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07.09.2012

12:47 Uhr

Förderung von Schiefergas

Wintershall prüft Fracking in Deutschland

In den USA hat Schiefergas den Markt revolutioniert, weil die Preise um ein Viertel gefallen sind. Nun prüft Wintershall das Potential in Deutschland. Umweltschützer betrachten das Vorhaben mit großer Sorge.

Eine Gaspipeline in Pennsylvania (USA), mit der Schiefergas gefördert wird. dpa

Eine Gaspipeline in Pennsylvania (USA), mit der Schiefergas gefördert wird.

Berlin Nach dem US-Energiekonzern Exxon prüft auch die BASF-Tochter Wintershall den Abbau von Schiefergas in Deutschland. "Wir wollen in zwei Konzessionen in Nordrhein-Westfalen zunächst mit geologischen Voruntersuchungen schauen, ob das Potenzial vorhanden ist", sagte Rainer Seele, Vorstandschef der Kasseler Öl- und Gasgesellschaft, vor Journalisten in Berlin. Die beiden Konzessionsgebiete umfassen 3900 Quadratkilometer.

Zwar betont Wintershall, dass noch keine Entscheidung getroffen sei, ob sich Schiefergas in Deutschland überhaupt ökonomisch sinnvoll und ökologisch vertretbar nutzen lasse. Allerdings wird zugleich auf das große Potenzial hingewiesen. Denn die förderbaren Vorkommen werden von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) auf 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas geschätzt. Das wäre mehr als die bisher bekannten deutschen Gas-Reserven.

Was hinter „Fracking“ steckt

„Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

Künstliche Fließwege

Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

Gefahr für das Grundwasser

Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

Beherrschbarkeit des Verfahrens

Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

Lagerstätten in Deutschland

In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

... und in der Welt

Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Schiefergas hat in den USA den Gasmarkt revolutioniert, weil die Gaspreise dort auf rund ein Viertel des Niveaus in Europa gefallen sind. Die deutsche Industrie sieht diese sehr niedrigen Gaspreise als erheblichen Wettbewerbsvorteil für den Produktions- und Verarbeitungsstandort USA. Die Nutzung einheimischer Ressourcen hat angesichts der wachsenden Bedeutung einer sicheren Rohstoffversorgung auch geostrategische Bedeutung, die auch der Wintershall-Chef betonte.

"Deutschland kann auf Dauer nicht nur von Importen abhängig sein", sagte Seele. Von Wintershall, das vor allem in der Nordsee und in Russland in der Gasförderung aktiv ist, wird Schiefergas als möglicher Ersatz für die bald zur Neige gehenden Vorkommen an konventionellem Gas in Deutschland gesehen, das heute rund 14 Prozent des deutschen Verbrauchs ausmacht.

Umstrittene Gasförderung: Strenge Auflagen für Fracking-Einsatz

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Strenge Auflagen für Fracking-Einsatz

In den USA hat die Förderung des Gases eine Energierevolution ausgelöst.

Als größtes Problem gilt die gesellschaftliche Akzeptanz der Schiefergas-Förderung in Deutschland. Sollte sich eine Förderung als sinnvoll erweisen, werde sein Unternehmen dafür werben, künftige Seele an. "Wenn in Deutschland Schiefergas wirtschaftlich sinnvoll und ökologisch verträglich gefördert werden kann, wird es ohne Fracking nicht gehen." Dabei wird eine Mischung aus Wasser, Sand mit bis zu 2 Prozent Chemikalien in den Boden gepresst, um durch sehr kleine Risse im Gestein eine Förderung des Gases zu ermöglichen.

Kommentare (15)

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puenktli

07.09.2012, 13:31 Uhr

Lassen Sie besser die Finger davon. In bewohnten Gebieten gibts Häuserschäden und dergleichen mehr durch kleinere oder grössere Beben. Oder geostratische Schäden, die Einsackungen und dergleichen mehr bringen können. In den Wüsten Arizonas spielt das keine Rolle. In einem dicht besiedelten Gebiet sehr wohl. Denn auch in den USA gibt es zahlreich negative Folgen in bebauten Gebieten.

sed

07.09.2012, 13:33 Uhr

wir sind ja wohl bereits beyond fracking!

kurt

07.09.2012, 13:35 Uhr

Toll, dann können wir auch gleich jeglichen Sondermüll mit den "geheimen" Rezepten der zum Einsatz kommenden Mixturen mit wegdrücken, was das Geschäft noch rentabler macht.

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