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07.01.2014

16:38 Uhr

Frankreich

Festgehaltene Manager sind wieder frei

VonThomas Hanke

In Amiens im Norden Frankreichs verhandelte die kommunistische Gewerkschaft CGT auf die harte Tour. Die Arbeitnehmer setzten Manager in einer Reifenfabrik des US-Konzerns Goodyear fest. Jetzt sind sie wieder frei.

Personalchef Bernard Glesser (links) und Produktions-Manager Michel Dheilly – bewacht von einem Gewerkschaftsvertreter. Die Tür ist von einem großen Reifen versperrt. ap

Personalchef Bernard Glesser (links) und Produktions-Manager Michel Dheilly – bewacht von einem Gewerkschaftsvertreter. Die Tür ist von einem großen Reifen versperrt.

ParisDie französische Linke begann das neue Jahr mit einem Sprint in die Vergangenheit: Ganz so als lebten sie noch in den rauen 70er-Jahren, hatten in der Goodyear-Reifenfabrik im Norden von Amiens Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft CGT zwei Manager festgesetzt. Seit Montagmorgen hinderten sie den Produktionsleiter und den Personalchef daran, die Büros zu verlassen.

Inzwischen sind die beiden Geiseln wieder frei – allerdings erst nach dem Einschreiten der Polizei. Sie verließen am Nachmittag das Fabrikgebäude. Zwei Beamte hatten Minuten zuvor das Gebäude betreten, während ein Dutzend weiterer Polizisten draußen bereitstand.

Die Manager wurden rund 29 Stunden festgehalten. Arbeitnehmervertreter kündigten dafür aber eine Besetzung des Werkgeländes an. Es werde erst geräumt, wenn Goodyear höhere Abfindungen zahle, hieß es. Personalchef Bernard Glesser lehnte es ab, angesichts der Nötigung durch die Arbeiter eine Stellungnahme abzugeben.

Die Schließung des Werks ist beschlossene Sache. Alle Gerichtsverfahren dagegen hat die örtliche CGT verloren. Da griff sie zu einem Mittel, das früher einmal Erfolg hatte: Manager einfach einsperren.

Doch Frankreich hat sich weiter bewegt. Belegschaften und Unternehmensleiter bemühen sich vielerorts um einen vernünftigen sozialen Dialog, genau wie die Regierung. Die versucht, den Tarifpartnern mehr Rechte einzuräumen. Dass Miteinander funktioniert auch, wie man paradoxerweise ebenfalls in Amiens sieht: Dort haben die Arbeitnehmer einer anderen Reifenfabrik bereits vor geraumer Zeit Veränderungen akzeptiert. Ihr Werk blieb bestehen.

Die größten Reifenhersteller der Welt

Platz 12

Toyo Tire & Rubber (Japan) - 3 Milliarden Dollar

Rangliste nach Umsatz im Finanzjahr 2014, Quelle: Statista/Modern Tire Dealer

Platz 11

Kumho Tire (Südkorea) - 3,3 Milliarden Dollar

Platz 10

Cooper Tire & Rubber (USA) - 3,5 Milliarden Dollar

Platz 9

Cheng Shin Rubber (Taiwan) - 4,3 Milliarden Dollar

Platz 8

Yokohama Rubber (Japan) - 4,8 Milliarden Dollar

Platz 7

Hankook Tire (Südkorea) - 6,4 Milliarden Dollar

Platz 6

Sumutimo Rubber (Japan) - 6,9 Milliarden Dollar

Platz 5

Pirelli (Italien) - 8 Milliarden Dollar

Platz 4

Continental (Deutschland) - 12,9 Milliarden Dollar

Platz 3

Goodyear Tire (USA) - 17,8 Milliarden Dollar

Platz 2

Michelin (Frankreich) - 24,4 Milliarden Dollar

Platz 1

Bridgestone (Japan) - 29,3 Milliarden Dollar

Doch in Amiens-Nord verhinderte die CGT eine Einigung. 2012 war sie bereit, einen großzügigen Sozialplan zu unterzeichnen, weigerte sich aber in letzter Sekunde. Deshalb erfolgt nun die Schließung zu wesentlich ungünstigeren Konditionen, wie ein Vertreter der Gewerkschaft SUD beklagt: „Mit dem alten Plan hätte ein Kollege mit zehn Jahren Betriebszugehörigkeit rund 85.000 Euro Abfindung erhalten, nun sind es nur noch bestenfalls 25.000 Euro.“

Das Werk Amiens hat es sogar zu internationaler Bekanntheit gebracht, weil der amerikanische Reifenhersteller Maurice Taylor sich eine Zeit lang dafür interessiert hat. Doch ihm missfiel rasch der Umgangston der CGT. In einem wütenden Brief an die Regierung giftete er 2012: „Behalten Sie Ihr Werk und Ihre so genannten Arbeiter, die nur drei Stunden arbeiten, aber hohe Löhne erhalten wollen“. Ende 2013 kam es dann doch zu einer neuen Annäherung zwischen Taylor und Industrieminister Arnaud Montebourg. Doch ein Abschluss gelang nicht.

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