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12.01.2016

16:21 Uhr

Flugzeugbauer Airbus

Diese Probleme bremsen den Überflieger

VonThomas Hanke

Airbus feiert sich als Marktführer über den Wolken. 635 Maschinen hat der europäische Flugzeugbauer im vergangenen Jahr ausgeliefert. Doch am Boden quälen den Konzern Probleme mit Toiletten und Motoren.

Der Airbus-Chef sieht sich als Marktführer. ap

Fabrice Bregier

Der Airbus-Chef sieht sich als Marktführer.

ParisIm ewigen Wettlauf mit dem Konkurrenten Boeing sieht sich der Flugzeugbauer Airbus eindeutig an der Spitze: „Wir führen diesen Markt“, sagte Fabrice Brégier, Chef der Zivilflugzeugsparte, am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz in Paris. John Leahy, der für seine spitze Zunge gefürchtete Chefverkäufer des Unternehmens, legte nach: „Wir haben im vergangenen Jahr 1036 Bestellungen erhalten, Boeing nur 768, damit kommen wir auf einen Marktanteil von 57 Prozent.“ 635 Flieger konnte das deutsch-spanisch-französische Gemeinschaftsunternehmen im vergangenen Jahr seinen Kunden übergeben, mehr als je zuvor. In diesem Jahr sollen es sogar 650 werden.

Der Auftragsbestand des vor allem in Toulouse und Hamburg fertigenden Herstellers erreicht derzeit 6787 Flugzeuge, mit einem addierten Listenpreis von knapp 1000 Milliarden US-Dollar. Das ist deutlich mehr als die Wirtschaftsleistung, die 17 Millionen fleißige Holländer in einem Jahr erstellen. Hat Airbus die Gesetze der Schwerkraft hinter sich gelassen, gibt es keine Grenzen mehr für das Glück über den Wolken?

Zweikampf mit Boeing : Airbus liefert so viele Flugzeuge wie nie aus

Zweikampf mit Boeing

Airbus liefert so viele Flugzeuge wie nie aus

635 Flieger hat Airbus im vergangenen Jahr an seine Kunden ausgeliefert. Das ist Rekord, doch US-Konkurrent Boeing bleibt vorn. Das Auftragsbuch von Airbus ist dagegen unschlagbar.

Doch, und kein anderer als Leahy selber musste das einräumen: „Ja gut, Boeing liefert mehr Flugzeuge aus als wir, aber das liegt nur an ihrem Zeitvorsprung beim (Großraumflieger) 787-Dreamliner, wir holen auf.“ 762 Flugzeuge haben die Amerikaner 2015 an die Airlines übergeben, deutlich mehr als Airbus.

Das in Toulouse ansässige Unternehmen kann trotz des dick aufgetragenen Optimismus seine Sorgen nicht verhehlen. Der Brot- und Butterflieger A320 in der spritsparenden Neo-Variante komme auf 67 Prozent Marktanteil gegenüber seinem Konkurrenten Boeing 737 Max, tönte Leahy. 3327 Exemplare des überarbeiteten Erfolgsmodells sind bestellt, das sichert auf Jahre hinaus die Auslastung der Kapazitäten. An diesem Kurz- und Mittelstreckenflugzeug – Listenpreis: 107 Millionen Dollar - hängt die finanzielle Gesundheit von Airbus.

Wo Airbus Flugzeuge zusammenbaut

Vier Werke

Der größte europäische Flugzeughersteller Airbus baut in vier großen Produktionswerken auf drei Kontinenten Flugzeuge zusammen. Die Hauptproduktionsstätten.

Toulouse

Am Stammsitz von Airbus in der südfranzösischen Stadt mit mehr als 21 000 Beschäftigten in der Region werden auf mehreren Fertigungslinien die A320, A330, A350 und A380 endmontiert. Für die A320-Familie gibt es zwei Endmontagelinien.

Hamburg-Finkenwerder

Das Hamburger Werk in Finkenwerder ist mit 12 700 Beschäftigten die größte Produktionsstätte von Airbus in Deutschland. Für die Flieger der A320-Familie werden hier nicht nur Teile produziert, es gibt auch drei Endmontage-Linien. Eine vierte Linie soll in Hamburg entstehen, wenn die Produktion des Erfolgsschlagers A320 mehr als ohnehin geplant ausgeweitet wird. Auch an anderen Airbus-Programmen wie dem weltgrößten Passagierflugzeug A380 ist Hamburg beteiligt.

Tianjin

2008 eröffnete Airbus ein Werk als Joint Venture in der chinesischen Hafenstadt Tianjin. Dort werden von mehr als 400 Mitarbeitern ebenfalls Flugzeuge der A320-Familie montiert.

Mobile

Mit der Fertigungsstätte im US-Staat Alabama will Airbus dem Erzrivalen Boeing noch mehr Konkurrenz machen. Im Frühjahr 2016 soll dort der erste auf dem 470 000 Quadratmeter großen Areal montierte Mittelstreckenjet der A320-Familie ausgeliefert werden. 1000 Arbeitsplätze sind dort geplant.

Quelle: dpa

Doch ausgerechnet hier gibt es Lieferschwierigkeiten. Ungewohnt giftig ging Chefverkäufer Leahy darauf kurz ein: „Dank Pratt & Whitney konnten wir die erste A 320 neo nicht im vergangenen Dezember ausliefern.“ Es ist völlig unüblich, einen wichtigen Zulieferer öffentlich so in den Senkel zu stellen. Der Motorenhersteller hat Schwierigkeiten mit der Kühlung des neuen Aggregats. Nach dem Anlassen muss es erst ein paar Minuten im Leerlauf drehen, bevor das Flugzeug zum Start rollen kann. Erstkunde Qatar Airways verweigerte deshalb die Abnahme.

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