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04.01.2017

08:59 Uhr

Ford streicht Werk in Mexiko

Wie US-Konzerne vor Trump kuschen

Nach Vorwürfen Donald Trumps beerdigt Ford Pläne für ein neues Werk in Mexiko. Stattdessen sollen nun Millionen Dollar in den USA investiert werden. Lassen sich US-Konzerne vom künftigen US-Präsidenten einschüchtern?

Ford eingeschüchtert

Wegen Trumps Kritik: Autobauer wirft Mexiko-Pläne über Bord

Ford eingeschüchtert: Wegen Trumps Kritik: Autobauer wirft Mexiko-Pläne über Bord

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Flat RockWenn Donald Trump Druck macht, geben sogar die größten US-Konzerne klein bei: Ob Ford, General Motors oder Boeing. Dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, seitdem der Immobilienmogul zum US-Präsidenten gewählt wurde. Trump wird zwar erst am 20. Januar vereidigt, doch schon jetzt vergeht kaum ein Tag, ohne dass er sich aggressiv in die Unternehmenspolitik einmischt. Wie frei können Firmen in der traditionell marktliberalen US-Wirtschaft künftig noch agieren?

Zuletzt knöpfte sich der „President-elect“ den größten US-Autobauer GM vor. „Produziert in den USA!“, ging Trump das Unternehmen bei Twitter an und drohte mit hohen Einfuhrzöllen für Autos, die im Niedriglohn-Nachbarland Mexiko gefertigt werden. Wenig später gab GM-Rivale Ford überraschend bekannt, Pläne für ein 1,6 Milliarden Dollar teures Werk in Mexiko zu beerdigen – wie von Trump gefordert. Stattdessen solle nun in großem Stil in den USA investiert werden.

Trumps fünf Ankündigungen

TTIP

Trump will per Erlass das bereits unterzeichnete transpazifische Handelsabkommen TPP mit asiatischen, pazifischen und lateinamerikanischen Staaten stoppen. An dessen Stelle sollen bilaterale Handelsabkommen treten, deren Ziel die „Rückkehr von Arbeitsplätzen und Industrien“ in die USA sein müssten.

Umweltschutz

Trump will Umweltschutzbestimmungen und andere Regeln streichen, die die Ausbeutung heimischer Energiereserven behindern. Dabei gehe es auch um das Fracking-Verfahren zur Gewinnung von Schieferöl und um die Nutzung der Kohle. Damit würden „viele Millionen hoch bezahlter Arbeitsplätze“ geschaffen.

Cybersicherheit

Trump will die Geheimdienste anweisen, der Bekämpfung von Cyberattacken und anderer Angriffe auf wichtige US-Infrastruktur Priorität einzuräumen.

Illegale Beschäftigung

Trump will das Arbeitsministerium anweisen, Visa-Missbrauch zu bekämpfen, um gegen die illegale Beschäftigung von Ausländern vorzugehen, die amerikanische Beschäftigte benachteiligten.

Lobbyarbeit

Trump will, dass Mitarbeiter der öffentlichen Hand nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst fünf Jahre lang nicht als Lobbyisten tätig werden dürfen. Lobbyarbeit für ausländische Regierungen soll früheren öffentlichen Angestellten lebenslang verboten werden.

Großer Profiteur ist eine Kleinstadt in Michigan. Flat Rock, keine 10.000 Einwohner, ein Ford-Werk als Dreh- und Angelpunkt. Am Dienstag plötzlich Ausnahmezustand: Ford kündigt an, die Fabrik für 700 Millionen Dollar in eine High-Tech-Schmiede für innovative Mobilität umzurüsten. Zur Fertigung von Klassikern wie dem Mustang kommen künftig Zukunftstechnologien wie Roboterautos und Elektroantrieb. 700 Jobs sollen entstehen – Flat Rock knackt den Jackpot. Ford-Chef Mark Fields lässt sich im Werk von den Arbeitern feiern.

Er habe vor Glück geweint, als er von der Nachricht erfuhr, sagt Jimmy Settles, der Vizepräsident der Autogewerkschaft UAW. Und auch Trump hat Grund zur Freude. Im Wahlkampf versprach er, der gebeutelten US-Industrie neue Arbeitsplätze zu verschaffen. Jetzt liefert er offenbar schon vor Amtsantritt. Hat sich Trumps umstrittener Bulldozer-Stil etwa wieder einmal ausgezahlt? US-Jobs ins Ausland zu verlagern, werde künftig „nicht ohne Konsequenzen bleiben“, drohte er nach der Wahl – und Trump stellte Strafzölle von 35 Prozent in Aussicht.

Um Konzerne auf Linie zu bringen, wendet der Republikaner Zuckerbrot und Peitsche an. Auf harte Twitter-Attacken folgen versöhnliche Gespräche mit Vorständen, denen daran gelegen ist, es sich mit dem künftigen Präsidenten nicht zu verscherzen. So versprach etwa Boeing-Chef Dennis Muilenburg rasch einen niedrigeren Preis, nachdem Trump gepoltert hatte, die Kosten für die neue Präsidentenmaschine Air Force One seien „außer Kontrolle“. Der Klimaanlagenbauer Carrier wurde mit Hilfe von Subventionen umgestimmt, bei rund 800 von ursprünglich 1.400 Jobs auf die Verlagerung nach Mexiko zu verzichten.

Applaus für den Chef: Ford-Angestellte während der Rede CEO Mark Fields in der Fertigungsstätte in Flat Rock, Michigan. dpa

Autobauer von Ford

Applaus für den Chef: Ford-Angestellte während der Rede CEO Mark Fields in der Fertigungsstätte in Flat Rock, Michigan.

Trumps ungewöhnliche Methoden, Unternehmen von seinem Motto „Amerika zuerst“ zu überzeugen, werden allerdings von vielen Beobachtern kritisch gesehen. „Amerika wird nicht florieren, indem Konzerne gezwungen werden, unwirtschaftliche Investitionen zu tätigen“, schrieb das normalerweise den Republikanern nahestehende Finanzblatt „Wall Street Journal“ in einem Leitartikel. Die erzkonservative Republikanerin Sarah Palin, die zunächst für einen Posten in Trumps Kabinett gehandelt wurde, kritisierte den Deal mit Carrier ebenfalls scharf und warnte vor „kapitalistischer Vetternwirtschaft“.

Kommentare (12)

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Baron v. Fink

04.01.2017, 09:50 Uhr

Die Globalisierung geht zu Ende. Arbeit, Kapital und die Wertschöpfung daraus bleiben in den USA.
Parasitäre chinesische Firmen werden sich ändern müssen. Die US-Einfuhrsteuer wird kommen.
Wir Investoren werden höhere Gewinne haben und das schafft Arbeitsplätze. Die EU wird nachziehen müssen, die deutsche Hungerlohn-Politik ist gescheitert.

Herr Percy Stuart

04.01.2017, 09:51 Uhr

Ich wünsche erstmal allen Mitkommentatoren ein gutes neues Jahr, das im Debakel für die etablierten Parteien, die EU und dem Euro enden wird.
Amerika first, Trump macht alles richtig!
Globalisierung und Wettbewerb unter Ungleichen funktioniert eben nicht, weil es dabei immer einen gibt, der den anderen über den Tisch zieht. Wie sonst lässen sich die Unternehmensverlagerungen in Billiglohnländer und der Abbau teurer inländischer Aerbeitsplätze erklären.
Diese Typen sind wie Heuschrecken die über die Länder ziehen, diese ausbeuten, deren Umwelt- und Lebensbedingungen zerstören und dann weiterziehen und überall verbrannte Erde hinterlassen. Am Ende dieser Entwicklung haben außer den Heuschrecken alle anderen nichts mehr.

Man könnte es auch so beschreiben:
„Wir leben in einem kapitalistischen System und in einem solchen endet die Spirale erst, wenn ein Einzelner hinter seiner goldenen Burgmauer ALLES hat und die draußen im Graben im Dreck NICHTS. Alles dazwischen ist der Weg dahin und wird dadurch den gesellschaftlichen Zerfall und die Entsolidarisierung nur weiter beschleunigen - der Untergang ist vorprogrammiert, da in diesem System der Vermögenskonzentration auf wenige (die 1%) unausweichlich!“


Herr Achim Rogalski

04.01.2017, 10:53 Uhr

Trump hat bereits mehr Arbeitsplätze geschaffen, als die deutsche Regierung in den letzten 8 Jahren. Und zwar mit der Ankündigung, den amerikanischen Markt abzuschotten. Da frage ich mich, wieso einige Wirtschaftsexperten offene Grenzen als Voraussetzung für eine gesunde Volkswirtschaft voraussetzen.

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