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15.05.2015

18:00 Uhr

Folgen eines Brexit

Die Briten als Europafighter

VonCarsten Herz

Die britische Regierung strebt so schnell wie möglich ein Referendum über einen möglichen EU-Austritt an. Doch Europa hat einen großen Verbündeten auf der Insel: die britische Wirtschaft, die immer stärker Farbe bekennt.

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LondonDie Ansage ist klar und deutlich. Nur einen Tag nach seinem deutlichen Wahlsieg stellte sich der britische Premierminister David Cameron bereits vor die Mikrophone und versprach ein baldiges Referendum über einen möglichen Austritt aus der Europäischen Union. Der Brexit, das Kunstwort aus Britannia und Exit, ist damit auf die Tagesordnung Europas gerückt – und das schneller als gedacht. „Wenn wir es früher machen können, werden wir das tun“, betonte ein Sprecher. Das bedeutet: Die Briten könnten schon im kommenden Jahr über einen Verbleib in der EU abstimmen – statt wie erwartet erst 2017. Auf der Insel hat damit der Kampf um die Herzen und den Verstand der Briten begonnen, bei dem Europa jedoch auf einen wichtigen Verbündeten zählen kann: die britische Wirtschaft.

Die Europafighter. Mit bangem Blick schauen viele britische Unternehmen auf die kommende Abstimmung. Denn die große Mehrheit der britischen Wirtschaftsführer und erst recht die meisten ausländischen Investoren wollen nicht, dass die Briten der EU den Rücken kehren. In diesem Fall droht dem Land nämlich, den freien Zugang zum Europäischen Binnenmarkt zu verlieren. Beträchtliche Nachteile für britische Exportunternehmen und Importeure könnten die Folge sein, denn die anderen EU-Länder stehen derzeit für rund die Hälfte des britischen Außenhandels. Immer stärker bekennen darum nun wichtige britische Wirtschaftsführer nun Farbe – und bekennen sich zur Union mit dem Rest Europas.

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„Ich bin kein Politiker und es natürlich Sache der Regierung, zu entscheiden, welche Haltung sie einnimmt“, sagte Iain Conn, Vorstandschef des größten britischen Energieversorgers Centrica, dem Handelsblatt. „Aber ich hoffe, dass die Regierung sicherstellt, dass Großbritannien auch in Zukunft komplett in Europa repräsentiert ist.“ So ist Conn der festen Überzeugung, dass ein Austritt aus EU ein Fehler wäre, da ein „wettbewerbsfähiges Europa“ nur von innen voranzubringen sei. Der Wirtschaftsboss steht mit seinem Vorstoß nicht allein. Zwar scheuen viele einflussreiche Topmanager traditionell allzu zu klare politische Aussagen, aber sie wissen, dass der „Brexit“ – also der Austritt Großbritanniens aus der EU – nun endgültig zum wirtschaftlichen Standortrisiko auf der Insel geworden ist.

Kommentare (8)

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Herr Fritz Yoski

15.05.2015, 18:24 Uhr

Die letzten Umfragen sind 45:35 gegen einen Austritt mit 20% Unentschlossenen.

Sergio Puntila

15.05.2015, 18:39 Uhr

Was viele Briten auch wissen: den EU-Austritt kann man nur einmal spielen und dann wars das dann.
Mal sehn, wie die danach ihren vollkommen zerbröselnden Commonwealth vor dem endgültigen Verfall zu retten zu gedenken scheinen könnten.

Herr Helmut Metz

15.05.2015, 19:08 Uhr

Die Commonwealth-Bürger brauchen aus massenpsychologischer Sicht halt eine neue Lichtgestalt. Das geht ganz einfach: Prinz Charles tritt von der Thronnachfolge zurück und übergibt direkt an Super-Willie und seine betörende Kate. Folge: die britische Monarchie geht bei den Sympathie-Werten ab wie ein frisiertes Mofa, und Aussies, Kiwis, Kanadier usw. werden auch ganz flott zu begeisterten Monarchisten. ;-)
Wer darüber entscheidet, was die britischen Bürger bekommen, sind aber natürlich nicht sie selber, sondern die dominierenden Hintermänner respektive -frauen der City of London. Die bestimmen seit dem ca. 17. Jahrhundert die britische Politik.
Und wenn die wollen, dass das UK aus der EU austritt, wird es so kommen, andernfalls bleiben sie drinnen. Denn Sie glauben doch nicht, dass man den britischen Bürgern tatsächlich eine freie Wahl lässt... ;-)

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