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08.03.2013

15:01 Uhr

Folgen der Absatzkrise

ElringKlinger hat sich deutlich überschätzt

An Europas Automärkten stehen die Zeichen weiter auf Krise. Dass das auch bei den Zulieferern Spuren hinterlässt, ist unvermeidbar. Jüngstes Beispiel ist ElringKlinger. Die Schwaben haben ihr Ziel deutlich verfehlt.

Mitarbeiter im Werk des Automobilzulieferers ElringKlinger. dpa

Mitarbeiter im Werk des Automobilzulieferers ElringKlinger.

StuttgartDie Talfahrt der europäischen Automärkte hat beim Zulieferer ElringKlinger tiefe Kratzer hinterlassen. Der auf Dichtungen, Hitzeschilde und Kunststoffteile spezialisierte Autozulieferer verfehlte 2012 sein noch Anfang Februar bekräftigtes Gewinnziel deutlich und schickte mit einer unerwartet schwachen Geschäftsprognose für das laufende Jahre seine bisher hochfliegenden Aktien in den Keller. Um die Kosten zu drücken, kündigte Vorstandschef Stefan Wolf am Freitag bei der Vorlage der Geschäftszahlen einen Stellenabbau in Frankreich an. Denn die französischen Autobauer hätten noch länger mit der Absatzkrise zu kämpfen.

Statt des in Aussicht gestellten Gewinns vor Steuern und Zinsen von 145 bis 150 Millionen Euro erwirtschafte der schwäbische Zulieferer 2012 nur 136 Millionen Euro. Auf vergleichbarer Basis fiel das Ergebnis damit zwar acht Prozent höher als im Vorjahr aus. Doch die operative Marge stagnierte bei gut zwölf Prozent, da das gewinnträchtige Ersatzteilgeschäft wegen der Staatsschuldenkrise in Südeuropa schleppend verlief und ElringKlinger auf Materialbestände in den USA Abschreibungen vornehmen.

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Einschließlich der jüngsten Übernahmen kletterte der Umsatz um neun Prozent auf den Rekordwert von 1,1 Milliarden Euro, ohne die zugekauften Unternehmen in Frankreich, Italien und der Schweiz lagen die Erlöse sieben Prozent höher als 2011.

Die Geschäfte mit den französischen Autoherstellern liefen derzeit schlecht, räumte Wolf ein. Im vierten Quartal seien daher bei der von Freudenberg übernommenen französischen Tochter Verluste angefallen. Nun will ElringKlinger dort 40 Stellen streichen und mehr Maschinen einsetzen: Der volle Einspareffekt werde sich im kommenden Jahr mit 2,5 Millionen Euro positiv bemerkbar machen.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Die seit gut einem Jahr andauernde Kursrallye der im Nebenwerteindex MDax notierten ElringKlinger-Aktien brach jäh ab: Die Investoren ließen die Papiere am Freitag fallen wie ein heißes Eisen, der Kurs stürzte um neun Prozent auf 25,67 Euro in die Tiefe.

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