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17.07.2012

09:31 Uhr

Früherer EnBW-Chef

Die Gedächtnislücken des Utz Claassen

VonJan Keuchel, Jürgen Flauger, Sönke Iwersen

Geht es um umstrittene Russland-Geschäfte des Energiekonzerns EnBW, gibt Ex-Chef Utz Claassen den Ahnungslosen. Wie interne Dokumente belegen, erhielt er jedoch massive Warnungen - und ließ die Deals weiterlaufen.

Utz Claassen wusste womöglich mehr über die Risiken der Geschäfte mit dem russischen Lobbyisten Bykow, als er behauptet. ap

Utz Claassen wusste womöglich mehr über die Risiken der Geschäfte mit dem russischen Lobbyisten Bykow, als er behauptet.

DüsseldorfKeine Kenntnis, keine Erinnerung, kaum Kontakt. Wer bis vor wenigen Tagen mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Stromkonzerns EnBW, Utz Claassen, über die Geschäfte mit dem russischen Lobbyisten Andrey Bykow sprach, erlebte einen Mann mit lückenhaftem Gedächtnis. Bei Berichten über Klimapflege, fragwürdige Gasdeals und fehlende Absicherung von Millionenzahlungen schien Claassen überrascht.

Nun tauchen interne Dokumente auf, die Claassens Ahnungslosigkeit infrage stellen. Schon 2004 lag Claassen ein Revisionsbericht vor, der sich wie eine gedruckte Warnsirene liest.

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„Fehlende Transparenz“, „mangelhafte Aufsicht“, „hohes Risiko“. Die 23 Seiten, die mit dem Aufdruck „streng vertraulich“ gestempelt waren und im Juni 2004 von der Konzernrevision an Utz Claassen gingen, waren eine dringende Anweisung zum Handeln.

Die Geschäfte, die zwischen der EnBW und dem russischen Lobbyisten Andrey Bykow geschlossen worden waren, entsprachen laut Revision nicht den Konzernvorschriften. Es herrsche „an keiner Stelle Transparenz“ über die Geschäftsbeziehung.

Die Beziehung war für die EnBW ungünstig. „Die Vorauszahlungen (des Konzerns) sind unabhängig von einer tatsächlichen Leistung (des Russen) zu zahlen“, berichteten die Kontrolleure. Gleichzeitig fehle die Zustimmung der zuständigen Gremien. „Die gesamte Vertragskonstellation“, so schrieb die Revision, sei „ungewöhnlich“.

Kommentare (4)

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Ich

17.07.2012, 09:52 Uhr

Offensichtlich beginnende Alzheimer und Senilität wird immer verbreiteter bei den Managern und Vorständen. Man sollte dazu mal eine jährliche Vorsorgeuntersuchen bei den Konzernen einführen.

Account gelöscht!

17.07.2012, 10:18 Uhr

Wenn es noch irgendeine Form von "Recht" gibt,(ich meine nicht Gerechtigkeit), werden Claasen, Mappus u.a. hinter Gittern landen.

Privatier

17.07.2012, 10:36 Uhr

@ich
komischerweise, beginnen Alzheimer und Senilität, bei diesen Herren, immer nur in den heiklen Angelegenheiten.
An die, für sie lukrativen Punkte, können sie sich noch Jahrzehnte später bis ins kleinste Detail erinnern.

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