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30.06.2011

13:36 Uhr

Fürstenreich

Die Monaco AG

VonHolger Alich, Tino Andresen

Fürst Rainier III. hat den Stadtstaat am Mittelmeer nach eigener Aussage zu einer Geldpumpe gemacht. Unter Sohn Albert verliert die Expansion der Monaco AG an Tempo. Die Hochzeit des Fürsten soll neuen Schwung bringen. Umso gereizter reagiert der Palast daher auf die Gerüchte, dass die Braut vor der Hochzeit das Weite suchen wollte.

Autorennen wie der Formel-1-Grand-Prix sind wichtiger Bestandteil von Monacos Geschäftsmodell Quelle: Reuters

Autorennen wie der Formel-1-Grand-Prix sind wichtiger Bestandteil von Monacos Geschäftsmodell

Paris/DüsseldorfAuf den ersten Blick herrscht Fürst Albert II. über ein kleines Reich: Monaco ist mit 2,02 Quadratkilometern nicht einmal halb so groß wie der Englische Garten in München und damit nach dem Vatikan der zweitkleinste Staat der Welt.

Doch es wäre vorschnell, das Staatsoberhaupt deshalb zu unterschätzen. Denn Albert übernahm von seinem Vater, dem Fürsten Rainier III., nach dessen Tod im Jahr 2005 die Position, die Rainier als die des „Aufsichtsratschefs der Monaco AG“ definierte. Also die eines Familienkonzerns, der im vergangenen Jahr (ohne Banken und Finanzdienstleister) einen Umsatz von 12,1 Milliarden Euro erwirtschaftete. Das Fürstentum dürfte der einzige Staat der Erde sein, der neben dem Bruttoinlandsprodukt auch Umsatzzahlen ausweist  - und Quartalsberichte veröffentlicht, wie ein börsennotiertes Unternehmen.

Doch auch das Fürstentum hat die Krise gespürt: Das den 39 Banken und Vermögensverwaltern anvertraute Geldvolumen stagniert, und die Tourismus-Aktivität – dem mit Abstand wichtigsten Wirtschaftszweig - hat auch noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht. Der Stadtstaat hofft nun, dass die Wirtschaft durch die Hochzeit des Prinzen einen neuen Schub erlebt. Die Hotels jedenfalls sind fast alle ausgebucht.

Monaco in Zahlen

Fläche des Staates

Der Staat Monaco ist 2,02 Quadratkilometer groß und damit nach dem Vatikan das zweitkleinste Land der Welt.

Länge der Rennstrecke

Die Rennstrecke des Formel-1-Grand-Prix von Monaco ist 3,340 Kilometer lang. Insgesamt drehen die Fahrer 78 Runden.

Touristen

Im Jahr zieht es etwa 265.000 Reisende in den kleinen Staat - vorwiegend Franzosen, Italiener und Briten. Das macht pro Einwohner etwa 7 Touristen.

Stadtbezirke

Monaco hat 10 Stadtbezirke - Quartiers genannt. Dazu gehören Moncao-Ville (Fürstensitz), Monte-Carlo (Spielcasino), La Condamine (Hafen) und Fontvieille (Neuland, Industrie).

Durchschnittstemperatur

Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 16 Grad. Dabei herrscht in Monaco Mittelmeerklima mit warmen Sommern und milden Wintern.

Nationalfeiertage

Am 25. Januar wird in Monaco das Fest der Heiligen Devota gefeiert, der Schutzpatronin von Monaco. Auch ist der 19. November, der Namenstag von Fürst Rainier III., ein nationaler Feiertag.

Wirtschaft

Mit 39 Prozent stellen Tourismus und Handel größten Wirtschaftszweig in Monaco. Darauf folgen Banken- und Finanz-Sektor mit 15 Prozent.

Lebenserwartung

Ein Monegasse wird durchschnittlich 89,7 Jahre alt.

Palastgarde

Die Palastgarde zählt 113 Männer. Damit ist etwa jeder 290. Monegasse Teil der Garde.

Sicherheit

Monaco hat die geringste Kriminalitätsrate der Welt. Dafür werden 500 Überwachungskameras und ebenso viele Sicherheitsleute eingesetzt.

Grimaldis

1297 fand die Besitzergreifung von Monaco durch die Grimaldis statt.

Einwohner

Monaco hat 36.000 Einwohner. Davon sind etwa 8000 echte Monegassen. Auch 900 Deutsche leben dort.

Bruttoinlandsprodukt

Das BIP liegt in Monaco pro Kopf bei 54.500 Euro. Damit ist es fast doppelt so hoch wie das deutsche.

Immobilien

Der Preis der teuersten Immobilie lag 2011 bei 69.700 US-Dollar pro Quadratmeter.

Staatseinnahmen

Die Staatseinnahmen von Monaco lagen zuletzt bei 744 Millionen Euro. In dem kleinen Staat gibt es weder Einkommens- noch Erbschaftssteuer.

Monaco will sich dieses PR-Event nicht kaputt machen lassen. Empfindlich reagierte der Fürst daher auf eine Meldung der Webseite des Magazins „L’Express“. Demnach soll Alberts Braut Charlene Wittstock vor wenigen Tagen versucht haben, sich in ihre Heimat Südafrika abzusetzen und die Hochzeit platzen zu lassen. Prompt folgte ein wütendes Dementi des Anwalts von Prinz Albert. Das Dementi lief gerade über die Ticker, da zeigten sich Albert und Charlene in Monaco in der Öffentlichkeit, als sie die Vorbereitungen des Konzertes von Jean-Michel Jarre besuchten. Mit solchen Bildern will der Fürst die Gerüchte entkräften.

Der Chef

In seiner Heimat ist Albert einfach nur der „Patron“. So werden auch die Chefs von Familienbetrieben genannt. Monaco ist einer mit mehr als 700 Jahre langer Tradition – und dubiosen Ursprüngen: Die aus Genua stammende und seit 1297 herrschende Grimaldi-Dynastie begründete ihr Vermögen als Raubritter und Piraten. Seinen Aufstieg verdankt der Stadtstaat und Familienkonzern Rainier, der 56 Jahre lang regierte. Er und sein Sohn Albert haben das Mittelmeer beraubt, ihm 40 Hektar abgerungen und die Fläche des Landes damit um ein Viertel gesteigert. So ist das Viertel Fontvieille, in dem das Herz von Monacos Wirtschaft schlägt, fast vollständig dem Meer abgetrotzt.

Als der in den Vereinigten Staaten zum Politologen ausgebildete Albert, der auch eine Banklehre absolviert und in einer Anwaltskanzlei sowie im Management des Champagnerherstellers Moët Hennessy gearbeitet hat, von seinem Vater übernahm, galt er als ewiger Junggeselle. Doch dem heute 53-Jährigen war schon damals klar, wie wichtig die Unternehmensnachfolge ist. Er kündigte an: „Seien Sie versichert, ich werde heiraten und eine Familie gründen.“

Den ersten Schritt macht er nun, indem er Charlene Wittstock an diesem Freitag standesamtlich und am Samstag kirchlich heiratet. „Aus Sicht der Monarchisten ist es Alberts wichtigste Aufgabe für Nachwuchs  zu sorgen“, sagt der Monaco-Kenner und Autor Thomas Veszelits (Die Monaco AG. Wie die Grimaldis ihr Fürstentum vergolden).

Kommentare (1)

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aruba

30.06.2011, 18:04 Uhr

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