Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.06.2014

17:21 Uhr

Französische Regierung

Entscheidung zu Alstom steht „unmittelbar bevor“

Nur wenige Stunden nachdem er das Angebot für Alstom aufgebessert hat, soll Siemens-Chef Kaeser ein weiteres Mal mit Präsident Hollande zusammentreffen. Rivale GE reagiert kurz und bündig auf die verbesserte Offerte.

Alstom-Übernahmeschlacht

Siemens und GE buhlen um Frankreichs Politik

Alstom-Übernahmeschlacht: Siemens und GE buhlen um Frankreichs Politik

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

MünchenIm Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom kämpfen die Kontrahenten bis zur letzten Minute. Siemens und der japanische Partner Mitsubishi Heavy Industries (MHI) besserten am Freitag ihre Offerte auf. Am Vortag hatte bereits der US-Rivale General Electric (GE) nachgelegt. Am Nachmittag warben die Parteien beim französischen Präsidenten François Hollande für ihre Angebote. Die Regierung in Paris hatte sich noch vor der heißen Phase des Bietergefechts ein Vetorecht bei Übernahmen gesichert.

Sowohl Siemens-Chef Joe Kaeser als auch GE-Chef Jeff Immelt strahlten optimistisch in die Kameras der wartenden Fotografen, als sie den Élyséepalast betraten. Am frühen Abend wollte Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg eine Pressekonferenz zur aktuellen Einschätzung der Regierung geben.

Und nun steht im monatelangen Kampf um die Industrie-Ikone nach Angaben der französischen Regierung eine Entscheidung unmittelbar bevor. Finanzminister Michel Sapin erklärte am Freitag, er rechne mit einer Lösung für die Zukunft von Alstom „in den kommenden Stunden“.

Das deutsch-japanische Bündnis hatte zuvor mitgeteilt, dass sich der Bar-Anteil seiner Offerte im Ergebnis um 1,2 Milliarden auf 8,2 Milliarden Euro erhöht. Die Gesamtbewertung des Energiegeschäfts von Alstom steige um 400 Millionen Euro auf insgesamt 14,6 Milliarden Euro.

Die neuen Gebote von Siemens und GE

Angebote aufgestockt

Das Bündnis von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) und der konkurrierende US-Konzern General Electric (GE) haben ihre Angebote für den französischen Technologiekonzern Alstom aufgestockt. Eine Übersicht über die Pläne, die am Donnerstag und Freitag vorgestellt wurden.

Siemens/MHI – Sahnestück höher bewertet

Siemens kauft Alstom das Gasturbinengeschäft für 4,3 Milliarden Euro ab und zahlt damit 400 Millionen Euro mehr als anfangs geplant. Die Deutschen haben sich das Sahnestück aus dem Portfolio des französischen Konzerns nach eigenen Angaben noch einmal genauer angeschaut und bewerten es nun höher als bisher.

Höherer MHI-Anteil bei Energietechnik

MHI beteiligt sich mit 40 Prozent an weiteren Energietechnikgeschäften der Franzosen, nämlich Dampfturbinen- und Nukleartechnik, Wasserkraft und Netzausrüstung. Dafür zahlen die Japaner 3,9 Milliarden Euro. Die Aufstockung von 800 Millionen Euro über dem bisherigen Angebot begründen sie damit, dass man nun einen höheren Anteil anstrebe. Bisher hatten sie drei Einzelbeteiligungen zwischen 20 und 40 Prozent vorgesehen.

400 Millionen Euro Barmittel mehr

Mit der Barzahlung von zusammen 8,2 Milliarden Euro bewerten die Partner die Alstom-Energiesparte nun mit insgesamt 14,6 Milliarden Euro, 400 Millionen mehr als bisher. Unangetastet bei Alstom verbleiben die Sparte für Windkraft und weitere Erneuerbare Energien sowie zunächst auch der Zugbau.

Schnellere Bahnkooperation

Der ICE-Hersteller Siemens will eine Kooperation mit dem TGV-Produzenten Alstom nun schneller vorantreiben als bisher. Statt erst nach dem angestrebten Energietechnik-Deal über einen möglichen europäischen Primus im Bahntechnikgeschäft zu sprechen, bietet Siemens nun an, schon einmal ein Gemeinschaftsunternehmen für Mobilitätsmanagement und Signaltechnik in Angriff zu nehmen.

1000 neue Jobs

Die Konsortialpartner versprechen den Franzosen 1000 neue Jobs und weitere 1000 Ausbildungsplätze.

General Electric – Goldene Aktie für Frankreich

GE plant drei Gemeinschaftsunternehmen mit Alstom, an denen beide Firmen jeweils zur Hälfte beteiligt sein sollen: Die Netztechnik beider Konzerne soll zusammengelegt werden, außerdem steigt GE im Wind- und Wasserkraftgeschäft und im Nuklear- und Dampfturbinengeschäft der Franzosen ein. Um die französische Regierung zu beruhigen, soll sie bei dem geplanten Atomkraftausrüster eine Goldene Aktie mit Vetorecht erhalten und Patente der Sparte in einer staatlichen Gesellschaft verwalten. Bisher hatte GE das Energiegeschäft komplett übernehmen wollen.

Angebot für Energiesparte unverändert

Der US-Konzern bewertet die Alstom-Energiesparte nach wie vor mit 12,35 Milliarden Euro. GE machte die geplante Barzahlung an Alstom nicht publik, betonte aber, sie liege über dem nachgebesserten Angebot von Siemens und MHI.

Signaltechnik an Franzosen

In der Bahntechnik will GE ähnlich wie Siemens ein Bündnis mit Alstom schmieden. Unter anderem wollen die Amerikaner ihre Signaltechnik an die Franzosen verkaufen.

Gleiches Arbeitsplatzversprechen

GE verspricht Regierung und Gewerkschaften die Schaffung 1000 neuer Arbeitsplätze in Frankreich.

GE bewertet Alstoms Energiegeschäft weiterhin mit 12,35 Milliarden Euro, wollte den Vorstoß der Konkurrenz am Freitag aber nicht auf sich sitzen lassen. GEs Bar-Anteil sei weiterhin höher, teilte der US-Konzern mit, ohne allerdings eine konkrete Zahl herauszugeben. Ein Vergleich der beiden Offerten ist wegen der unterschiedlichen Ausgestaltung der Angebote grundsätzlich schwierig.

Die erhöhte Offerte des deutsch-japanischen Konsortiums erreichte den Markt nur Stunden vor dem Treffen Immelts mit Hollande. GE hatte bereits seinerseits die Offerte für Alstom nachgebessert. Für den US-Konzern wäre es die bislang größte Übernahme. Siemens will verhindern, dass sein größter Konkurrent seine Stellung auf dem europäischen Markt ausbaut.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.06.2014, 12:25 Uhr

Zitat : Rivale GE reagiert kurz und bündig auf die verbesserte Offerte.

- GE soill doch den Bankrotten Franzosen dem bescheuerten halbbankrotten SIEMENS überlassen !

Somit schlagen sie 2 Fliegen mit einer Klappe und sind demnächst beide Konkurrenten los, zumal SIEMENS mit ALSTOM ersaufen werden !

Account gelöscht!

20.06.2014, 14:42 Uhr

Es zeig mal wieder,das das Management von Siemens nicht mehr in der Lage ist, die Zeichen der Zeit zu verstehen.

Was will man mit bankrotten Franzosen-Firmen. Für kleineres Geld könnte man eine funktionierende Konkurrenz aufbauen. Oder noch besser,die Finger ganz von einem Bankrottstaat zu lassen.

Aktien..raus aus Siemens

Account gelöscht!

20.06.2014, 15:17 Uhr

Alstom teilweise, oder besser ausgedrückt: nur Bruchstücke übernommen, den Franzosen weitreichende Mitsprachrechte eingeräumt, Arbeitsplätze für Franzosen geschaffen, dafür in Deutschland abgebaut und das verkaufen sie uns dann als erfolgreiche Akquisition.

"Wir sind sehr erfreut, denn mit der gelungenen Übernahme von Alstom haben wir einen Mehrwert für unser Unternehmen geschaffen, dank ausgezeichneter Synergieeffekte und überragender Zukunftsperspektiven.
Ebenso sind wir stolz darauf, 1000 neue Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region ermöglicht zu haben.

Wir beweisen damit unser Vertrauen in die französische Wirtschaft und unsere französischen Freunde.
Siemens, als modernes und global denkendes Unternehmen ist mit beispielhaften Handeln vorangegangen und zeigt damit erneut, wie wichtig und positiv europäische Integration und Harmonisierung ist.

Meine Damen und Herren Pressevertreter, ich danke Ihnen."

Jo Mann, geh scheißen - denkt sich Harry Hirsch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×