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24.01.2005

08:45 Uhr

Freudenberg-Gruppe bewahrt beharrlich den Familiencharakter

Ein ganz unauffälliges Weltunternehmen

VonBolke Behrens (Handelsblatt)

Die Bergstraße ist eine der ältesten touristischen Routen in Deutschland, beliebt auch bei den Kennern der selten außerhalb der Region getrunkenen Weine. Weinheim an der Bergstraße ist ein hübscher Ort – aber kaum bekannt, gemessen etwa am nahen Heidelberg, einer der Spitzenmarken deutschen Fremdenverkehrs.

HB WEINHEIM. Die Stadt an der Bergstraße teilt ihr Schicksal, unauffällig zu sein, mit ihrem größten Unternehmen. Dessen Putzlappen und Wischmops mit der Aufschrift „Vileda“ sind den Hausfrauen in Schanghai und Chateauneuf ebenso ein Begriff wie den Konsumenten in Viersen und Viechtach. Die genoppten, rutschfesten Gummiböden der Marke Nora liegen in fast allen Großflughäfen. Die kleinen Dichtungen namens Simmring und die Spezialdichtungen der Tochter Bergmann Industries haben bei Auto- und Maschinenbauern weltweit ihren guten Ruf – wie die Vliesstoffe bei Textilproduzenten. Aber nur den Fachleuten der jeweiligen Branche ist der Produzent dieser breiten Produktpalette bekannt: Die Freudenberg & Co. aus Weinheim.

Dabei ist der als Kommanditgesellschaft geführte Mischkonzern mit rund 4,3 Milliarden Euro Umsatz und 33 000 Mitarbeitern eines der größten deutschen Familienunternehmen. Und in der Heimatstadt mit ihren 48 000 Einwohnern natürlich in allem vorne an. Rund 7 000 Freudenberg-Beschäftigte arbeiten in Weinheim, dazu noch einmal rund 1 200 externe Dienstleister. Über 40 Prozent des städtischen Gewerbesteueraufkommens stammen von Freudenberg. Stadt und Umland verdanken dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern etwa 500 Millionen Euro Kaufkraft.

Die wirtschaftliche Dominanz ist städtebaulich indes nicht zu spüren. Das große Werksgelände liegt jenseits der Eisenbahn. Wer den Schienenweg zur Anreise nutzt, kann gleich vom Bahnsteig durch die Unterführung in den Betrieb gehen. Gleich hinter dem Eingang verweist das Bronzedenkmal eines Gerbers auf den Ursprung des Unternehmens: Freudenberg ist mit dem Leder groß geworden.

Die Gerberei hat in Weinheim eine lange Tradition. Zahlreiche kleine Betriebe gab es einst in der Stadt am kleinen Flüsschen namens Weschnitz. Das Wasser ist wichtig für die Lederproduktion, weil die Häute immer wieder gewaschen werden müssen.

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