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05.07.2013

11:50 Uhr

Folgen der Branchenkrise

Solarunternehmen Conergy ist pleite

VonDana Heide

Der einstige Börsenstar hat den Kampf verloren: Das Solarunternehmen Conergy hat Insolvenz angemeldet, nachdem der erhoffte asiatische Investor ausblieb. Die Firmenspitze hofft aber, die Geschäfte weiterführen zu können.

Conergy-Werk in Frankfurt (Oder): Der Produktionsstopp kam für die Gewerkschaft überraschend. dapd

Conergy-Werk in Frankfurt (Oder): Der Produktionsstopp kam für die Gewerkschaft überraschend.

Düsseldorf Die Solarkrise hat ein weiteres Opfer: Das Hamburger Solarunternehmen Conergy ist pleite. Der einstige Börsenstar stellte am Freitag beim Hamburger Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das Unternehmen kämpft seit Jahren ums Überleben. Auch eine für die Aktionäre schmerzhafte Umschuldung im Jahr 2011 brachte nicht die erhoffte Wende. Die schwere Branchenkrise machte die erhoffte Erholung zunichte.

Conergy hatte zuletzt auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte. In der knappen Mitteilung von Conergy am Freitag hieß es, die Unternehmensleitung sei unverändert zuversichtlich, im Rahmen des Insolvenzverfahrens mithilfe eines Investors eine Weiterführung des gesamten Geschäftsbetriebs zu erreichen. Die Aktie stürzte um zeitweise 68 Prozent ab.

Das Unternehmen schreibt seit Jahren rote Zahlen. Zuletzt zeigte sich jedoch eine leichte Aufhellung für die Hamburger, seit Jahresbeginn legte die Aktie sogar um mehr als 23 Prozent zu. Grund dafür war die Hoffnung auf einen Investor und leichte Anzeichen der Erholung bei dem Solarunternehmen.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Im vergangenen Jahr konnte Conergy seinen Verlust reduzieren. 2012 machte das Unternehmen nur noch ein Minus von 100 Millionen Euro, im Vorjahr hatte der Fehlbetrag bei 160 Millionen gelegen. Operativ hatte die Solarfirma 2012 70 Millionen Euro Verlust gemacht, nach einem Minus von 80 Millionen Euro im Vorjahr. Noch im März machte Konzernchef Philip Comberg den Anlegern Hoffnungen und stellte für 2013 deutliche Umsatzsteigerungen und sogar einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Aussicht.

Zuletzt bestand die Hoffnung, dass ein Investor die Firma möglicherweise rettet. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag mit Berufung auf Insiderangaben berichtete, habe Conergy den Gläubigerbanken am Montag einen Investor aus Asien präsentiert, der die Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen soll.

Die Insolvenz von Conergy fügt sich in einen Strudel von Unternehmenspleiten ein, der inzwischen nicht nur deutsche, sondern auch chinesische Unternehmen erfasste. Erst im April hatte der chinesische Hersteller LDK Solar eingeräumt, dass er Probleme habe, seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen.

Die Preisstürze in der Solarbranche waren in den vergangenen Jahren dramatisch, zeitweise brachen sie um bis zu 50 Prozent innerhalb eines Jahres ein. Das machte vielen Anbietern zu schaffen. Zudem hatten sich in der schnell wachsenden Branchen Überkapazitäten gebildet, die nun abgebaut werden.

Einige Unternehmen in Deutschland mussten bereits dicht machen, zuletzt Sovello aus Sachsen-Anhalt, auch die Bonner Solarworld ist in Bedrängnis. Auch große Unternehmen wie Bosch und Siemens haben sich jüngst aus der Solarkraft verabschiedet.

Die Pleite von Conergy betrifft alle wichtigen deutschen Tochtergesellschaften., dazu gehört auch die Modulfertigung in Frankfurt an der Oder. Das Unternehmen beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter.

Mit Material von dpa und Reuters.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

05.07.2013, 10:04 Uhr

Wenn die Sonne untergeht
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Über 10 Jahre flossen Milliarden von Subventionen aus Deutschland in diese unwirtschaftliche Branche. Der Verbraucher zahlt über die EEG-Zwangsumlage weitere Milliarden für diesen überteuerten Zufallsstrom.
An der Strombörse wird Strom immer billiger, für den Verbraucher immer teurer.

Account gelöscht!

05.07.2013, 10:10 Uhr

Dann sit eben jetzt auch diese Subventionsblase endgültig geplatzt. Jetzt können sich die Gutmenschen wieder den Käfern und Geblümen widmen.

sailing

05.07.2013, 10:10 Uhr

Vermutung:
zuviel Geld an der Börse eingesammelt um dauerhaft rentabel sein zu können, zu hohe Overheadkosten, Businessmodel nicht entsprechend an die Marktentwicklung angepaßt. Ein Klassiker

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