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11.11.2011

07:26 Uhr

Fords Geschichte

Vom Pleitekandidaten zur Hoffnung von Detroit

VonCarsten Herz, Mark C. Schneider

Es war ein langer, harter Weg. aber nun ist Ford wieder das, was man als Hoffnung von Detroit bezeichnen kann. Hauptverantwortlicher für den positiven Wandel ist der Konzernchef Alan Mulally.

Ford ist wieder oben auf. dapd

Ford ist wieder oben auf.

KölnDer Flugzeugingenieur Alan Mulally heimst in der Autoindustrie gleich in Serie Auszeichnungen ein. Am Mittwochabend verlieh ihm etwa Springers Fachblatt „Autobild“ das begehrte „Goldene Lenkrad“ für sein Lebenswerk. Die Branche feiert den 66-Jährigen dafür, dass er den Autokonzern vor der Pleite gerettet hat.

Heute ist „Blue Oval“, wie Ford in den USA genannt wird, wieder da – und greift an. „Wir schalten jetzt vom Überlebens- in den Wachstumsmodus“, verkündete Mulally Anfang Juni auf einer Investorenkonferenz. In seiner Heimat will der Konzern in den nächsten zwei Jahren 7000 neue Stellen schaffen.

Unter den US-Autobauern ist Ford der einzige, der 2009 nicht ins Insolvenzverfahren musste. Während sich die Konkurrenten General Motors (GM) und Chrysler nur über staatlich kontrollierte Konkursverfahren sanieren konnten, entzog sich Ford der Kontrolle der US-Regierung. Der vorherige Boeing-Manager Mulally sicherte sich dafür noch vor der Finanzkrise einen hohen Kreditrahmen und versilberte mit Jaguar, Land Rover, Aston Martin und Volvo alle Premiummarken des Autobauers.

Seitdem konzentriert sich das Unternehmen auf die Kernmarke Ford. Die „One Ford“-Strategie sieht künftig weniger Plattformen vor, die die technische Basis eines Autos sind. Dafür soll es mehr gleiche Teile und vor allem drastisch weniger, dafür aber viel enger eingebundene Zulieferer geben. Das langfristige Ziel sind neun weltweite Standardplattformen, als Zwischenschritt bis zum Jahr 2014 sind 13 geplant. Vor zwei Jahren waren es noch 25 Standardplattformen.

Mulallys Bilanz ist eindrucksvoll: Zehn Quartale hintereinander schaffte Ford einen Gewinn. Mit 1,65 Milliarden Dollar erzielte das Unternehmen im dritten Quartal sogar den zweitbesten Profit in der 108-jährigen Firmengeschichte.

Doch hat Mulally nicht alle Probleme gelöst. In Asien ist der Konzern schwach, das Europa-Geschäft schrieb wegen hoher Materialpreise zuletzt rote Zahlen. Mulally verspricht, dass Europa 2011 Gewinne erzielt. Dennoch reicht es nicht für einen Spitzenplatz. Der deutsche Rivale Volkswagen dürfte nach einer Prognose des Center of Automotive Management bereits in diesem Jahr weltweit gut 8,3 Millionen Autos verkaufen, Ford 5,7 Millionen.

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