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08.06.2012

13:03 Uhr

Führungskrise bei Lotus

Das Ende einer Legende

VonLukas Bay

Das Comeback des britischen Sportwagenbauers Lotus scheint endgültig gescheitert. Dany Bahar, der gefeierte Jungstar der Autobranche, muss gehen. Damit könnten auch seine ambitionierten Pläne für die Nobelmarke sterben.

Die Lotus Elise ist das erfolgreichste Modell von Lotus. Pressefoto

Die Lotus Elise ist das erfolgreichste Modell von Lotus.

DüsseldorfEs war eine pompöse Rückkehr auf die große Bühne, vor zwei Jahren auf dem Pariser Autosalon. Auf dem größten Stand der Messe präsentierte der smarte Lotus-Chef Dany Bahar vor der Prominenz der Autoindustrie die Zukunft des britischen Nobelherstellers: Esprit, Elan, Elite, Elise, Eterne - fünf neue Modelle in fünf Jahren. Sie alle sollten an die ruhmreiche Vergangenheit der Briten anknüpfen. Lotus, das war immerhin einmal die Marke von James Bond, doch als Bahar die Führung übernahm nur noch ein Schatten vergangener Jahre. Künftig sollte die Traditionsmarke wieder zu Porsche, Ferrari und Maserati aufschließen. Paris sollte die Wiedergeburt werden. Dieser Plan scheint nun endgültig gescheitert zu sein.

Wenige Wochen nach seiner Suspendierung, ist der 38-jährige Lotus-Boss nun gefeuert worden. Über die Hintergründe ist wenig bekannt. Offiziell ist von einer Beschwerde des malaysischen Autokonzerns DRB-Hicom die Rede, zu dem auch die Lotus-Mutter Proton gehört. Britische Medien berichten, dass Bahar zu freigiebig mit Firmenmitteln umgegangen sein soll. Die teuren Reisen und luxuriösen Unterkünfte seien dem asiatischen Mutterkonzern ein Dorn im Auge gewesen - insbesondere weil Lotus immer defizitär geblieben war. Andere berichten, dass die Gerüchte lanciert worden seien, um die Abfindung für Bahar zu sparen. Immerhin war hatte der Marketingexperte einen Vertrag bis 2015, war für viel Geld von Ferrari zu den Briten gewechselt.

Wie bei Red Bull trieb Marketingexperte Bahar das Sponsoring eines eigenen Formel-1-Teams voran, das bis 2017 den Namen Lotus tragen soll. Mit fünf neuen Modellen und Investitionen von 800 Millionen Euro wollte Lotus auch mit seiner Produktpalette zurück in die Königsklasse. Für die Entwicklungsabteilung von Lotus wurde ein eigenes Dreamteam eingekauft. 24 Spezialisten der renommiertesten Autokonzerne waren abgeworben worden. Von Ferrari kam der Erfinder des 458, Donato Coco, von Mercedes AMG kam Wolf Zimmermann. So sollte der Kraftakt gelingen, die Marke neu zu erfinden und den Markt für Sportwagen aufzurollen.

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Damals war das Ziel noch so klar: Viermal mehr verkaufte Autos bis 2015. Bei der IAA 2011 erklärte CEO Dany Bahar, wie er Lotus für die Zukunft aufstellen wollte. Jetzt hat man ihm den Stuhl vor die Tür gestellt.

Ob diese Strategie auch unter dem neuen Chef Aslam Farikullah, ein malaysischer Statthalter von DRB-Hicom, fortgesetzt werden kann, darf bezweifelt werden. "Der Fünf-Jahres-Plan ist eng verknüpft mit der Person Dany Bahar“, sagt ein Lotus-Sprecher schon bei der Suspendierung von Bahar. In einer ersten Reaktion kündigte der malaysische Konzern zwar an, dass man sich den zukünftigen Vorhaben verpflichtet fühle und Lotus helfen wollen "den nächsten Schritt zu gehen, um weiterhin eine relevante Rolle in der Autoindustrie zu spielen“.

Lotus-Chef Dany Bahar: Das ausgebremste „Wirtschaftswunderkind“

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In fünf Jahren wollte Lotus-Chef Dany Bahar den britischen Sportwagenbauer zurück in die Königsklasse führen. Nun stehen die Pläne des "Wirtschaftswunderkindes" vor dem Aus. Lotus hat den eigenen Chef suspendiert.

Ob die Asiaten allerdings auch weiterhin bereit sind, den defizitären Konzern durch Zuschüsse zurück auf die Erfolgsspur zu bringen, ist fraglich. 275 Mitarbeiter musste Bahar Anfang des Jahres kurzfristig freistellen, die Produktion wurde gedrosselt. Es fehlte das Geld, um die Lieferanten zu bezahlen. Erst nachdem die Bankkonten wieder freigegeben waren, konnte Lotus die Produktion wieder aufnehmen. Gerüchte über einen Verlagerung der Produktion nach Asien kursierten.

Offiziell übt sich der malaysische Konzern auch nach der Suspendierung Bahars in Treueschwüren. „Wir stehen voll hinter der Firma und werden Lotus weiterhin in ihren wirtschaftlichen Bemühungen und Entwicklungen unterstützen“, teilte DRB-Hicom mit. Ein Verkauf sei nicht geplant. Bahar selbst hatte sich schon vor seinem Amtsantritt Gedanken über ein mögliches Scheitern gemacht. „Wenn ich es nicht schaffen sollte, dann gibt es eine nächste Station.“

Kommentare (2)

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Istdochklar

08.06.2012, 17:04 Uhr

Eigentlich gehört Lotus ja mittlerweile gefühlt zu Tesla Motors. Mal sehen, ob sich das realisiert. Ob es bald ein Tesla Motors Werk in Europa gibt? Lotus wäre Nummer 1 Kandidat dafür.

Account gelöscht!

09.06.2012, 08:02 Uhr

Tesla ist IMHO völlig überschätzt - die sollen erst mal ihr Model S auf die Strasse bringen und beweisen, daß an den markigen Werbesprüchlein was dran ist. Lotus wird als Markenname erhalten bleiben - nur werden den die Inder für gutes Geld verkloppen wollen, da sich das Ganze aktuell nicht mit den bestehenden Produkten versilbern lässt. Als exklusiven Kleinserienhersteller kann ich mir einen Weiterbestand von Lotus sehr gut vorstellen - nur hatten die die letzten Jahre die Großmannssucht bekommen und das geht selten gut aus.Zurechtschneiden und fertig...

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