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12.07.2012

22:51 Uhr

Führungswechsel

Opel-Chef Stracke steigt aus

Der Tag sollte im Zeichen des neuen Hoffnungsträgers, dem Kleinwagen Opel Adam, stehen. Doch dann überrascht der Rüsselsheimer Konzern mit der Meldung, dass Unternehmenschef Stracke geht. Das Chaos bei Opel ist perfekt.

Opel-Chef tritt überraschend zurück

Video: Opel-Chef tritt überraschend zurück

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Frankfurt/Rüsselsheim/BerlinEigentlich sollte Karl-Friedrich Stracke heute auf der Branchenkonferenz Automobile des „Handelsblatts“ in München über die Zukunft von Opel sprechen. Doch der Opel-Chef kam nicht - und schickte Entwicklungschefin Rita Forst. Mittlerweile ist klar, warum: Der Opel-Chef ist überraschend von seiner Position als Opel-Vorstandsvorsitzender und Präsident von General Motors Europe zurückgetreten. Das teilte die Adam Opel AG am Donnerstag ohne Angabe von Gründen mit. Das Führungschaos bei Opel ist damit perfekt.

„Ich verlasse diese Position im Wissen, dass Opel/Vauxhall in eine gute Zukunft steuert - und freue mich, für GM andere Aufgaben zu übernehmen“, wurde Stracke in einer knappen Mitteilung des Unternehmens zitiert. GM-Vize Stephen Girsky, der auch dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt, wird die Geschäfte von GM in Europa kommissarisch leiten. Girsky ist der fünfte Manager innerhalb der vergangenen zehn Jahre, der Opel führt.

Das jahrelange Ringen von Opel

2001

Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten „Restrukturierungsprogramm Olympia“ die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.

2004

GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht - davon bis zu 10.000 in Deutschland. Die Arbeiter im Bochumer Werk legen aus Protest spontan die Arbeit nieder.

2005

Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen „Zukunftsvertrag“, der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.

2008

Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.

2009

Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.

2010

Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48.000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.

2011

Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.

2012

Während GM in Nordamerika einen Rekordgewinn einfährt, verbucht der Konzern in Europa einen Verlust von mehreren hundert Millionen Euro. Das Europageschäft besteht überwiegend aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.

Gründe für den überraschenden Chefwechsel nannte das Unternehmen nicht. Stracke (56), der auch den Posten als Präsident von GM Europe abgab, werde Sonderaufgaben für den Autokonzern übernehmen. Worum es dabei genau geht, blieb offen. Stracke soll künftig direkt an GM-Chef Dan Akerson berichten. Stracke war erst im Januar 2012 zum Präsidenten des GM-Europageschäfts ernannt worden.

Der Verkauf des Autoherstellers ist laut einem Medienbericht seit Jahresbeginn massiv zurückgegangen. Wie die "Bild-Zeitung" unter Berufung auf Firmenkreise berichtet, sank der Absatz im ersten Halbjahr 2012 um rund acht Prozent. Ein Grund sei die Krise in Südeuropa, die zu deutlichen Verkaufseinbußen geführt habe. Das Management der Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) habe auch angesichts dieser Zahlen nicht mehr daran geglaubt, mit Karl-Friedrich Stracke an der Opel-Spitze die Wende zu schaffen, zitierte die Zeitung mit den Vorgängen vertraute Personen.

„Die Arbeitnehmervertreter erwarten nun, dass schnellstmöglich ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, der die Adam Opel AG führt“, ließ Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug mitteilen. Opel-Strategiechef Thomas Sedran hat laut der „Allgemeinen Zeitung Mainz“ die besten Chancen, neuer Vorstandsvorsitzender zu werden. Der 47-Jährige werde vom GM-Management geschätzt, hieß es laut Zeitung in Unternehmenskreisen. Der Manager ist im Opel-Vorstand derzeit für den Bereich Strategie zuständig.

Ebenfalls unter Berufung auf Firmenkreise berichtet die "Bild-Zeitung" unterdessen von zwei Favoriten. Danach gelte neben Thomas Sedran auch der amtierende Opel-Produktionsvorstand Peter Thom als Kandidat für den Chefsessel. Über die Nachfolge könnte bereits zügig entscheiden werden.

Mit Girskys Benennung zum Präsidenten von GM Europe zeige der Autoriese laut Betriebsrat Schäfer-Klug, „dass das Europageschäft ein Eckpfeiler des Konzerns ist“. Es gelte nun, den Sanierungskurs bei Opel „im gegenseitigen Vertrauen fortzusetzen“, erklärte Schäfer-Klug.

Kommentare (13)

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Opelaner

12.07.2012, 16:56 Uhr

Rolf Dobelli würde vermutlich sagen: Dem Sunk Cost Fallacy auf dem Leim gegangen. Dieser Effekt wird auch Concorde- Effekt bezeichnet. Der führte nicht nur zu kostpieligen, sondern auch zu verheerenden Fehleinschätzungen und Entscheidungen.
Ich fürchte, dass dem auch bei Opel so ist und mal einer konsequent handelt, weil Opel nicht mehr geholfen werden kann.

Account gelöscht!

12.07.2012, 17:11 Uhr

Wie schlecht kann man einen Konzern eigentlich noch führen? Wenn man denk es kann gar nicht mehr schlechter werden, da setzt GM und Opel noch einen drauf. Ich würde sagen ungenügend setzen. Opel soll sich bloß von den unfähigen Amerikanern loseisen, neu anfangen und das vor allem mit DEUTSCHEN Know-how!

Account gelöscht!

12.07.2012, 17:45 Uhr

Solche Rücktritte komme immer dann,
wenn die Kommenden Einschnitte massiver ausfallen als vorher angekündigt und als sich jeder einzelne Opel- Mitarbeiter erhoffte .
Aber ganz überraschend kommt selbst ein ,zwei oder drei Standortschließungen nicht !
Jeder konnte sich darauf vorbereiten ,freilich beißen den letzten die Hunde !!!

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