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01.03.2006

17:17 Uhr

Fusion

Italien wird bei EU wegen Suez vorstellig

Die italienische Regierung interveniert bei der EU-Kommission gegen die von der französischen Regierung initiierte Fusion der Energieversorger Gaz de France (GDF) und Suez. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti reiste gestern nach Brüssel, um sich mit EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes zu treffen.

ali/juf/HB BRÜSSEL/PARIS. Das teilte eine Sprecherin der Kommission mit. Heute ist ein Treffen zwischen Tremonti und Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy geplant.

Die italienische Regierung fordert eine Intervention der EU-Kommission bei der Fusion der beiden französischen Unternehmen und wirft Frankreich die Verfolgung protektionistischer Ziele vor. Hintergrund ist das Interesse des italienischen Stromkonzerns Enel an einer Übernahme von Suez. Am Wochenende hatte der französische Premierminister Dominique de Villepin überraschend die Fusion von GDF und Suez zu einem neuen Schwergewicht auf dem Energiemarkt angekündigt, so dass Enel das Nachsehen hatte.

Der Vorstandschef von Gaz de France, Jean-Francois Cirelli, wies die Vorwürfe aus Italien gestern in Paris zurück. Die Fusion sei nicht gegen Enel gerichtet, Suez und Gaz de France hätten vielmehr schon seit drei Monaten miteinander verhandelt. Er räumte aber ein, dass der Abschluss dadurch beschleunigt worden sei, dass Enel öffentlich Interesse bekundet habe.

Suez-Chef Gerard Mestrallet sagte, ein Zusammenschluss mit Gaz de France sei sinnvoller als der mit Enel, weil Enel den Umsatz überwiegend in Italien erwirtschafte. „Der Zusammenschluss mit Gaz de France ist ein langfristig industrielles Projekt, dem sich der Staat angeschlossen hat“, sagte Mestrallet, „vor diesem Hintergrund macht uns der Staatsanteil am Kapital keine Sorgen.“ Nach seinen Angaben wird Frankreich knapp 35 Prozent der Anteile halten. Mestrallet selbst wird Chef des neuen Unternehmens, er will es „im Tandem“ mit Cirelli führen, konkretisierte die künftige Struktur aber nicht. Beide Manager stellten klar, dass das Wassergeschäft auch nach der Fusion beibehalten werde. Analysten hatten spekuliert, der neue Konzern könnte sich komplett auf das Energiegeschäft konzentrieren.

Die von der französischen Regierung unterstützte Fusion ist allerdings auch in Frankreich umstritten. Henri de Castries, Chef des französischen Versicherers Axa, fürchtet, dass die politisch motivierte Fusion langfristig den Interessen der französischen Wirtschaft schadet. Die Weigerung der Regierung, ausländischen Unternehmen die Übernahme französischer Großkonzerne wie Suez zu genehmigen, „wird eines Tages auf französische Unternehmen zurückschlagen, die grenzüberschreitend agieren“, sagte de Castries bei der Vorstellung der Jahresergebnisse der Versicherung. Es bestehe die Gefahr, dass sich ein kurzfristiger taktischer Vorteil langfristig in ein Problem verwandele. „Man kann nicht für einen europäischen Binnenmarkt sein und gleichzeitig gegen grenzüberschreitende Fusionen eintreten.“

Die Enel-Führung wird vermutlich heute über das weitere Vorgehen im Fall Suez diskutieren. Enel werde die Optionen prüfen, heißt es in Unternehmenskreisen. Der Versorger werde an seinem Interesse festhalten, wenn Aussicht bestehe, dass die EU-Kommission die Transaktion noch kippen könnte.

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