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26.01.2010

11:57 Uhr

Fusion MAN/Rheinmetall

Der Wunsch nach dem deutschen Rüstungsriesen

VonMarkus Fasse und Martin Murphy

Seit 20 Jahren reden Deutschlands Rüstungskonzerne über Fusionen. Nun paktiert Rheinmetall mit MAN und liegt vorn. Konkurrent Kraus-Maffei Wegmann gibt sich unbeeindruckt. Dabei kennt der Weltmarkt vor allem einen Erfolgsfaktor: Größe.

Der Schützenpanzer "Puma" soll der neue Exportschlager der deutschen Panzerbauer Rheinmetall und KMW werden. Quelle: dpa

Der Schützenpanzer "Puma" soll der neue Exportschlager der deutschen Panzerbauer Rheinmetall und KMW werden.

MÜNCHEN/KASSEL. Ein bisschen mehr Komfort hätte man von einem Fahrzeug, das 7,7 Millionen Euro kostet, schon erwarten können. Fenster gibt es keine, die Außenwelt wird ausschließlich elektronisch überwacht. Drinnen ist es beklemmend eng, der Fahrersitz baumelt an einer Aufhängung unter der Decke. Und es ist laut, sehr laut. 95 Dezibel Motorenlärm donnern durch den 1,50 Meter hohen Innenraum, wenn der Puma Gas gibt.

Eine Fahrt im neusten Schützenpanzer der Bundeswehr klingt, als werde einem das Ohr gegen einen Lkw-Motor in voller Fahrt gepresst.

Für Peter Hellmeister ist dieser Lärmpegel ein großer Erfolg. „Wir haben den Lärm um 90 Prozent gesenkt. Sonst wäre es im Puma so laut wie in einer Diskothek.“

Als Geschäftsführer der PSM GmbH ist Hellmeister Chefmanager eines der größten deutschen Rüstungsprojekte nach 1945. 3,1 Milliarden Euro lässt sich die Bundesregierung 405 Kettenpanzer vom Typ Puma kosten. Ob auf dem Balkan oder in Afghanistan: Peter Hellmeister soll die Bundeswehr für die Krisen dieser Welt rüsten.

Für den Puma haben sich zwei Firmen zusammengetan, die einander sonst in herzlicher Abneigung verbunden sind – wie das eben so ist unter Konkurrenten in einem schwierigen Markt. Hellmeisters PSM ist ein 50:50-Joint-Venture von Rheinmetall und Kraus-Maffei Wegmann (KMW), den beiden Panzerbauern. Für den Puma üben sie sich seit 2002 in Symbiose – nicht zum ersten Mal zwar, auch bei anderen Projekten hatten sie sich bereits zusammengetan.

Doch schon seit Jahren ist klar: Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, müssten sich die beiden Konzerne endlich zusammentun. Synergien locken, die Konkurrenz aus den USA oder Großbritannien ist viel größer, und die Verhandlungsmacht mit den schwierigen Kunden, Regierungen von Berlin über Beijing bis Bangkok, stiege ebenfalls erheblich.

Aber aus der Hochzeit wird und wird nichts. Seit Jahren versucht Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt, die Münchener Konkurrenz zu übernehmen. Und seit Jahren hält KMW-Chef Frank Haun dagegen. Stolz spielt eine große Rolle, wohl aber auch persönliche Eitelkeiten.

Nun ist Klaus Eberhardt vorangegangen. Mitte Januar hat Rheinmetall mit dem Lkw-Hersteller MAN ein Gemeinschaftsunternehmen für Militärfahrzeuge gegründet – direkt vor der Haustür des Konkurrenten in München. Weich werde KMW dennoch nicht, lässt Frank Haun beteuern.

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