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19.01.2012

10:53 Uhr

Foto-Unternehmen

Kodak stellt Insolvenzantrag

Nun ist es amtlich: Kodak ist pleite. Der traditionsreiche Fotokonzern hat Insolvenz angemeldet. Die analoge Fotografie hat Kodak noch entscheidend geprägt, verlor im digitalen Zeitalter dann aber den Anschluss.

Die deutsche Kodak ist von der Insolvenz des US-Mutterkonzerns nicht betroffen. AFP

Die deutsche Kodak ist von der Insolvenz des US-Mutterkonzerns nicht betroffen.

Der Foto-Pionier Kodak hat nach einem langen Überlebenskampf einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen wolle aber weiterarbeiten, hieß es in der Mitteilung am Donnerstag. Dafür sei eine Finanzierung von fast einer Milliarde Dollar vereinbart worden, die von der Großbank Citigroup zur Verfügung gestellt werden soll. In den USA ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Konzerne mit Hilfe des Gläubigerschutzes sanieren.

Die deutsche Kodak ist von der Insolvenz des US-Mutterkonzerns wohl nicht betroffen. Ein Sprecher teilte mit, dass die Insolvenz „keine Auswirkungen auf den deutschen Standort“ mit knapp 1.050 Mitarbeitern habe. Kodak Deutschland hat seinen Sitz in Stuttgart, wo das Marketing, der Vertrieb und das Management mit rund 120 Mitarbeitern angesiedelt sind. Am Produktionsstandort im niedersächsischen Osterode im Harz sind rund 900 Mitarbeiter beschäftigt. Trotzdem sind die Beschäftigten verunsichert. Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Eisele, sagte: „Wir machen uns Sorgen.“ Was der Insolvenzantrag langfristig bedeute, sei noch völlig unklar. Eisele sagte, am Stammsitz sei eine Betriebsversammlung geplant, um die Beschäftigten über den aktuellen Stand zu informieren.

Kodak hatte einst die analoge Fotografie entscheidend geprägt. Mit dem Wechsel zu digitalen Bildern kam das US-Unternehmen jedoch nie klar.

Kodak setzte vor allem darauf, ein Paket aus rund 1100 Patenten zu verkaufen, um sich das dringend benötigte frische Geld zu besorgen. Ein Deal kam jedoch trotz monatelanger Gespräche nicht zustande. Zuletzt griff Kodak mit einer Serie von Patentklagen um sich. Binnen einer Woche wurden Apple, Samsung, der Smartphone-Spezialist HTC und der Erzrivale Fujifilm verklagt. Nach Einschätzung von Experten versuchte Kodak mit den Klagen, potenziellen Kaufinteressenten die Schlagkraft seines Patent-Portfolios zu demonstrieren.

Die Erfindung des Fotofilms und des Kleinbildformats hatten den Konzern aus der Nähe von New York einst reich gemacht. Kodak war zudem an den Anfängen der digitalen Fotografie beteiligt und hält deswegen auch dort diverse grundlegende Patente.

Absteiger Kodak

Filmriss droht

Niedergang, Pennystock, Insolvenzgerüchte: Kodak geht es so schlecht wie noch nie. Wie konnte es dazu kommen: 130 Jahre Unternehmensgeschichte im Zeitraffer.

Die Gründung

1881 gründet der Amerikaner George Eastman zusammen mit Henry Strong die Eastman Dry Plate Company, aus der elf Jahre später Eastman Kodak hervorgeht. Zunächst stellt das Unternehmen trockene Fotoplatten her.

Die erste Kamera

1888 kommt die erste Kodak-Kamera auf den Markt. Dank der 1900 eingeführten „Kodak Brownie“ wird Fotografieren massentauglich, die Kamera zum Preis von einem US-Dollar ist für jeden Hobbyfotografen erschwinglich.

Der Farbfilm

1935 bringt Kodak den ersten für Hobbyfotografen geeigneten Farbfilm auf den Markt.

Die Digitalkamera

1975 entwickelt der Ingenieur Steven Sasson die erste Digitalkamera für Kodak.

Kampf gegen Polaroid

1986 verliert Kodak einen Rechtsstreit um die Sofortbildkamera gegen Konkurrent Polaroid. Das führt neben einer Strafe in Milliardenhöhe zu einem bedeutenden Imageverlust und gilt als Wendepunkt in der Geschichte des Foto-Riesen.

Rekordzahlen

1991 erzielt das Unternehmen einen Rekordumsatz von 19,4 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig bringt Kodak mit der „DC-100“ die erste Digitalkamera in den Handel. Massentauglich ist sie nicht – das Modell kostet 25 000 Mark.

Konzentration auf digitalen Markt

2004 stellt Kodak den Verkauf von Kleinbildkameras ein, um sich ganz auf den digitalen Markt zu konzentrieren.

Die Krise

2011 schreibt Kodak das vierte Jahr in Folge rote Zahlen.

Die Insolvenz kommt nicht überraschend: Bereits Ende September 2011 hatte Kodak habe eine auf Konkursberatung spezialisierte US-Kanzlei angeheuert. Die Aktie hat längst einen Großteils ihres Wertes verloren. Auch nachdem der Fotokonzern beteuerte, er habe keine Absicht, einen Konkursantrag zu stellen, erholte sich der Kurs nur mäßig. Der Grund: Nur wenige Tage später wurde bekannt, dass Kodak einen Kredit von 160 Millionen Dollar aufnehmen wolle.

Der Konzern konterte allerdings noch vor kurzem den Konkursgerüchten mit dem Hinweis, er habe noch Ende Juni 2011 über 957 Millionen Dollar flüssige Mittel verfügt. Dieses Polster sei bestimmt noch nicht aufgebraucht, erklärte ein Sprecher vage.

Doch daran mehrten sich längst Zweifel. Im dritten Quartal waren die Umsätze von Kodak erneut um 17 Prozent eingebrochen – auf 1,46 Milliarden Dollar. Mit 222 Millionen Dollar fiel der operative Verlust fünfmal so hoch aus wie im gleichen Zeitraum des Vorjahrs.

Kommentare (1)

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Daisuke

19.01.2012, 09:30 Uhr

> Nun ist es amtlich: Kodak ist pleite
So ein Satz in einer Wirtschaftszeitung ist ein Armutszeugnis.
Die Autoren sollten wissen, daß Insolvenz etwas völlig anderes ist als eine Pleite. Letztere ist nämlich sogar ein Straftatbestand

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