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31.07.2015

13:55 Uhr

Flugzeugbauer bleibt auf Kurs

Linienflieger lassen Airbus durchstarten

Airbus hat im ersten Halbjahr seinen Gewinn kräftig ausbauen können. Das verdankt der Flugzeugbauer vor allem dem Erfolg seiner Linienflieger. Die finanziellen Folgen des A400M-Absturzes hat der Konzern weggesteckt.

Experte zu Flugzeugherstellern

„Airbus und Boeing profitieren von der Mittelschicht“

Experte zu Flugzeugherstellern: „Airbus und Boeing profitieren von der Mittelschicht“

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MünchenDer Flugzeugbauer Airbus profitiert von der Erneuerung seiner Modellpalette und dem starken Euro. Der Gewinn kletterte trotz der Belastungen durch den Absturz eines Militärtransporters A400M im zweiten Quartal binnen Jahresfrist um fünf Prozent auf 732 Millionen Euro, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Airbus schnitt auch dank der Erlöse aus dem Verkauf von Anteilen am französischen Kampfjet-Hersteller Dassault besser ab als von Analysten erwartet. Dies trieb die Aktie mit einem Plus von vier Prozent an die Spitze des Nebenwerteindex MDax.

Der Umsatz erhöhte sich dank gestiegener Auslieferungszahlen und günstigerer Währungsverhältnisse um 16 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro. „Die Geschäftsergebnisse zeigen, dass wir auf Kurs sind, unsere Prognose für das Geschäftsjahr 2015 zu erreichen. Wir verzeichnen über das gesamte Portfolio hinweg ein hohes Wachstum“, erklärte Airbus-Chef Tom Enders. Umsatz, Betriebsgewinn und Dividende sollen demnach steigen. Mittelfristig wuchs bei dem paneuropäischen Unternehmen der Optimismus. Die Perspektiven für 2016 seien unverändert, für 2017 und danach hätten sie sich aber verbessert, sagte Finanzchef Harald Wilhelm.

Airbus Pannenflieger A400M

1982

Führende europäische Rüstungskonzerne gründen im Dezember 1982 das Future International Military/Civil Airlifter-Konsortium (FIMA) mit dem Ziel, den Bau eines gemeinsamen Militärtransporters zu prüfen. Die neue Maschine soll als Ersatz für die alternden Flieger Lockheed C-130 Hercules und Transall C-160 dienen.

Quelle: Wirtschaftswoche

1994

Das mittlererweile auf Euroflag umgetaufte Konsortium stellt das erste Modell der A400M auf der Flugschau in Farnborough. Der Name: Future Large Aircraft (FLA). Kurz darauf übernimmt der Flugzeugbauer Airbus das Programm.

1999

Airbus legt sieben Regierungen ein Angebot über feste Leistungen und Preise für den A400M vor.

2003

Nach schwierigen und lange dauernden Verhandlungen unterschreiben die Länder im Mai 2003 einen Vertrag über die Lieferung von 180 Maschinen.

2007

Der Bau des ersten Prototypen beginnt. Ende des Jahres gibt Airbus bekannt, dass sich der eigentlich für 2008 geplante Start der Serienproduktion wegen technischer Probleme um mindestens zwölf Monate verzögert.

2009

Im Dezember 2009 findet schließlich der Erstflug des Militärtransporters statt. Es ist längst ausgeschlossen, dass Frankreich wie geplant im Frühjahr 2010 die erste A400M erhält.

2009/2010

Die Situation spitzt sich zu: Airbus zweifelt wegen der immens erhöhten Belastung durch technische Probleme und Verzögerungen in der Entwicklung intern an der Realisierung des Projekts. In Medien ist von fünf bis elf Milliarden Euro Mehrkosten die Rede.

2010

Die beteiligten Länder einigen sich mit Airbus auf den Bau des Flugzeugs und akzeptieren eine Preiserhöhung. Die Produktion der ersten Serienmaschinen beginnt.

2013

Im August 2013 wird die erste A400M an das französische Militär ausgeliefert.

2015

Laut Medienberichten führen Produktionsprobleme dazu, dass 2015 maximal zwei statt fünf A400M an Deutschland ausgeliefert werden können. Auch die Franzosen und Briten sind von den erneuten Verzögerungen betroffen. Im Mai stürzt eine Maschine beim Werk im spanischen Sevilla wegen Softwareproblemen ab. Vier Mitglieder der Crew sterben, der Produktionsplan gerät durcheinander.

Allein auf der Pariser Luftfahrtmesse gingen 421 Festbestellungen und Optionen für Flugzeuge bei Airbus ein. „Dies unterstreicht die anhaltend gute Auftragslage auf dem Zivilflugzeugmarkt“, erklärte der Konzern. Im ersten Halbjahr erhielt der Boeing-Rivale feste Aufträge für 348 Verkehrsflieger, fast 60 mehr als vor Jahresfrist. Enders erfreute sich am Hochlauf des Langstreckenjets A350 XWB. Dieses Jahr würden 15 Stück zu den Kunden fliegen, nächstes Jahr doppelte so viele, erklärte Enders in einer Telefonkonferenz. Das Preisniveau für Zivilflieger generell sei „gesund“ und werde sich praktisch nicht ändern.

Die Auslieferungen des Transporters A400M seien mittlerweile nach dem Absturz wieder aufgenommen worden. Die Verzögerung habe den Konzern mit 290 Millionen Euro belastet. Airbus wolle im laufenden Jahr 14 bis 17 Flieger dieses Typs ausliefern. Kein Kunde habe Abbestellungen erwogen, sagte Enders in einer Telefonkonferenz.

Mit dem Sorgenmodell A380 verdiene Airbus im laufenden Jahr Geld, auch wenn die Zahl der ausgelieferten Modelle unter 30 liege, sagte Finanzchef Harald Wilhelm. Enders äußerte sich zuversichtlich, dass für den Riesenflieger im laufenden Jahr neue Aufträge ins Haus flatterten. Im laufenden Jahr wirft die Bauserie erstmals seit ihrer Einführung 2007 Gewinn ab. Zuletzt hatte sich der Großraumjet aber für Airbus zum Ladenhüter entwickelt, keine Airline bestellte das Modell mehr neu.

Die Überarbeitung des meistverkauften Airbus-Jets A320 komme unterdessen voran. Seit Montag seien nach einer Unterbrechung die Testflüge mit dem neuen Triebwerk von Pratt & Whitney wieder aufgenommen worden.

Während die Einnahmen aus dem Verkehrsfliegersegment im Quartal um fast ein Fünftel zulegten, blieben die kleineren Sparten hinter diesem Wert zurück. Das Helikoptersegment verzeichnete ein Wachstum von drei Prozent, die Sparte Raumfahrt und Rüstung legte um sechs Prozent zu. Die Verhandlungen über den Verkauf der Randbereiche im Rüstungssegment würden im zweiten Halbjahr an Fahrt gewinnen, sagte Enders. Er bekräftigte zudem, den verbleibenden Anteil an Dassault von gut einem Viertel bis Ende 2016 loszuschlagen.

Börsianer waren entzückt vom Zahlenwerk aus Toulouse. „Die Ergebnisse waren viel stärker als erwartet“, urteilte DZ-Bank-Analyst Alexander Hauenstein. Der Hochlauf der neuen Modellserien biete eine gute Perspektive für die kommenden Jahre.

Von

rtr

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