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28.03.2011

11:39 Uhr

Folgen des Bebens in Japan

Autobauern gehen die Farben aus

VonFlorian Brückner

Es ist nur ein kleines Farbpigment, aber weil die einzige Fabrik dafür vom Beben in Japan beschädigt wurde, gehen vielen Autobauern die Farben aus - und dann liegt das Werk des Chemiekonzerns Merck auch noch nahe Fukushima.

Die schimmernde schwarze Lackierung eines Chrysler 200. Quelle: dapd

Die schimmernde schwarze Lackierung eines Chrysler 200.

DüsseldorfXirallic bringt Autolacke zum Glänzen. Der Darmstädter Chemie- und Pharmahersteller Merck verspricht mit seinem Produkt starke Glitzereffekte und hohe Farbstärken. Derzeit stellt Xirallic der Autobranche allerdings vor ein echtes Problem. Denn das einzige von vier Farbpigment-Werken von Merck dafür weltweit steht in Onahama - also mitten im Erdbebengebiet.

Wobei die Schäden durch das Beben für Merck noch das kleinere Problem sind. “Die könnten wir ja reparieren”, sagt ein Sprecher. Das große Problem ist nur: Die Fabrik steht rund 40 Kilometer vom havarierten Kernkraftwerk in Fukushima entfernt. “Wir können deshalb einfach nicht sagen, wann wir die Produktion dort wieder aufnehmen können.” Die 140 Mitarbeiter des Werks hat Merck wegen der Starahlenbelastung und der unsicheren Lage in dem Kraftwerk bereits abgezogen.

Für die Autobauer hat das erhebliche Konsequenzen. Da Xirallic in einer ganzen Reihe von Metallic-Lackierungen verwendet wird, können gleiche eine ganze Reihe von Farben nicht mehr gemischt werden. Und das quer durch die Branche. Ford, Chrysler, Volkswagen, BMW, Toyota und General Motors - sie alle verwenden Lacke mit Xirallic. Und sie alle suchen nun händeringend nach Ersatz.

Bis dahin können bestimmt Farben einfach nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt geliefert werden, wie verschiedene amerikanische Medien berichten. Der amerikanische Autobauer Chrysler soll demnach seine Händler angewiesen haben, Autos in gleich zehn verschiedene Farbtypen nur noch sehr eingeschränkt zu ordern. Chrysler spricht offiziell zwar nur von einer Vorsichtsmaßnahme, aber wenn kein Ersatz gefunden wird, dürfte es eng werden. Denn die Vorräte bei Merck sind endlich.

Bei Ford können deshalb große Pick-ups und SUVs wie die Modelle Expedition, Navigator oder der Bestseller F-150 gleich gar nicht mehr in schwarz bestellt werden.  Auch einige Rottöne werden knapp.

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Während bei Merck nun die Telefone wegen besorgter Kunden glühen, dürfte sich der unmittelbare wirtschaftliche Schaden für die Darmstädter in Grenzen halten. Im vergangenen Jahr hat Merck mit seiner gesamten Pigment-Sparte - von der Xirallic nur ein Produkt ist - etwa 325 Millionen Euro erzielt, bei einem Konzernumsatz in Höhe von 9,3 Milliarden Euro. “Es ist feines, aber kleines Geschäft”, wie es bei Merck heißt.

Kommentare (1)

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123

28.03.2011, 16:12 Uhr

Wenn die Firma Merck Vertrauen schaffen will, sollte sie das Werk dauerhaft schliessen. Die Produkte sind aufgrund der Nähe zu Fukushima nicht mehr vermittelbar.
Würde aber eigentlich auch von den Autobauern erwarten nach Alternativen zu suchen.

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