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05.01.2007

16:31 Uhr

Förderung verzerrt Wettbewerb

Holzpellets: Streit um Späne

VonKonrad Handschuch
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Obwohl das Geschäft mit Holzpellet-Heizungen boomt, gibt es Zuschüsse vom Staat, die nichts bringen außer Verzerrungen auf dem Markt. Die Pellets sind das Pendant zum Gasumbau beim Auto – etwas teurer in der Anschaffung, aber günstiger und effektiver im Verbrauch.

DÜSSLEODRF. Heizpellets, dauerhaft preiswert? "Damit können Sie rechnen", versichert der Pellethersteller CompaTec seinen Kunden, denn in deutschen Wäldern wächst mehr Holz nach, als genutzt wird. CompaTec-Geschäftsführer Thomas Schmidmeier vertraut darauf. Im Laufe dieses Jahres investiert er gut zehn Millionen Euro in neue Anlagen, um die Pelletproduktion von rund neun auf künftig 18 Tonnen pro Stunde zu erhöhen.

Pelletheizungen in Wohngebäuden sind der letzte Schrei, seit vor zwei Jahren die Preise für Heizöl und Gas zu einem Höhenflug gestartet sind. Zwar sind die hierfür benötigten Heizkessel etwas teurer. Aber dafür winken staatliche Zuschüsse und ein sauberes Gewissen. Mehr als 1 000 Euro schießt das Bundesumweltministerium für eine übliche Heizanlage zu. Daneben gibt es Zinsverbilligungen für den Bau größerer Anlagen. Für 2007 hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel das Fördervolumen auf 213 Millionen Euro erhöht. Hinzu kommt: Im Betrieb sind Pelletheizungen laut Deutschem Energie-Pellet-Verband gegenwärtig rund 20 Prozent günstiger als Heizöl. Inzwischen gibt es bundesweit schon rund 70 000 der Öfen. Noch vor drei Jahren waren es erst 19 000.

In Mode gekommen sind Pellets auch, weil sie als ökologisch gelten. So werben Hersteller damit, Pellets seien CO2-neutral, was heißen soll, dass bei der Verbrennung des Pressholzes exakt die Menge Kohlendioxid freigesetzt wird, die der Baum zuvor beim Wachsen aufgenommen hat. Das ist zwar auch beim Verbrennen fossiler Energieträger der Fall. Aber das in Kohle oder Erdöl gebundene Kohlendioxid lag viele Millionen Jahre unter der Erde vergraben und konnte die Umwelt nicht schädigen.

Trotzdem ist es mit den Vorteilen nicht so weit her, wie die Pelletszene behauptet. Denn der Rohstoff Holz könnte eine ungleich höhere Wertschöpfung und Beschäftigungswirkung entfalten, würde er als Rohstoff in der Industrie eingesetzt. Bei der Herstellung von Papier etwa entstünde eine 15-fach höhere Wertschöpfung und eine 100-fach höhere Beschäftigungswirkung, behaupten der Verband Deutscher Papierfabriken und der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie in einem gemeinsamen Positionspapier.

Der Streit um Sägespäne und um Holz, das beim Durchforsten des Waldes anfällt, wird sich in den nächsten Jahren zuspitzen. Schätzungen zufolge wird die Zahl der Pelletheizungen bis 2015 auf 110 000 zunehmen, der Bedarf an Pellets auf bis zu fünf Millionen Tonnen steigen. Derzeit sind aber gerade mal 2,3 Millionen Tonnen verfügbar. Schon 2006 stiegen die Pelletpreise von 180 auf 250 Euro je Tonne - das war nur der Anfang.

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