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21.08.2012

13:11 Uhr

Fusion der Rohstoff-Riesen

Glencore erhöht den Einsatz im Poker um Xstrata

Der berühmt-berüchtigte Grundgüter-Händler Glencore bekommt die Konjunkturflaute zu spüren. Der Gewinn sinkt. Zudem wird der Kauf des Minenkonzerns Xstrata von Katar torpediert. Der Glencore-Chef setzt zum Pokerspiel an.

Die Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata durch Glencore ist in Gefahr. Reuters

Die Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata durch Glencore ist in Gefahr.

Zug/DüsseldorfDer weltgrößte Rohstoff-Händler Glencore hat im milliardenschweren Übernahme-Poker um den Bergbaukonzern Xstrata einen Warnschuss in Richtung Katar abgegeben. Der Zusammenschluss mit Xstrata sei für Glencore nicht zwingend erforderlich, betont Konzernchef Ivan Glasenberg bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Den Preis-Nachforderungen des zweitgrößten Xstrata-Anteilseigners Katar erteilte er eine Absage: Der geforderte Aufschlag sei nicht nachvollziehbar.

Damit stehen hinter der vollständigen Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata für 30 Milliarden Dollar immer mehr Fragezeichen. Die von beiden Unternehmen angestrebte Mega-Fusion war auf Eis gelegt worden, nachdem der Golfstaat Katar als Xstrata-Großaktionär im Juli einen deutlich höheren Preis für die Übernahme forderte. Die staatseigene Qatar Holding sowie einige anderen Aktionäre bezeichneten das Angebot von 2,8 Glencore-Aktien für jeden Xstrata-Anteilsschein als zu gering und verlangten dafür jeweils 3,25 Aktien.

Die Geschichte von Glencore

Gründung

Marc Rich wurde 1934 als Marcell David Reich in Antwerpen geboren. 1974 gründete Rich im schweizerischen Zug seine Firma „Rich & Co.“, aus der später der Rohstoffriese Glencore hervorgeht. Das Rohstoffunternehmen konzentriert sich zunächst auf den Handel mit Eisen, Nicht-Eisen-Metallen und Erdöl.

Anklage in den USA

Im Jahr 1983 wurde Marc Rich in den USA wegen Steuerhinterziehung, Falschaussage und Handel mit dem Iran angeklagt. Zu einem Prozess kam es allerdings nicht, weil Rich bereits vor der Anklageerhebung auf seine amerikanische Staatsbürgerschaft verzichtete und sich in Spanien einbürgern ließ.

Umstrittene Öllieferungen an Südafrika

Indem Rich - trotz eines internationalen Embargos - das südafrikanische Apartheid-Regime zwischen 1979 und 1993 mit mehr als 400 Milliarden Barrel Öl belieferte, hielt er es an der Macht. Der Profit für Richs Firmen wird auf zwei Milliarden Dollar geschätzt.

Ausscheiden des Firmengründers

Mit der Zeit war Rich als Firmenchef untragbar geworden. Er stand unter anderem jahrelang auf der Liste der „Most Wanted“ des FBI. 1993 verkaufte Rich den Großteil der Firma an seine Manager und wurde damit indirekt aus dem Unternehmen gedrängt.

Umbenennung

1994 wurde die Firma vom neuen Management umbenannt. Seit dem firmiert der Rohstoffhändler unter dem Namen Glencore (Global Energy Commodity and Resources).

Neue Geschäftsfelder

Bereits 1982 war das Unternehmen in die Agrarwirtschaft eingestiegen. Nach und nach wurden die Geschäftsfelder durch Akquisitionen in Produktion, Verarbeitung und Handel mit Aluminium, Aluminiomoxid, Bauxit, Eisenlegierungen, Nickel, Zink, Kupfer, Blei, Kohle, Öl und Agrarprodukten ausgeweitet.

Besitzverhältnisse 1993 - 2011

Seit dem Ausscheiden von Marc Rich befand sich das Unternehmen im Besitz des Managements. Die zwölf Personen der obersten Führungsetage waren zugleich die größten Anteilseigner.

Börsengang

Im Mai 2011 fand der IPO von Glencore statt. Der Börsengang in London und Hongkong brachte dem Unternehmen bis zu zwölf Milliarden Dollar ein. Damit war der IPO der größte Börsengang des Jahres 2011 sowie der größte Börsengang der London Stock Exchange aller Zeiten.

Beteiligungen

Glencore hält unter anderem Anteile an dem australischen Bergbaukonzern Minara Resources (Nickel) und Century Aluminium aus den USA. Auch an Xstrata hielt Glencore jahrelang 34,5 Prozent. Seit 2007 ist Glencore auch mit dem russischen Aluminium-Konzern Rusal verwoben.

Seine Offerte für Xstrata will Glencore-Chef Ivan Glasenberg nicht aufhübschen. Das auf dem Tisch liegende Angebot sei „fair und angemessen“. „Ich werde meine Aktionäre nicht verärgern, indem ich zu viel bezahle“, sagt Glasenberg.

Er könne abwarten und sei auch in ein oder zwei Jahren zu erneuten Gesprächen mit dem arabischen Staatsfonds bereit. Glencore hält bereits seit längerer Zeit mehr als 34 Prozent an Xstrata. Ein Abbruch der Übernahmepläne sei „nicht das Ende der Welt“, meint der Glencore-Chef.

Ein Scheitern oder zumindest ein Aufschieben der Mega-Fusion erscheint damit zunehmend wahrscheinlich. „Glencore hat bislang felsenfest darauf beharrt, dass die Kaufkonditionen großzügig sind. Zudem hat der Konzern andere Wachstumsmöglichkeiten“, erläutert Myles Allsop, Analyst der UBS in London. Er rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent, dass die Xstrata-Aktionäre die Offerte ablehnen.

„Glasenberg pokert hoch“, kommentiert Rupert Nathan, Chef der britischen Fondsgesellschaft Fat Prophets. „So wie die Besitzverhältnisse aufgestockt wurden, wird Glencore entweder das Angebot versüßen oder ganz von der Komplett-Übernahme ablassen.“ Die Staatsholding von Katar hatte ihren Anteil an Xstrata zuletzt auf rund zwölf Prozent aufgestockt. Im Februar hatte der Anteil noch rund drei Prozent betragen.

Wegen der trüben Aussichten wird das Gerangel um die Fusion der beiden Branchenriesen zu einem Mega-Konzern mit größter Aufmerksamkeit beobachtet. Der Gesamtkonzern würde bei einem Jahresumsatz von fast 210 Milliarden Dollar die gesamte Kette der Wertschöpfung von der Rohstoffförderung bis zur weltweiten Vermarktung umfassen.

Der Zusammenschluss von Glencore und Xstrata

Mega-Fusion in der Rohstoffbranche

Bei einer Fusion des Rohstoffhändlers Glencore und des Bergbauunternehmens Xstrata entstünde ein Mega-Konzern, der vom Abbau von Industriemetallen und Brennstoffen bis hin zum Handel und Verkauf an den Endkunden alle Wertschöpfungsstufen abdeckt.

Glencore

Das 1974 vom Schweizer Rohstoffhändler Marc Rich gegründete Unternehmen Glencore (Global Energy Commodity and Resources) gilt als weltgrößter Rohstoffhändler. Es handelt mit Metallen und Mineralien wie Aluminium, Zink, Kupfer, Nickel, Kobalt und Eisenerz, aber auch mit Rohöl, Kohle und Koks. Drittes Standbein ist der Verkauf von Agrarprodukten wie Weizen, Gerste, Zucker, Mais und Speiseöl. Glencore beschäftigt mehr als 58.000 Menschen über 30 Ländern. An Xstrata hält das Unternehmen bereits rund 34 Prozent.

Xstrata

Die Wurzeln des weltweit tätigen Schweizer Bergbauunternehmens reichen bis ins Jahr 1926 zurück, als die Firma unter dem Namen Südelektra AG gegründet wurde. 1999 benannte sich das Unternehmen in Xstrata um und operiert inzwischen mit mehr als 70.000 Mitarbeitern in über 20 Ländern. Im Mittelpunkt stehen der Abbau von Kohle, Kupfer, Nickel und Zink sowie Legierungen für die Stahlindustrie und Technologien für den Bergbau. Der Umsatz lag 2011 bei rund 33,9 Milliarden US-Dollar.

Die Xstrata-Aktionäre sollen nun am 7. September über das Glencore-Angebot entscheiden. Sinkende Rohstoffpreise und hohe Investitionen machen wie anderen Minenbetreibern auch dem schweizerisch-britischen Bergbaukonzern zu schaffen. Xstrata ist einer der weltweit größten Produzenten von Kraftwerkskohle und Kupfer. Der Überschuss von Xstrata war im ersten Halbjahr um ein Drittel auf 1,9 Milliarden US-Dollar zurück gegangen.

Zugleich warb der Konzernchef Glasenberg aber auch für das Zustandekommen der bislang größten Fusion der Branche. Die Entwicklung an den Rohstoffmärkten habe das Gebot für Xstrata noch attraktiver werden lassen. Allerdings gelte für das 30-Milliarden-Dollar Geschäft nicht „jetzt oder nie“. Ein Zusammenschluss sei auch in Zukunft noch interessant.

Sollte Katar die Fusion von Glencore und Xstrata am Ende doch kippen, will Glasenberg „weitermachen“. „Ich verstehe nicht ganz die Gründe und die Logik hinter der Aktion von Katar, denn Katar war zuvor kein großer Anteilseigner von Xstrata“, sagt Glasenberg.

Kommentare (1)

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vandale

21.08.2012, 13:35 Uhr

Glencore hat als Hauptaktionär von Xstrata die übrigen Aktionären in der Vergangenheit nicht bevorteilt. Man denke an die Kapitalerhöhung von 09 als Glencore sehr vorteilhafte Regeln zu seinen Gunsten vereinbart hat.

Die jetzige Fusion ist gleichfalls zu Lasten der Xstrata Aktionäre konzipiert. Man hat dem Xstrata Management üppige Prämien im Uebernahmefall versprochen. Man spielt mit Terminen. Das HJ Ergebnis von Xstrata wurde, so meine Vermutung, bewusst tief ausgewiesen dass Glencore Ergebnis bewusst hoch.

Eine endgültige Trennung der Xstrata von Glencore wäre im Sinne der Aktionäre wünschenswert und vorteilhafter als ein Zusammenschluss mit einem von 2,8 auf 3,2 angehobenen Umtauschverhältnis.

Man kann hoffen das Katar die Nerven behält und Glencore auflaufen lässt.

Vandale

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