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09.01.2012

15:58 Uhr

Förderung

Solarbranche drohen weitere Einschnitte

Im vergangenen Jahr sind so viele Solaranlagen ans Netz gegangen wie noch nie. Die Verbraucher tragen die Förderung dafür über den Strompreis mit. Im Juli wird die Unterstützung nun weiter gekürzt.

Eine Solaranlage in der Nähe von Ilshofen (Landkreis Schwäbisch-Hall) dpa

Eine Solaranlage in der Nähe von Ilshofen (Landkreis Schwäbisch-Hall)

Nach dem Rekordzuwachs bei neuen Solaranlagen muss die Branche ab Juli automatisch weitere deutliche Förderkürzungen verkraften. Allein die angemeldeten Anlagen im letzten Quartal 2011 mit einer Leistung von 4150 Megawatt würden im Juli zu einer Senkung von mindestens 12 Prozent führen, teilte die Bundesnetzagentur am Montag in Bonn mit. Wahrscheinlich sei aber eine Senkung um 15 Prozent. Dafür müssten von Januar bis April nur noch Anlagen mit einer Leistung von etwa 225 MW gemeldet werden, sagte Präsident Matthias Kurth.

Mit rund 7500 Megawatt wurden 2011 so viele Anlagen wie nie zuvor gemeldet - der Dezember ist dabei bei neuen Solaranlagen der bisher stärkste Monat aller Zeiten. Als Grund wird unter anderem angeführt, dass es zum Januar eine Förderkürzung um 15 Prozent gab. Derzeit werden je Kilowattstunde Solarstrom 24,43 Cent Vergütung gezahlt. Die Vergütung sinkt automatisch, wenn eine bestimmte Anzahl neuer Anlagen ans Netz geht. Da wegen einer Flutung des Marktes mit billigen Modulen aus China die Preise stark gefallen sind, halten viele Koalitionspolitiker die Förderung immer noch für zu hoch. Sie fürchten angesichts des Ausbautempos eine zu starke Belastung der Verbraucher, die die Ökoenergieförderung über den Strompreis mitbezahlen müssen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat wegen des Rekordbooms Gespräche mit der Branche für nächste Woche angekündigt. Er schließt noch stärkere Kürzungen nicht aus.

Damit die Kosten für die Förderung nicht aus dem Ruder laufen, forderte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) rasches Handeln. Die Photovoltaik erzeuge nur 3 Prozent des deutschen Stroms, verursache aber 50 Prozent der Förderkosten, sagte Rösler der „Financial Times Deutschland“ und fügte hinzu: „So kann der Umbau der Energieversorgung in Deutschland nicht gelingen. Rösler geht davon aus, dass Röttgen „nun rasch konkrete Vorschläge vorlegen wird“. Die Umweltorganisation Greenpeace ging hart mit Rösler ins Gericht: „Es ist aberwitzig und spricht Bände, wenn Minister Rösler einerseits eine Zerschlagung der Solarförderung und zugleich neue Subventionen für den Bau von Kohlekraftwerken fordert“, sagte Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling. „Die Förderung der Solarenergie kann weiter und stetig sinken, aber dieses sollte maßvoll und nicht mit dem Holzhammer geschehen.“ Bundesnetzagentur-Chef Kurth kritisierte indirekt das System einer automatischen Absenkung der Förderung als unwirksam: „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der Stichtagsmechanismus dazu beiträgt, den Zubau an Photovoltaik-Anlagen kurz vor einer Förderkürzung deutlich zu verstärken.“ Dies konterkariere das Ziel, die Kosten der Förderung der Solarenergie zu begrenzen.

An der Börse rutschten Solarwerte zum Wochenstart ins Minus. Aktien von Centrotherm und Q-Cells gehörten mit Kursverlusten von jeweils mehr als 2 Prozent zu den deutlichsten Verlierern bei den Technologiewerten. Die Papiere von Solarworld und SMA Solar gaben beide zwischen einem halben und einem Prozent nach. Für den insolventen Solarmodulhersteller Solon gibt es möglicherweise einen Hoffnungsschimmer: Nach Worten von Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg hätten sich „eine Handvoll potenzieller Investoren“ gemeldet. Die Interessenten prüften derzeit die Bücher des einstigen Vorzeigeunternehmens der deutschen Photovoltaik-Branche, das Mitte Dezember Insolvenz angemeldet hatte.

Von

dpa

Kommentare (7)

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vandale

09.01.2012, 16:14 Uhr

Solon hatte seine Stärke in Gestellen die sich mit dem Sonnenstand mitbewegten. Dadurch konnte man die Sonneneinstrahlung ideal nutzen. Da die Solarmodule mittlerweile eine etwas günstigere Preisdimension erreicht haben ist der Aufwand dieser Technik zum Ertrag zu hoch und diese Technik obsolet. Als Hersteller von Solarmodulen hat Solon sowenig Chancen gegenüber der preiswerten chinesischen Konkurrenz wie die anderen Deutschen Hersteller auch.

Aufgrund geringerer Umweltauflagen bei der Herstellung der umweltschädlichen Zellen, teurer Energiekosten in Deutschland (D ist Solarweltmeister), niedriger Löhne, geringere allgemeine Baukosten können Deutsche Hersteller bei der Herstellung nicht allzu komplexer elektronischer Artikel nicht mit dem Standort China konkurrieren.

Ich vermute, dass Deutsche Hersteller mittelfristig nur in Sonderanwendungen und Nischen Erfolg haben können.

Vandale

vandale

09.01.2012, 16:35 Uhr

Die Oekokonzern Greenpeace beklagt die Subventionskürzungen bei Solarzellen und mögliche Subventionen für Kohlekraftwerke.

Die Sonneneinstrahlung ist etwas ungleichmässig über den Tag verteilt, mittags bei Sonnenschein erreicht diese fast die Nennleistung, im Sommer 5 x mehr denn im Winter wenn der höchste Strombedarf anfällt, bei Regen, Nacht, oder Schneebedeckung liegt die Einspeisung des umweltschädlichen Solarstroms nahe 0.

In einem bedarfsorientiertem Stromnetz ist der Wert derartigen Stroms sehr gering. Es bedarf mit Kohle, oder Erdgas befeuerter Schattenkraftwerke die bedarfsgerechten Strom liefern und die willkürlichen Schwankungen ausgleichen. Diese Kraftwerke arbeiten in ungünstiger Teillast, oder stehen befeuert in Bereitschaft. Das aktuelle Vergütungsmodell honoriert den Einsatz der Schattenkraftwerke nicht hinreichend. Die Versorger drohen mit Ausserbetriebnahme dieser Kraftwerke. Insofern gilt es entweder das Vergütungsmodell zu ändern und die Kosten der Schattenkraftwerke den Solarsubventionen hinzuzurechnen, oder eine direkte, weniger auffälligen Subventionierung der erforderlichen Schattenkraftwerke zu gestalten.

Insgesamt ist es faszinierend wie man im Sinne einer dumpfen, in die Steinzeit gerichteten Oekoreligion grosse Mengen eines nahezu wertlosen Zufallsstroms zu absurden Kosten, ziemlich umweltschädlich produziert.

Daten:
Solarstrom Kosten 24c/kWh, Wert ca. 1c/kWh
Windstrom Land Kosten 9,7c/kWh, Wert ca. 1c/kWh
Betriebskosten abgeschriebener KKW ca. 1,5 - 2c7kWh (Grundlast), Braunkohle 2,5 -3c/kWh, Steinkohle 4 c/kWh

Vandale

Rufer_in_der_Wueste

09.01.2012, 21:21 Uhr

Rufer_in_der_Wueste

Es ist sehr lobenswert, dass sich endlich jemand findet, der einen Ansatz für den Wert von nicht steuerbarem Strom aus PV und Wind wagt. Es ist ebenfalls zu beachten, dass die Netzbelastungen aus vom Stromverbraucher bezahlten Windstrom und PV-Strom in vielen Ländern Europas an die Grenzen stoßen und zu erheblichen Schäden führen, was gerade vom Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) beklagt wurde. Daher machen Solarkraftwerke nur Sinn und können auch nur dann zum völligen Abschalten von fossil befeuerten Kraftwerken führen, wenn diese grundlastfähig sind, also 5.000-7.500 Vollaststunden erzeugen können. Bei PV in Deutschland haben wir nur 850-1.100 Vollaststunden (bzw. kWh/kWpeak). Solarthermische Kraftwerke wie Parabolrinnen- und Solarturmkraftwerke (unter CSP zusammengefasst) haben ihre niedrigsten Stromerzeugungskosten bei ca. 3.000 Vollaststunden. Das einzige Solarthermische Kraftwerk, das 6.000-7.200 Vollaststunden in Südeuropa und Afrika erreicht, ist das Multi-Effekt-Solarkraftwerk (MES). Als Nebenprodukt und ohne weitere Investition werden große Mengen an Trinkwasser erzeugt, die lokal zum Aufbau der Infrastruktur zur Verfügung stehen. Im Ergebnis liegen die Stromerzeugungskosten von MES in Nordafrika bei 50% von CSP und 25% von PV in Deutschland. Es wäre wünschenswert, wenn das EEG für Windstrom und Solarstrom schnellstmöglich und komplett überarbeitet würde und nur einen geringen Basistarif aufweist, der mit jeder Stunde Speicherkapazität erhöht wird, die vom Betreiber der Anlage zur Verfügung gestellt wird. Hierbei muss neuen solarthermischen Kraftwerkstypen Priorität eingeräumt werden, da nur diese eine wirkliche Exportchance haben.

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