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18.06.2012

08:10 Uhr

Fragwürdiger EnBW-Deal

„Du fragst Mutti, ob sie das arrangieren kann“

VonMartin-W. Buchenau

EnBW-Skandale ohne Ende: Jetzt enthüllen interne Mails peinliche Details über die Übernahme durch das Land Baden-Württemberg. Offenbar hat ein Investmentbanker ganz unverblümt Ministerpräsident Mappus gesteuert.

Ein Schild mit Hinweis auf das Energieunternehmen EnBW in Rheinhausen. dpa

Ein Schild mit Hinweis auf das Energieunternehmen EnBW in Rheinhausen.

StuttgartDem Energieversorger EnBW drohen weitere Turbulenzen: Vor der nächsten Sitzung des Untersuchungsausschusses am kommenden Freitag tauchen immer mehr peinliche Details über den EnBW-Deal auf, bei dem der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) mit seinem Freund, dem Investmentbanker Dirk Notheis, in einer Blitzaktion und unter Umgehung des Parlaments von der EdF die Anteile an der EnBW übernahm.

Der Untersuchungsausschuss fördert immer mehr Belege dafür zutage, dass der Deutschlandchef von Morgan Stanley Mappus steuerte und die Fäden zog. Inzwischen musste Morgan Stanley dem Ausschuss weitere Mails zur Verfügung stellen.

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Die Mails, die dem Handelsblatt vorliegen, zeigen in erschreckender Deutlichkeit, in welch respektloser Art und mit welcher Selbstverständlichkeit politische Gefälligkeiten eingefordert wurden. So schlägt Notheis vor, Kanzlerin Angela Merkel einzuschalten, um ein „Meeting mit Sarko“ zu organisieren. „Du fragst Mutti, ob sie dir das arrangieren kann“, schrieb er unverblümt an Mappus. In einer anderen Mail heißt es demnach: „Bitte achte darauf, dass du das durchziehst. Du verursachst sonst erheblich Sand im Getriebe, und das kann ich jetzt nicht brauchen.“ Im Klartext: Investmentbanker Notheis diktierte Ministerpräsident Mappus, was er zu tun habe.

Doch das ist nicht das einzige Feuer, das EnBW löschen muss. Auch der laufende Skandal um die Russlandgeschäfte und der Besuch der Steuerfahnder beschäftigt den Energiekonzern weiterhin. Und jetzt droht auch noch das schwierige Verhältnis der beiden Großaktionäre zu zerbrechen.

Der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), der mit 46,5 Prozent einen gleich hohen Anteil wie das Land Baden-Württemberg am drittgrößten deutschen Energiekonzern hält, fühlt sich vom Land düpiert und droht mit Kündigung der Aktionärsvereinbarung.

„Unter diesen Umständen sehe ich die bisher sachliche Zusammenarbeit im Rahmen der Aktionärsvereinbarung gefährdet“, sagte Heinz Seiffert, Verbandsvorsitzender und Landrat des Alb-Donau-Kreises, nach der Verbandsversammlung Ende vergangener Woche. Zuvor hatten die beiden Haupteigentümer im Aufsichtsrat noch gemeinsam die für die Finanzierung der Energiewende nötige Kapitalerhöhung beschlossen.

Kommentare (3)

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Rechner

19.06.2012, 13:58 Uhr

Es wird Zeit, daß kriminellen Vereinigungen wie Morgan Stanley in Deutschland endlich das Handwerk gelegt wird.

Aber dafür haben unsere Staatsanwälte natürlich keine Zeit.

Man sperrt lieber Oppositionelle wegen sogenannter Volksverhetzung ein.

azrep

20.06.2012, 21:44 Uhr

In diesem Rahmen waere natuerlich auch erwaehnenswert festzuhalten, dass EdF-Chef und Sarkozi-Freund Henri Proglio einen Zwillingsbruder hat, der zufaelligerweise als Fuehrungskraft bei Morgan Stanley in Frankreich bekannt ist. Eben die Bank, die in Deutschland das Land dazu gedraengt haben soll der EdF einen Ueberhoehten Preis zu zahlen...

Kuno

21.06.2012, 22:52 Uhr

Ist dieser Fall jetzt eigentlich ein Einzelfall oder der Normalfall in diesem Gewerbe.
Wenn ich daran denke, wie damals ein Bundespräsident Köhler am Flughafen abgepasst wurde, damit er auch ja schnell und brav das damalige Bankenrettungsgesetz unterzeichnet.

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