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25.09.2014

18:48 Uhr

Flugzeugbau

Wo Putin den Mund zu voll nimmt

VonKaren Grass

Russland soll angesichts der westlichen Sanktionen seinen eigenen Flugzeugbau im zivilen und im militärischen Bereich enorm ausbauen – so jedenfalls wünscht es sich die Regierung. Warum das nicht gelingen kann.

Er ist entschlossen, die eigene Ingenieurskunst zur Hochleistung zu treiben – doch am Ziel eines autarken Luftfahrtsektors wird der russische Präsident Wladimir Putin sich die Zähne ausbeißen. Getty Images

Er ist entschlossen, die eigene Ingenieurskunst zur Hochleistung zu treiben – doch am Ziel eines autarken Luftfahrtsektors wird der russische Präsident Wladimir Putin sich die Zähne ausbeißen.

DüsseldorfEs wirkt wie eine Trotzreaktion. Weil die Franzosen in der Ukraine-Krise vorerst den Hubschrauberträger Mistral nicht ausliefern, will die russische Regierung nun demonstrativ auf eigene Herstellung setzen. Sie ließ verlauten, man werde die nationale Produktion im Luftfahrt- und Rüstungsbereich deutlich ausweiten. Selbstverständlich müssten mehr Maschinen und auch Flugzeugteile in Russland gefertigt werden, sagte Ministerpräsident Dimitri Medwedew Anfang September.

Er gab das klare Ziel aus, die Produktion des Regionalflugzeugs Sukhoi Superjet ab 2015 von bisher 25 auf 50 Flieger zu verdoppeln – allerdings ohne einen genauen Zeithorizont zu benennen. Außerdem kündigte Medwedew an, Russland werde sich neue Kooperationspartner im Flugzeugbau suchen, wenn der Westen kein verlässlicher Partner mehr sein wolle. Zur neuen Autonomie soll auch ein nationaler Investitionsplan des russischen Handelsministeriums beitragen, der bis 2025 eine Produktion von 180 zivilen Flugzeugen pro Jahr vorsieht – eine Steigerung um den Faktor vier gegenüber der aktuellen Leistung.

Doch Beobachter sind skeptisch, ob die Russen diese Pläne autonom vom Westen umsetzen können, ganz egal, ob man russische oder US-amerikanische Experten fragt. „Bisher waren die Russen mit diesen Bestrebungen wenig erfolgreich“, sagt Tom Captain, Leiter der Abteilung Rüstung und Luftfahrt bei der Unternehmensberatung Deloitte. „Die russische Flugzeugindustrie ist nicht in der Lage, ein modernes Flugzeug ohne westliche Kooperationspartner zu bauen“, urteilt Oleg Panteleev, Chefanalyst des russischen Branchendienstes Aviaport.

Das sind die größten Airlines der Welt

Platz 10

Air China ist die zweitgrößte Fluggesellschaft der Volksrepublik – und die einzige zivile Linie, der es erlaubt ist, die chinesische Nationalflagge auf ihren Flugzeugen anzubringen.
Passagiere 2014: 54,58 Millionen

Platz 9

Die Lufthansa ist die größte deutsche Fluggesellschaft und befördert den Großteil ihrer Passagiere auf internationalen Flügen.
Passagiere 2014: 59,85 Millionen

Platz 8

Easyjet aus Großbritannien ist nach Ryanair die zweitgrößte Billigfluggesellschaft der Welt.
Passagiere 2014: 62,31 Millionen

Platz 7

China Eastern Airlines hat seine Basis in Shanghai, fliegt trotz des Namens nicht nur Ziele im Osten des Landes an, sondern ist sowohl in ganz China als auch internationale unterwegs.
Passagiere 2014: 66,17 Millionen

Platz 6

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair liegt im weltweiten Ranking auf Platz 6, in Europa ist aber keine Airline größer als das Unternehmen aus Dublin. Interessant: Ryanair bietet ausschließlich internationale Flüge an.
Passagiere 2014: 86,37 Millionen

Platz 5

American Airlines mit Sitz in Texas ist eine der ältesten Fluglinien der Welt, sie wurde bereits 1930 gegründet.
Passagiere 2014: 87,83 Millionen

Platz 4

Noch ein wenig älter ist United Airlines, ebenfalls aus den USA. Die Unternehmensgeschichte geht bis ins Jahr 1926 zurück.
Passagiere 2014: 90,44 Millionen

Platz 3

China Southern Airlines ist die größte Fluggesellschaft Asiens. Den Großteil ihrer Passagiere befördert die Airline auf Flügen innerhalb Chinas.
Passagiere 2014: 100,68 Millionen

Platz 2

Southwest Airlines aus den USA ist eine Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dallas. 1967 gegründet, ist das Unternehmen Pionier des Billigflugsegments. Sie bietet fast ausschließlich Flüge innerhalb der USA an.
Passagiere 2014: 129,09 Millionen

Platz 1

Delta Air Lines gehört zu den drei verbliebenen traditionsreichen Linienfluggesellschaften in den USA. Ganz knapp verweist das Unternehmen die Southwest Airlines auf Rang zwei.
Passagiere 2014: 129,43 Millionen

Quelle: IATA


Zwar ist Russland im militärischen Luftfahrtbereich durchaus wettbewerbsfähig. Doch im zivilen Luftfahrtsektor, der wirtschaftlich wichtiger ist, kommen die Russen vom Westen nicht los.

Wie eng die Kooperation mit dem Westen zuletzt war, zeigt sich an einem Schreiben des US-Handelsministeriums an heimische Firmen von Februar 2013, das im russischen Markt gewaltige Potenziale für US-Unternehmen ausmacht. Die russische Regierung will zwischen 2013 und 2025 rund 56,6 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung des Luftfahrtsektors investieren. Diese Summen könnten die 248 russischen Produzenten unter dem Dach des mehrheitlich staatlichen Betriebes UAC jedoch gar nicht allein abrufen und verbauen, so die Schätzung der amerikanischen Ministerialbeamten.

Die großen nationalen Hersteller wie Sukhoi, Irkut, Tupolev, Ilyushin, Aviastar und Rostech arbeiten ausnahmslos mit internationalen Zulieferern zusammen. Selbst das russische Vorzeigeprodukt, der Sukhoi Superjet 100 besteht laut unternehmenseigener Buchführung bisher zu 55 bis 60 Prozent aus westlichen Bauteilen.

Kommentare (5)

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Herr Paul Müller

25.09.2014, 19:19 Uhr

Na mal schauen wer zuerst sein Ziel erreicht, die Amis autonom im All, oder die Russen mit einem guten zivilen Verkehrsflugzeug unterwegs...

Herr Vittorio Queri

25.09.2014, 19:55 Uhr

>> Weil die Franzosen in der Ukraine-Krise vorerst den Hubschrauberträger Mistral nicht ausliefern <<

Die Franzosen können die Mistral erst gar nicht NICHT ausliefern.

Die Mistral ist zu einem Drittel mit Russischer Technik ausgestattet. Der Rumpf kommt komplett aus St. Petersburg.

Würden die Franzosen die Mistral für sich behalten, so müssten sie ein Drittel der Kosten den Russen für Russische Lieferungen erstatten ( mehrere Hundert Millionen € ) und exorbitante Konventionalstrafen zahlen ( mehrere Milliarden € ).

Die Franzosen werden die Hubschrauber-Parkplätze-Blechbüchsen Mistral ausliefern.......trotz Propaganda-Masche der Polit-Oligarchen.

Frau Helga Trauen

25.09.2014, 20:07 Uhr

Es ist nur das Wunschdenken des Westens, dass ja die Sanktionen wirken; sonst würde man sich ja nur selbst ans Schienbein pinkeln. Es wäre furchtbar, wenn die Russen ein Kampfflugzeug der 5. Generation selbst entwickeln und in den Truppendienst bringen könnten - das passiert schon nächstes Jahr mit der Sukhoi T-50.

Selbstverständlich können die Russen Flugzeuge entwickeln - auch zivile. Die Vermarktung außerhalb Russlands ist allerdings in der Tat ein Problem. Auf russische Technik hat da niemand gewartet. Allerdings werden die Sanktionen die russische Industrie geradezu beflügeln. Die westlichen Sanktionen waren nur dümmlich arrogant!

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