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26.01.2011

23:51 Uhr

Flugzeugbauer

Die Investoren misstrauen Boeings Zuversicht

Im vierten Quartal brachen Umsatz und operativer Gewinn stärker als erwartet ein. Boeing-Chef McNerney verspricht schnelle Besserung – doch der Aktienkurs knickt ein. Nun hängt alles an einem erfolgreichen Serienstart der 787.

Testmodell der 787: Bergauf geht es für Boeing derzeit nur bedingt. Quelle: dapd

Testmodell der 787: Bergauf geht es für Boeing derzeit nur bedingt.

MÜNCHEN. Selten verbreitete ein Unternehmen so viel Hoffnung wie Boeing in diesen Tagen. „Wir gehen gut gerüstet für Wachstum in das neue Jahr“, sagte Konzernchef Jim McNerney am Dienstag in einer Telefonkonferenz. „Unsere gesamte Anstrengung richtet sich jetzt darauf, die 787 und 747-8 auszuliefern“, beschwörte McNerney Anleger, Mitarbeiter und nicht zuletzt seine Kunden. Der Boeing-Chef weiß: 2011 darf es keine Pannen mehr bei seinen wichtigsten Flugzeugprojekten geben. 25 bis 40 Maschinen von den neuen Langstreckenfliegern sollen 2011 erstmals ausgeliefert werden, versprach er.

Einerseits warten die Kunden seit nunmehr drei Jahren auf den neuen Dreamliner. Erst vergangene Woche verschob Boeing die Auslieferung des Langstreckenflugzeugs zum siebten Mal, jetzt ist das dritte Quartal 2011 das Ziel. Die Belastungen für dieses Projekt sollen sich in den vergangenen Jahren auf 12 Milliarden Dollar summiert haben, rechnete kürzlich die „Seattle Times“ vor. Und auch der neue Jumbojet kommt erst im Sommer 2011 und damit 18 Monate später als erwartet.

Die Dauerbaustellen im zivilen Flugzeugbau und die bevorstehenden Kürzungen bei Rüstungsprogrammen treffen Boeing empfindlich. Obwohl das Auftragsbuch mit Zivilflugzeugen und Rüstungsaufträgen mit nunmehr 321 Milliarden Dollar randvoll ist und die Bestellungen für Passagierjets wieder anziehen, laufen die Geschäfte mau. Im vierten Quartal sank der Umsatz um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr, der operative Gewinn brach gar um ein Drittel ein. Lediglich eine Steuerrückzahlung ließ den Nettogewinn erträglich aussehen. Und auch die Aussichten begeisterten die Anleger nicht: Boeing verspricht zwar höhere Auslieferungen und einen leicht steigenden Umsatz, der Gewinn soll aber wegen zusätzlicher Anlaufkosten für den Dreamliner im Vergleich zu 2010 um 15 Prozent sinken. Die Börse war wenig begeistert: Boeing verlor drei Prozent.

Wie wichtig ein erfolgreicher Start des Dreamliners und des neuen Jumbos sind, zeigt ein Blick auf den großen Konkurrenten Airbus. Zum achten Mal in Folge lieferte die EADS-Tochter 2010 mit 510 Flugzeugen mehr Maschinen aus, als Boeing mit 462. Auch bei den Neubestellungen zog Airbus mit 574 zu 530 Boeing davon. Airbus liefert nicht nur mehr Maschinen aus, sondern mittlerweile auch höherwertige. Während bei den Europäern der Anteil der großen Langstreckenflugzeuge vom Typ A380 und A330 zunimmt, nehmen bei Boeing Aufträge und Auslieferungen der Konkurrenzmodelle 747 (alte Version) und 777 ab. Lediglich bei der Profitabilität ist Boeing gegenüber Airbus immer noch im Vorteil, weil die Europäer ihrerseits die hohen Belastungen aus ihren Krisenprojekten A400M und A380 verdauen müssen.

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