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19.11.2016

14:35 Uhr

Forderung aus der CDU

VW-Manager sollen Boni zurückzahlen

VW-Manager sollen wegen des Abgasskandals ihre Boni zurückzahlen – das fordert Unionsfraktionsvize Michael Fuchs. VW rechnet derweil nicht mehr mit Steuernachforderungen wegen „Dieselgate“.

VW sollte nach Ansicht des CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs wegen des Abgasskandals Manger-Boni zurückverlangen. dpa

Volkswagen

VW sollte nach Ansicht des CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs wegen des Abgasskandals Manger-Boni zurückverlangen.

BerlinVolkswagen sollte nach Ansicht von Unionsfraktionsvize Michael Fuchs bei für den Abgas-Skandal verantwortlichen Top-Managern Boni zurückfordern. Die Großaktionäre Niedersachsen und Ferdinand Piëch sollten sich dafür starkmachen, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen des Redaktions-Netzwerks Deutschland (RND) laut Vorabbericht von Samstag.

Es sei unerträglich, dass Manager zu Unrecht Boni kassiert hätten, weil sie die Verantwortung dafür trügen, dass VW in seinem Kern schwer beschädigt worden sei. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sollte so viel Mut aufbringen wie jetzt die Deutsche Bank. Und Großaktionär Piëch dürfe sich hier auch nicht zurückziehen.

Bei der Deutschen Bank wird laut jüngsten Informationen aus Finanzkrisen weiterhin geprüft, ob sie frühere Vorstände für die Verfehlungen des Geldhauses persönlich zur Kasse bitten kann. Eine Entscheidung dazu sei aber noch nicht gefallen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte von Absichten der Bank berichtet, von sechs Ex-Vorständen Boni in Millionenhöhe einzufordern.

Die Sparprogramme bei Volkswagen

1993: Massenentlassungen drohen

Im Jahr des Amtsantritts des späteren VW-Patriarchen Ferdinand Piëch als Vorstandschef steckt der Konzern in einer tiefen Krise. Er produziert im Vergleich mit der globalen Konkurrenz viel zu teuer, es droht die Entlassung von bis zu 30.000 Beschäftigten.

Hartz verhindert Kahlschlag

Peter Hartz, von Piëch eingestellter Personalvorstand und späterer Entwickler der Arbeitsmarktreformen der Regierung Schröder, kann den Kahlschlag abwenden. Er führt in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und der IG Metall unter anderem die Vier-Tage-Woche bei Volkswagen ein - eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich. Auch der umstrittene „Kostenkiller“ und Ex-General-Motors-Manager José Ignacio López bringt den verlustreichen Konzern finanziell wieder auf Kurs.

2006: Ende der Vier-Tage-Woche

Die Hauptmarke Volkswagen-Pkw fährt chronisch niedrige Erträge ein - eine deutliche Parallele zur heutigen Lage. Nach monatelangen Verhandlungen zum neuen Haustarifvertrag bei VW einigen sich die Parteien auf eine Abkehr von der Vier-Tage-Woche. Als Gegenleistung für die wieder deutlich längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verlangt die IG Metall vom Unternehmen verbindliche Zusagen für die langfristige Zukunft der sechs westdeutschen Werke.

Nachdem Kernmarken-Chef Wolfgang Bernhard mit Stellenstreichungen und Produktionsverlagerungen gedroht hat, verlässt er den Konzern. VW kann dennoch die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit steigern.

2016: Dieselskandal belastet VW

Nach Jahren satter Gewinne dümpelt die Marke mit dem VW-Emblem – gemessen an der Marge (Anteil des Gewinns am Umsatz) – im Branchenvergleich erneut vor sich hin. Zugleich muss der Gesamtkonzern die Milliardenlasten des Abgas-Skandals verdauen und sich stärker auf die Zukunftsthemen der Branche konzentrieren.

Der „Zukunftspakt“

Der „Zukunftspakt“ soll daher den Spardruck, den Umbau in Richtung E-Mobilität, Digitalisierung und Dienstleistungen sowie das Interesse der Belegschaft an sicheren Jobs und Standorten in die Balance bringen. Nach Monaten des Ringens steht fest: Dies wird nicht ohne Zugeständnisse bei den Jobs gehen. 30.000 Stellen sollen weltweit bis 2020 auslaufen, Kündigungen gibt es aber nicht.

Volkswagen rechnet unterdessen nicht mehr damit, vom Staat aufgrund erhöhter CO2-Werte vieler seiner Fahrzeuge zur Zahlung entgangener Kraftfahrzeugsteuern herangezogen zu werden. Das sagte ein Konzernsprecher am Samstag und bestätigte damit einen Bericht des „Spiegel“. Ende vorigen Jahres hatte das Unternehmen noch zugesagt, etwaige durch falsche Klassifizierung von Autos entstandenen Steuerschulden und daraus resultierende Nachforderungen zu zahlen. Inzwischen gehen die Wolfsburger aber dem Sprecher zufolge davon aus, dass die Behörden keine Nachforderungen mehr stellen werden.

Das Finanzministerium erklärte, die endgültige Höhe von Kfz-Steuern nach den Emissionswerten könne erst nach dem Bescheid der Zulassungsbehörden ermittelt werden. „Die weiteren Schritte in diesem Verfahren unterliegen dem Steuergeheimnis“, so ein Sprecher. Eine Veröffentlichung des Kraftfahrtbundesamtes über die Ergebnisse neuer Abgastests von VW-Fahrzeugen steht noch aus.

Tricksereien rund um den Verbrauch von Diesel-Fahrzeugen haben Europas größten Autobauer in eine schwere Krise gestürzt, es drohen milliardenschwere Straf- und Vergleichszahlungen. Am Freitag kündigte VW an, 30.000 Stellen zu streichen.

Von

rtr

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