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07.09.2012

17:47 Uhr

Fusion der Rohstoff-Riesen

Glencore-Chef will Xstrata-Aktionäre besänftigen

Die Milliarden-Übernahme des Bergbauriesen Xstrata durch den weltgrößten Rohstoffhändler Glencore stand vor dem Scheitern. Der Glencore-Chef bessert nun überraschend sein Angebot auf. Ob der Aufschlag reicht, ist offen.

Der Chef des Rohstoffhändlers Glencore, Ivan Glasenberg, will die Fusion mit dem Bergbauriesen Xstrata vorantreiben. dpa

Der Chef des Rohstoffhändlers Glencore, Ivan Glasenberg, will die Fusion mit dem Bergbauriesen Xstrata vorantreiben.

Zürich/DüsseldorfIn praktisch letzter Minute hat der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore sein Übernahmeangebot für den schweizerisch-britischen Bergbaukonzern Xstrata aufgestockt. Glencore bietet nun 3,05 eigene Aktien je Xstrata-Papier, wie Xstrata mitteilte. Bislang hatte der Rohstoffhändler 2,8 Anteilsscheine geboten, das entspricht einem Aufschlag um neune Prozent auf rund 35 Milliarden US-Dollar. Offen war zunächst, ob Glencore mit seiner höheren Offerte die bisher skeptischen Xstrata-Großaktionäre überzeugen kann.

Allen voran hatte das Emirat Katar die bisherige Offerte als zu niedrig zurückgewiesen und angekündigt, die Übernahme bei der Hauptversammlung zu blockieren. Glencore weigerte sich lange, das Angebot vom Februar aufzustocken. Erst am Freitagvormittag wurden die für diesen Tag geplanten Aktionärsversammlungen beider Konzerne wegen der neuen Entwicklungen verschoben. Viele Beobachter hatten bereits mit einem Scheitern des Zusammenschlusses gerechnet.

Die Geschichte von Glencore

Gründung

Marc Rich wurde 1934 als Marcell David Reich in Antwerpen geboren. 1974 gründete Rich im schweizerischen Zug seine Firma „Rich & Co.“, aus der später der Rohstoffriese Glencore hervorgeht. Das Rohstoffunternehmen konzentriert sich zunächst auf den Handel mit Eisen, Nicht-Eisen-Metallen und Erdöl.

Anklage in den USA

Im Jahr 1983 wurde Marc Rich in den USA wegen Steuerhinterziehung, Falschaussage und Handel mit dem Iran angeklagt. Zu einem Prozess kam es allerdings nicht, weil Rich bereits vor der Anklageerhebung auf seine amerikanische Staatsbürgerschaft verzichtete und sich in Spanien einbürgern ließ.

Umstrittene Öllieferungen an Südafrika

Indem Rich - trotz eines internationalen Embargos - das südafrikanische Apartheid-Regime zwischen 1979 und 1993 mit mehr als 400 Milliarden Barrel Öl belieferte, hielt er es an der Macht. Der Profit für Richs Firmen wird auf zwei Milliarden Dollar geschätzt.

Ausscheiden des Firmengründers

Mit der Zeit war Rich als Firmenchef untragbar geworden. Er stand unter anderem jahrelang auf der Liste der „Most Wanted“ des FBI. 1993 verkaufte Rich den Großteil der Firma an seine Manager und wurde damit indirekt aus dem Unternehmen gedrängt.

Umbenennung

1994 wurde die Firma vom neuen Management umbenannt. Seit dem firmiert der Rohstoffhändler unter dem Namen Glencore (Global Energy Commodity and Resources).

Neue Geschäftsfelder

Bereits 1982 war das Unternehmen in die Agrarwirtschaft eingestiegen. Nach und nach wurden die Geschäftsfelder durch Akquisitionen in Produktion, Verarbeitung und Handel mit Aluminium, Aluminiomoxid, Bauxit, Eisenlegierungen, Nickel, Zink, Kupfer, Blei, Kohle, Öl und Agrarprodukten ausgeweitet.

Besitzverhältnisse 1993 - 2011

Seit dem Ausscheiden von Marc Rich befand sich das Unternehmen im Besitz des Managements. Die zwölf Personen der obersten Führungsetage waren zugleich die größten Anteilseigner.

Börsengang

Im Mai 2011 fand der IPO von Glencore statt. Der Börsengang in London und Hongkong brachte dem Unternehmen bis zu zwölf Milliarden Dollar ein. Damit war der IPO der größte Börsengang des Jahres 2011 sowie der größte Börsengang der London Stock Exchange aller Zeiten.

Beteiligungen

Glencore hält unter anderem Anteile an dem australischen Bergbaukonzern Minara Resources (Nickel) und Century Aluminium aus den USA. Auch an Xstrata hielt Glencore jahrelang 34,5 Prozent. Seit 2007 ist Glencore auch mit dem russischen Aluminium-Konzern Rusal verwoben.

Im Gegenzug für das höhere Angebot will Glencore die komplette Macht über Xstrata. Der Konzern änderte den Status des Geschäfts. Aus der bislang offiziell als „Zusammenschluss unter Gleichen“ bezeichneten Transaktion soll nun auch formal eine Übernahme werden. Zudem reklamiert Glencore-Chef Ivan Glasenberg die Führungsposition für sich. Bislang war diese Rolle für Xstrata-Chef Mick Davis vorgesehen.

Xstrata betonte in der Mitteilung, dass es sich noch nicht um eine festes Angebot handele. Es könne noch Änderungen geben. Zudem müsse der Xstrata-Verwaltungsrat noch darüber entscheiden. Danach solle ein neuer Termin für die Hauptversammlung gefunden werden.

Xstrata zeigte sich von dem neuen Angebot wenig begeistert. Die Nachbesserung reiche bei weitem nicht aus, schrieben die unabhängigen Aufsichtsräte an Glencore. Zudem sei man mit der Absetzung von Xstrata-Chef Mick Davis nicht einverstanden. Außerdem fehlten bei der Offerte noch wichtige Informationen. Sobald diese vorlägen, werde man die Vorteile des Gebots prüfen.

Fusion von Glencore und Xstrata: Golfstaat Katar will den Preis nach oben treiben

Fusion von Glencore und Xstrata

Katar will den Preis nach oben treiben

Der Xstrata-Großaktionär Katar findet den Kaufpreis von 30 Milliarden Dollar zu gering.

Die Aktionäre beider Unternehmen waren bereits zu den entscheidenden Treffen zusammengekommen, um über die alte Offerte zu entscheiden. Sie wurden kurz nach dem Beginn unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt. Nun soll ein neuer Termin gefunden werden, an dem die Aktionäre über das neue Angebot entscheiden können. „Wir konnten Ihnen leider keine Vorwarnung geben“, sagte Glencore-Verwaltungsratschef Simon Murray. „Ich bitte um Entschuldigung, dass wir Sie hier unter nahezu falschen Vorzeichen haben zusammenkommen lassen.“

Um die Übernahme zu blockieren, benötigen die Gegner bei der Xstrata-Hauptversammlung gerade einmal 16,48 Prozent der Stimmen. Glencore selbst hält bereits 34 Prozent der Xstrata-Aktien, darf aber nach dem maßgeblichen britischen Recht bei der Übernahme nicht mitstimmen.

Die wichtigsten Eisenerz-Lieferanten

Rang 10

Iran

Den zehnten Platz der Top-10 Eisenerz-Nationen erreicht der Iran. Das Land Produzierte 2011 rund 30 Millionen Tonnen.

Rang 9

Kanada

Der nördliche Nachbar der USA landet auf Platz neun der größten Eisenerz-Produzenten. 37 Millionen Tonnen kamen aus den Gruben des Landes.

Rang 8

USA

Die USA produzierten 54 Millionen Tonnen Eisenerz. Die Fördermenge stieg in den vergangenen drei Jahren leicht an.

Rang 7

Südafrika

Südafrika produzierte 2011 55 Millionen Tonnen Eisenerz. In den Vorjahren pendelte das Volumen ebenfalls um diese Marke.

Rang 6

Ukraine

Mit 80 Millionen Tonnen landet die Ukraine auf dem sechsten Platz der Eisenerz-Nationen.

Rang 5

Russland

Auf dem fünften Platz der größten Eisenerz-Förderer landet Russland. Im Jahr 2011 holte das Land 100 Millionen Tonnen des Rohstoffs aus der Erde.

Rang 4

Indien

Indien erreicht bei der Eisenerz-Produktion den vierten Platz. 240 Millionen Tonnen förderte das Land im Jahr 2011. Während andere Länder Zuwächse verbuchten, stagnierte die indische Produktion in den vergangenen drei Jahren weitgehend.

Rang 3

Brasilien

Die größte Eisenerz-Lagerstätte der Welt liegt im Urwald Brasiliens. Das Land rangiert bei der Rohstoff-Produktion aber nur auf Platz drei mit 390 Millionen Tonnen.

Rang 2

Australien

Die Nummer zwei unter den Eisenerz-Exporteuren ist Australien. Der Kontinent produzierte 480 Millionen Tonnen.

Rang 1

China

Der größte Eisenerz-Produzent der Welt ist China. Im Jahr 2011 förderte das Reich der Mitte rund 1200 Millionen Tonnen des Grundstoffs für die Stahlproduktion. Zugleich ist China auch einer der größten Importeure von Eisenerz.

Quelle: US Geological Survey

Das neue Angebot kam völlig überraschend. Denn Glencore-Chef Ivan Glasenberg weigerte sich bisher hartnäckig, die Offerte aufzustocken. Das auf den Tisch gelegte Angebot sei „fair und angemessen“ gewesen. „Ich werde meine Aktionäre nicht verärgern, indem ich zu viel bezahle“, sagte Glasenberg noch bei der Vorlage der Geschäftszahlen im August. Zudem hatte er klar gemacht, dass ein Scheitern der Fusion „nicht das Ende der Welt“ sei.  

Katar hatte seinen Anteil an Xstrata in den vergangenen Monaten schrittweise von drei auf zwölf Prozent erhöht. Der Staatsfonds der Golf-Nation hat in den vergangenen Monaten etwa sechs Milliarden Dollar ausgegeben, um sein Aktienpaket aufzubauen. Katar hatte zuletzt 3,25 Aktien pro Xstrata-Anteilsschein gefordert.

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