Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.12.2011

20:19 Uhr

Flugzeugbauer

„Airbus hat die richtige Strategie“

VonMarkus Fasse, Carsten Herz, Martin-W. Buchenau

Für Airbus ist 2011 ein Rekordjahr. Bis November notierte der Flugzeugbauer 1378 Bestellungen. Konkurrent Boeing erhielt nur 518 Bestellungen. Bodo Uebber, Chairman der Airbus-Mutter EADS, über die Zukunft des Konzerns.

Bodo Uebber, im Hauptberuf ist der Finanzchef von Daimler, bei EADS ist er Chefkontrolleur der Airbus-Mutter. dpa

Bodo Uebber, im Hauptberuf ist der Finanzchef von Daimler, bei EADS ist er Chefkontrolleur der Airbus-Mutter.

Handelsblatt: Herr Uebber, Daimler will weitere Anteile an der Airbus-Mutter EADS verkaufen. Haben Sie den Glauben an den Luftfahrtkonzern verloren?

Bodo Uebber: Ganz im Gegenteil. Wir haben jetzt mit der Bundesregierung eine grundsätzliche Übereinkunft erreicht: Die KfW übernimmt 7,5 Prozent an EADS. Das ist die Grundlage für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Aktionärsstruktur von EADS

und zeigt unser großes Interesse an einem verantwortungsvollen Umgang mit unseren Anteilen.

Es zeigt vor allem, dass Sie nicht mehr Aktionär sein wollen.

Daimlers Kerngeschäft ist der Bau von Automobilen - und es ist nur legitim, sich darauf zu konzentrieren. Deshalb haben wir die Diskussion angestoßen und jetzt eine gute Lösung gefunden, die bis Mitte 2012 umgesetzt wird.

Der auch von Daimler mitentsandte Airbus-Chef Tom Enders hat verkündet, er halte den Einstieg der KfW bei EADS für den "völlig falschen Weg". Spaltet Ihre Entscheidung das deutsche Management?

Nein. Auch wenn es Sie vielleicht überrascht: Im Grundsatz haben wir keine unterschiedliche Meinung …

... das scheint eine eigenwillige Interpretation ...
... sowohl das EADS-Management als auch ich sind marktwirtschaftlich eingestellt. Die Struktur, die wir jetzt aufbauen, ermöglicht es, EADS erfolgreich weiterzuentwickeln: Zum einen wahren wir die Balance zwischen Frankreich und Deutschland, die eins der entscheidenden Erfolgskriterien des Unternehmens ist. Zum anderen schaffen wir eine höchst flexible Struktur, die veränderbar ist. Gleichzeitig bleibt der Einfluss von Privatinvestoren wie uns gesichert.

Herr Enders aber hält die Beteiligung von Staaten nicht für einen erstrebenswerten Schutz, sondern für ein Grundübel in der Konstruktion. Neben Paris und Madrid wird jetzt auch noch Berlin Aktionär.

Wie gesagt: Ich denke, in der Zielsetzung sind wir einer Meinung.

Was ist denn Ihr Ziel?
Wir setzen jetzt erst einmal die vereinbarte Lösung um. Alles Weitere werden wir dann mit den Partnern im Aktionärspakt besprechen. Diesen Gesprächen möchte ich nicht vorgreifen.

Für weitere 7,5 Prozent von EADS, die noch im sogenannten Daedalus-Banken-Konsortium liegen, soll aber schon 2012 eine Lösung her. Es wurde darüber spekuliert, dass ein arabischer Investor einsteigen könnte.

Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, mit unseren Partnern eine Öffnung der Strukturen zu diskutieren - schließlich handelt es sich bei den Anteilen des Daedalus-Konsortiums um Aktien, deren Stimmrechte von Daimler wahrgenommen werden. Bei möglichen neuen Investoren müssen wir berücksichtigen, dass wir die Aktionärsstruktur eines Luftfahrt- und Rüstungsunternehmens wie EADS nicht beliebig öffnen können. Ohne die Ausübung von Stimmrechten ist allerdings einiges vorstellbar.

Welche anderen Schutzmechanismen gibt es?

Was heute schnell umsetzbar ist - und weniger komplex als andere Vorschläge - wäre zum Beispiel eine Anteils- oder Stimmrechtsbegrenzung für Aktionäre. Das wäre ein guter Schutzmechanismus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×