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10.05.2012

21:09 Uhr

Frische Aktien

Fresenius zapft Kapitalmarkt für Rhön-Kauf an

Institutionelle Anleger stehen bereit, um den Gesundheitskonzern Fresenius mit einer Milliarde Euro an frischem Kapital zu versorgen. Der will mit dem Geld den Kauf der Rhön-Kliniken teilweise finanzieren.

Börsenhändler in Frankfurt am Main. dpa

Börsenhändler in Frankfurt am Main.

Der Gesundheitskonzern Fresenius bereitet sich mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung auf die anvisierte Übernahme des Konkurrenten Rhön-Klinikum vor. Das hessische Unternehmen wolle 13,8 Millionen neue Stammaktien aus dem genehmigten Kapital ausgeben und damit rund eine Milliarde Euro einsammeln, teilte der Krankenhaus- und Dialysekonzern am Donnerstagabend mit. Die neuen Papiere dürften schon am Freitag über eine Blitz-Platzierung institutionelle Investoren verkauft werden. Die Aktionäre haben kein Bezugsrecht.

Fresenius nutzt mit dem Schritt das gute Kapitalmarktumfeld und die gute Kursentwicklung der eigenen Aktie. Das Papier hat seit Jahresgewinn rund neun Prozent zugelegt und schloss am Donnerstag mit 77,71 Euro. Die neuen Aktien würden in einer Spanne von 72 bis 74 Euro angeboten, die Dividende von 95 Cent, die am Montag ausgezahlt wird, ist dabei schon abgezogen, sagte ein Insider. Das ist ein - für eine Platzierung dieser Größe -geringer Abschlag von 3,6 bis 6,2 Prozent. Bekommt Fresenius alle Aktien los, errechnet sich daraus ein Erlös zwischen 0,99 und 1,02 Milliarden Euro. Fresenius wollte sich zu der Spanne nicht äußern.

Die Stärken und Schwächen von Fresenius Medical Care

FMC - mehr als nur eine Tochter

Fresenius Medical Care (FMC) ist die wohl wichtigste Tochterfirma Deutschlands. Der Dax-Konzern beglückt seine Aktionäre Quartal für Quartal mit solidem Gewinnwachstum. Aber es gibt auch Schwachpunkte. Ein schneller Blick auf die Stärken und Schwächen.

Stärke: Stabile Wachstumsaussichten

Rund vier Prozent wächst der weltweite Dialysemarkt jedes Jahr. Weil die Bevölkerung altert und immer mehr Menschen Diabetes bekommen, was die häufigste Ursache für Nierenversagen und die Notwendigkeit einer Dialysebehandlung ist, kann sich Fresenius Medical Care auf eine weiter steigende Nachfrage nach seinen Produkten einstellen. Somit wächst der Konzern weiter - und zwar weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen.

Stärke: Blutwäsche boomt

Im Jahr 2011 summierten sich Dienstleistungen und Produkte rund um die Blutwäsche nach Schätzungen von FMC auf ein weltweites Marktvolumen von rund 75 Milliarden US-Dollar. Dialyseprodukte stehen dabei für einen Umsatz von rund 13 Milliarden Dollar, Dialysedienstleistungen inklusive Medikamente machen 62 Milliarden Dollar Umsatz aus.

Stärke: Zahl der Patienten steigt

Die Zahl der Patienten liegt derzeit bei über zwei Millionen weltweit. Laut FMC-Schätzungen dürfte die Patientenzahl jährlich um sechs Prozent zunehmen. Vor allem in den Schwellenländern kann die Versorgung noch deutlich ausgebaut werden.

Stärke: Gute Margen

Fresenius Medical Care führt im US-Markt mit einem Anteil von 40 Prozent vor dem Wettbewerber Da Vita, der auf einen Marktanteil von rund einem Drittel kommt. Da Vita ist fast ausschließlich in den USA tätig ist. Mit einer Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von 16,2 Prozent erzielen beide Unternehmen im Dialysemarkt attraktive Gewinne.

Stärke: Weiteres Wachstum erwartet

Während der pauschale Vergütungssatz in den USA im Lauf des Geschäftsjahres 2011 rückläufig war, ist er im ersten Quartal 2012 im Vorjahresvergleich von 348 auf 353 Dollar je Behandlung gestiegen. Wie die vergangene Woche vorgelegten Quartalszahlen gezeigt haben, legte der Umsatz von FMC um neun Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar zu, der Gewinn vor Zinsen und Steuern um 13 Prozent auf 503 Millionen Dollar. FMC erwartet, die EBIT-Marge in diesem Jahr auf 16,9 Prozent steigern zu können.

Schwäche: Abhängigkeit vom US-Markt

Zwei Drittel der Umsätze macht FMC in den USA. Das ist teilweise der Marktstruktur geschuldet: Während Dialysedienstleistungen dort zu einem großen Teil von privaten Firmen wie FMC angeboten werden, werden diese in Europa vor allem von öffentlichen Krankenhäusern durchgeführt. Hier ist FMC vor allem mit Produkten im Geschäft.

Schwäche: Neue Märkte schwer zu erschließen

Lediglich in Ländern wie Portugal und Spanien und auch Osteuropa gibt es Strukturen, die privaten Anbietern wie FMC einen größeren Einstieg als Dienstleister in den Markt ermöglichen. Dennoch muss FMC stärker in andere Regionen expandieren, um sich von den USA unabhängiger zu machen. Die Einführung des neuen Vergütungssystems im vergangenen Jahr hat gezeigt, wie stark staatliche Eingriffe das System verändern können. 2014 soll das pauschale Erstattungssystem möglicherweise um weitere für die Dialyse notwendige Leistungen ergänzt werden. FMC muss auch dann wieder den Beweis antreten, dass der Konzern mögliche Leistungskürzungen durch Kosteneinsparungen oder Synergieeffekte kompensieren kann.

Schwäche: Hohe Mittelabflüsse

Diverse Übernahmen - unter anderem von Euromedic und American Access - führten bei FMC zuletzt zu hohen Mittelabflüssen. Der Cash-Flow aus der operativen Geschäftstätigkeit lag 2011 mit 1,1 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Dollar) zwar sechs Prozent über dem Vorjahr. Nach Abzug der Investitionen kletterte auch der Free Cash-Flow um zwei Prozent auf 676 Millionen Euro.

Schwäche: Free Cash-Flow im Minus

Da FMC aber satte 1,4 Milliarden Euro für die Übernahmen ausgab, rutschte der Free Cash-Flow nach Akquisitionen ins Minus. Im Vorjahr hatte FMC noch 188 Millionen Euro erwirtschaftet. Dadurch kam der Dialysespezialist nicht umhin, 2011 die Verschuldung zu erhöhen. Das Verhältnis von Finanzschulden zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Debt to Ebitda) lag 2011 bei 2,69 nach 2,38 im Vorjahr.

An der Kapitalerhöhung will sich die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, die den Konzern kontrolliert, nach Firmenangaben mit mindestens 90 Millionen Euro beteiligen. Begleitet wird die Transaktion von der Deutsche Bank, JPMorgan und Societe Generale.

Fresenius hatte Ende April angekündigt, den Kauf von Rhön über einen syndizierten Kredit, eine Anleihe und Eigenkapitalmaßnahmen finanzieren zu wollen. Instrumente wie Wandelanleihen seien nach der Kapitalerhöhung nicht mehr nötig, sagte ein Konzern-Sprecher. Fresenius will mit dem Vorpreschen Spekulationen mit seiner Aktie vermeiden. Der Bad Homburger Konzern will in den nächsten Tagen das offizielle Übernahmeangebot vorlegen, abgeschlossen werden dürfte der 3,1 Milliarden Euro schwere Kauf frühestens im Sommer.

Dass die Übernahme gelingt, ist noch nicht sicher. Fresenius müsste hierfür mehr als 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammeln. Sollte dies nicht gelingen, wäre die Kasse des Unternehmens für andere Investitionen oder Übernahmen gut gefüllt. In dem Fall würde der Verschuldungsgrad - das Verhältnis von Netto-Finanzverbindlichkeiten zum Betriebsgewinn (Ebitda) - am unteren Ende des eigenen Zielkorridors von 2,5 bis 3,0 liegen, erklärte Fresenius. "Die Kapitalstruktur bliebe damit im optimalen Bereich."

Von

rtr

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