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29.12.2011

09:22 Uhr

Folgen der Energiewende

Unternehmen klagen über Stromaussetzer

VonKlaus Stratmann

Die Industrie bekommt die Folgen der Energiewende zu spüren. Produktionsprozesse seien schon von kurzen Black-outs bedroht, klagen Firmen - und schlagen Alarm.

Deutsche Firmen beklagen sich über die steigende Zahl der Produktionsausfälle durch Stromunterbrechung. dpa

Deutsche Firmen beklagen sich über die steigende Zahl der Produktionsausfälle durch Stromunterbrechung.

BerlinDie Industrie hält die Stromversorgung in Deutschland nicht mehr für zuverlässig. Man sei mit einer „beunruhigenden Häufung von Netz- und Frequenzschwankungen“ konfrontiert, wie es sie in vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben habe, heißt es in einem Schreiben der Deutschland-Tochter des norwegischen Aluminiumherstellers Norsk-Hydro an Netzagentur-Präsident Matthias Kurth. Es sei deshalb zu erheblichen Produktionsbeeinträchtigungen gekommen.

Das Unternehmen steht mit seinen Klagen nicht allein. Kurzzeitunterbrechungen der Stromversorgung führten weitaus häufiger als in vergangenen Jahren zu Problemen, heißt es beim Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft, dessen Mitglieder für 80 Prozent des industriellen Energieeinsatzes in Deutschland stehen. Die Energiewende habe zu „bedenklichen Qualitätsverlusten bei der Stromversorgung“ geführt. Produktionsprozesse seien schon von kurzen Black-outs bedroht, die die Allgemeinheit gar nicht bemerke.

Nein, den großen Black-out hat es in Deutschland nach der Energiewende noch nicht gegeben. Die Optimisten schließen daraus, dass sich nicht nur die von der Bundesregierung beschlossene Abschaltung von acht Kernkraftwerken unmittelbar nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 locker verkraften lässt. Sie halten den angestrebten Umstieg auf eine Energieversorgung, die zum überwiegenden Teil auf die erneuerbaren Energien, Gaskraftwerke und Dezentralität setzt, für rasch umsetzbar. Doch die Realität sieht anders aus. Denn große Stromverbraucher leiden bereits heute unter den Folgen der Energiewende.

Wie man den Stromanbieter wechselt

Anfang

Wer seinen Stromanbieter wechseln will, sollte zunächst seinen Verbrauch ermitteln: Einfach auf der letzten Rechnung den jährlichen Verbrauch in Kilowattstunden (kWh) ablesen.

Die Suche

Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben die deutschen Verbraucher derzeit durchschnittlich die Wahl zwischen 85 verschiedenen Stromanbietern.

Die Ökostromanbieter

Eine Alternative sind sogenannte Ökostromanbieter. Der Begriff führt jedoch in die Irre, denn diese Unternehmen versorgen ihre Kunden mitnichten mit Energie, die ausschließlich aus regenerativen Quellen stammt. Der Strom besteht aus dem gleichen Mix wie der von den Kunden herkömmlicher Anbieter. Allerdings verpflichtet sich der Ökostromanbieter, mindestens die gleiche Menge Ökostrom ins Netz einzuspeisen, wie vom Kunden wieder entnommen wird.

Der Strommix

Der gesamte Strom in Deutschland - also auch der sogenannte Ökostrom - bestand im ersten Halbjahr 2011 zu 20,8 Prozent aus regenerativen Quellen wie Windkraft, Solaranlagen und Co. Im ersten Halbjahr 2010 waren es noch 18,3 Prozent. Wichtigste erneuerbare Stromlieferanten sind mit 7,5 Prozent Windkraftanlagen, Biomasse ist auf Platz zwei, Photovoltaik auf dem dritten Platz.

Die Auswahl

Bei der Entscheidung für den richtigen Stromanbieter helfen Vergleichsportale wie tarifvergleich.de und wer-ist-billiger.de. Dort gibt man einfach seinen Jahresvertrag ein und die Suchmaschine zeigt die günstigsten Angebote mit den jeweiligen Konditionen.

Die Fallen

Verbraucherzentralen raten davon ab, einen Vertrag abzuschließen, der den Kunden länger als ein Jahr an den Stromanbieter bindet. Danach solle man auf eine kurze Kündigungsfrist von möglichst einem Monat achten. Die Verbraucherschützer warnen zudem davor, Vorauszahlungen zu leisten oder Strompakete, also den Einkauf einer vorab vereinbarten Strommenge, abzuschließen.

Stromausfall

Einen Stromausfall muss jedoch niemand fürchten - selbst, wenn der neue Anbieter pleite geht, sein Geschäft aufgibt, oder den neuen Vertrag kündigt. Das Gesetz garantiert eine Grundversorgung. Wenn sein vertraglich vereinbarter Anbieter ausfällt, wird der Verbraucher unverzüglich zu dem Grundpreis vom örtlichen Anbieter versorgt.

Die Kündigung

Die Kündigung erledigt der neue Stromanbieter, der dazu die Bevollmächtigung von seinem neuen Kunden braucht. Der alte Stromversorger bestätigt daraufhin die Vertragsauflösung und schickt eine Abschlussrechnung. Ein Wechsel dauert bis zum Ende des nächsten Vertragsmonats.

Die Abschlussrechnung

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich von seinem neuen oder alten Anbieter schriftlich mitteilen lassen, ab wann der Wechsel wirkt. An dem Tag sollte man sich den Zählerstand notieren, damit man die Rechnung nachher auch überprüfen kann.

Kurzfristige Unterbrechungen der Stromversorgung von weniger als einer Sekunde stören Abläufe in der Industrie empfindlich und verursachen erhebliche Schäden. „Mit der beschleunigten Energiewende kommt es bereits heute zu bedenklichen Qualitätsverlusten bei der Stromversorgung“, sagt Volker Schwich, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK).

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Die Stabilität komplexer Produktionprozesse sei bedroht – lange bevor die Allgemeinheit einen Black-out bemerkt. Kurze Unterbrechungen im Millisekundenbereich und Frequenzschwankungen führten jetzt häufiger als früher zu Problemen, sagt Schwich. Die VIK-Mitgliedsunternehmen stehen für 80 Prozent des industriellen Energieeinsatzes in Deutschland. Die Industrie insgesamt verbraucht die Hälfte des Stroms in Deutschland.

Kommentare (64)

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Anonymous

29.12.2011, 09:37 Uhr

Wie wäre es mit einem Backup-System, Herr Schlüter? Wenn diese Investition vor dem unausweichlichen, wenn auch unwahrscheinlichen Ausscheiden, aus dem Alugeschäft schützt, dann müsste sie aus Sicht des Risikomanagements doch schon lange getätigt worden sein. Oder ist die Lage doch nicht so schlimm?

Thomas-Melber-Stuttgart

29.12.2011, 09:39 Uhr

Der Ausstieg zuerst aus der Wiederaufarbeitung und nun aus der Kernenergie: Henry Morgenthau läßt grüßen. Übrigens, ich habe in den 80ern auf der Schwäbischen Alb noch kurzzeitige Stromausfälle in der Industrie miterlebt, und das war "nicht lustig".

Account gelöscht!

29.12.2011, 09:41 Uhr

Wenn das mal keine Propaganda der Energielobby ist.

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