzkörperscanner.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Unsichere Zeiten sind regelmäßig gute Zeiten für Firmen, die Sicherheitstechnik herstellen. Während die Regierungen großer Industrieländer nach dem vereitelten Flugzeugattentat von Detroit fieberhaft über schärfere Kontrollen an Flughäfen beraten, bereiten sich die Hersteller von Ganzkörperscannern auf Überstunden vor. Die US-Sicherheitsbehörde TSA hat direkt nach dem Vorfall am Weihnachtstag 300 zusätzliche Durchleuchtungsgeräte für US-Flughäfen in Auftrag gegeben. Auch Großbritannien und Holland kündigten umgehend die Einführung der umstrittenen Scanner an, in Deutschland hat eine Testreihe an der Bundespolizeiakademie in Lübeck begonnen.

Den Herstellern von Sicherheitstechnik winkt ein neues Milliardengeschäft. Sobald die ersten großen Flughäfen mit derlei Systemen ausgestattet würden, sei der Schritt zu einem neuen globalen Standard nicht mehr weit, argumentieren Experten. Sie rechnen damit, dass weltweit an die 50 000 Geräte alleine für Flughäfen benötigt werden. Ein einzelner Ganzkörperscanner wird derzeit für rund 150 000 Dollar verkauft.

Davon dürften insbesondere die beiden US-Firmen L3 Communications und OSI Systems profitieren, die als einzige Unternehmen solche Geräte auf dem Markt anbieten und gleichzeitig zertifiziert sind, um mit der US-Regierung auf diesem Feld zusammenzuarbeiten.

Auch der britische Mischkonzern Smiths Group, der eine große Sicherheitssparte (Smiths Detection) betreibt, entwickelt Ganzkörperscanner und hofft, von der Auftragswelle profitieren zu können. Zu Smiths gehört unter anderem die frühere Wiesbadener Firma Heimann Systems, die bereits in den 70er-Jahren Röntgenanlagen für die Kontrolle von Reisegepäck herstellte und mit Sicherheitstechnik weltweit exportierte.

Im Zuge der neu entflammten Terrorfurcht sind die Börsenkurse von Sicherheitsfirmen in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Aktien der Smiths Group kletterten gestern in London um 4,3 Prozent auf 1 058 Pence und damit auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Der Kurs von OSI Systems, einem kalifornischen Anbieter von Screening-Technologien (Umsatz 623 Mio. Dollar), hat sich im Jahresvergleich annähernd verdoppelt. Die OSI-Tochter Rapiscan Systems hatte im Oktober einen Auftrag der US-Behörden über 150 Ganzkörperscanner erhalten. Die ersten Auslieferungen dieser 25-Millionen-Dollar-Order sollen in dieser Woche beginnen.

Der Wettbewerber L3 Communications hat von seiner jüngsten Generation von Scannern (Safe View) 200 im Einsatz. Im Unterschied zu den Rapiscan-Geräten setzt L3 allerdings auf Terraherz-Wellen, nicht auf Röntgenbilder. Zum potenziellen Einsatzgebiet gehörten nicht nur Tausende Flughäfen, sondern auch Grenzkontrollstellen, Gefängnisse und Bahnanlagen, sagte der Präsident der L3-Sparte Security and Detection Systems, Tom Ripp. Mit einem Umsatz von fast 15 Mrd. Dollar gehört L3 zu den führenden Zulieferern des US-Verteidigungsministeriums Pentagon. Hinter dem Firmennamen verbergen sich zehn frühere Geschäftsbereiche des US-Rüstungskonzerns Lockheed, die 1996 bei der Großfusion mit Martin Marietta abgetrennt wurden.

Kommentare (1)

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birnbaum

05.01.2010, 13:22 Uhr

Mag sein, dass die Hersteller ein gutes Geschäft machen; die Flughäfen und Fluggesellschaften jedenfalls nicht. Anständige, freie Menschen werden dieses Reisemittel in Zukunft meiden; Durchleuchten
hatten wir zuletzt an der DDR-Grenze und haben uns moralisch entrüstet. Dann werden die Sicherheitsfanatiker und die, die es nicht vermeiden können, allein fliegen und sich begaffen lassen.

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