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14.11.2014

10:18 Uhr

Ford

Endlich mal wieder wild sein

VonLukas Bay

Ford leidet unter den harten Marktbedingungen in Europa und fährt erneut hohe Millionenverluste ein. Trotzdem gibt sich Ford-Chef Mattes optimistisch, schon bald die Trendwende einzuleiten – mit Hilfe der Mutter.

Hoffnungsträger im Land der Sorgen: der Ford Mustang soll auch im schwierigen russischen Markt punkten. Reuters

Hoffnungsträger im Land der Sorgen: der Ford Mustang soll auch im schwierigen russischen Markt punkten.

DüsseldorfDas schwere Brummen eines V8-Motors lässt viele Sorgen vergessen. Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes gerät richtig ins Schwärmen, wenn er über Neuauflage des Mustang spricht, jenem legendären Musclecar aus den USA, das ab 2015 auch über deutsche Straßen rollen soll. „Wenn man damit vorfährt, hört man das schon von weitem“, erzählt er im Gespräch mit dem Handelsblatt (das vollständige Interview finden Sie hier zum Download). Die Nachfrage nach dem Wagen kann sich sehen lassen. 9000 Anfragen zum Mustang hat Ford bereits vor dem Marktstart vorliegen. 500 Exemplare, die während des Champions-League-Finals vorab verkauft wurden, waren in 30 Sekunden weg.

Das Sportcoupé mit dem wilden Hengst gibt Ford endlich mal wieder die Gelegenheit, das sportliche Gesicht der Marke zu zeigen. Für das Image ist der Mustang damit immens wichtig. Doch die Sorgen auf dem europäischen Markt löst es nicht – dafür ist der Anteil am Absatz zu gering. Das dritte Quartal hat sich für Ford als schwieriger erwiesen als erwartet. So schwierig, dass zuletzt sogar die Rückkehr in die Gewinnzone um ein weiteres Jahr auf 2016 verschoben wurde. Innerhalb der ersten neun Monate hat Ford in Europa einen Verlust von 619 Millionen Euro eingefahren. Und gerade bei den Verkäufen ist im vierten Quartal kein Rückenwind zu erwarten.

Gerade wurden darum 4000 Mitarbeiter im Werk Köln in Kurzarbeit geschickt. „Das hat zyklische Gründe“, erklärt Ford-Chef Mattes. Der September sei bei den Verkäufen ein sehr starker Monat, das letzte Quartal des Jahres falle dagegen etwas schwächer aus.

In der Konzernzentrale ist man durchaus zu radikalen Schritten bereit, um das defizitäre Europageschäft wieder in die Spur zu bringen: Die Kapazitäten wurden bereits drastisch runtergefahren, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Gleich drei Werke mit insgesamt 6.200 Mitarbeitern wurden dafür geschlossen – neben dem belgischen Genk werden auch zwei britische Montagewerke in Southampton und Dagenham dichtgemacht. Dieses Jahr erwartet der Konzern in Europa dadurch Belastungen von 400 bis 500 Millionen Dollar, vor allem durch Abfindungen. Der US-Autobauer baut auch personell um: ab Januar wird Europachef Stephen Odell ersetzt. Neuer Mann für den wichtigsten Auslandsmarkt soll Vize-Marketingchef Jim Farley werden.

Auch auf der Einnahmenseite sind die Probleme nicht geringer geworden: Der Preisdruck im Markt ist vor allem in den Segmenten hoch, in denen Ford besonders stark ist. Große Hoffnung setzt Ford darum auf die Neuauflage des Mittelklassemodells Mondeo, das mit drei Jahren Verspätung seit November 2014 im spanischen Valencia vom Band rollt. Um die Marge ein bisschen aufzuwerten, soll der Mondeo durch die neue Premium-Ausstattungslinie Vignale sogar am oberen Rand der Mittelklasse kratzen und dem Passat von VW die Stirn bieten.

Derzeit liegt der Ford-Absatz mit insgesamt 1,06 Millionen verkauften Fahrzeugen in Europa nur knapp über dem schwachen Vorjahresergebnis. Insbesondere die Entwicklung in Russland macht Ford die Planungen zunichte. Im einst wachsenden Markt sind die Verkäufe eingebrochen. Der russische Beitrag zum Ford-Ergebnis in Europa im dritten Quartal: ein Verlust von 83 Millionen Euro.

Auch in Zentraleuropa ist die Lage weiter angespannt. Insbesondere in Deutschland hinkt Ford dem Platzhirsch Volkswagen hinterher. Weltweit ist der Focus das meistverkaufte Automodell – in Deutschland ist das der VW Golf. Europaweit ist der Fiesta der meistverkaufte Kleinwagen – in Deutschland ist das der VW Polo. Die Wolfsburger verkaufen im Heimatmarkt dreimal so viele Fahrzeuge wie Ford.

Kommentare (1)

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Herr Bernd Greb

14.11.2014, 11:35 Uhr

"Große Hoffnung setzt Ford darum auf die Neuauflage des Mittelklassemodells Mondeo, das mit drei Jahren Verspätung ab der zweiten Jahreshälfte 2014 im spanischen Valencia vom Band rollen soll."
DA SIND SIE JA MAL WIEDER TOAKTUELL!!!
KÖNNTEN SIE NICHT EINFACH DAMIT AUFHÖREN, IMMER WIEDER "ALTE KONSERVEN" SINNFREI ZUSAMMEN ZU KOPIEREN?

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