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20.09.2012

17:31 Uhr

Fusion von BAE/EADS

„Es sind noch viele Fragen offen“

Bis zum 10. Oktober soll die Entscheidung über die Fusion der Rüstungs- und Luftfahrtkonzerne EADS und BAE fallen. Doch in Berlin beklagen Parlamentarier, dass die Frist zu kurz gesetzt sei. Die Firmen sind ungeduldig.

Der A380 ist das Vorzeigeprodukt aus dem Hause EADS/Airbus. dpa

Der A380 ist das Vorzeigeprodukt aus dem Hause EADS/Airbus.

BerlinDer EADS-Konzern dringt auf eine baldige Entscheidung der Politik zu seinen Fusionsplänen mit der britischen BAE Systems. Wir setzen unsere konstruktiven Gespräche fort und hoffen, dass es zu einem raschen Einvernehmen kommt“, sagte ein EADS-Sprecher am Donnerstag. „Die Fakten liegen auf dem Tisch.“

In der Bundesregierung fehlt aber noch eine einheitliche Haltung zu dem Vorhaben. Es geht vor allem um sicherheits-, industrie- und beschäftigungspolitische Aspekte. Neben positiven Stimmen zu den ökonomischen Argumenten für die Fusion gibt es in der Koalition Vorbehalte. Auch der Deutsche Bundestag wird sich mit dem Thema befassen. In der nächsten Woche soll das Wirtschaftsministerium den Wirtschaftssausschuss zum Sachstand informieren, wie aus der Tagesordnung hervorgeht.

Die Vize-Fraktionschefin der Grünen, Kerstin Andreae, forderte wie zuvor schon ihr SPD-Kollege Hubertus Heil, Wirtschaftsminister Philipp Rösler müsse im Wirtschaftsausschuss des Parlaments Klarheit über die Position der Bundesregierung schaffen. „Es sind noch viele Fragen offen“, beklagte sie. Informationsbedarf sieht sie beispielweise bei der Frage, ob die bestehende Frist - bis zum 10. Oktober - ausreicht, um die vielschichtigen Aspekte der Fusion abzuklären.

Gegen wen EADS und BAE antreten

Umkämpfter Markt

Die Politik spielt immer eine große Rolle bei Rüstungsfirmen, schließlich ist sie nicht zuletzt der wichtigste Kunde. Das spiegelt sich auch in der Konkurrenzsituation der Konzerne wieder. Ein Überblick.

Boeing

Der Erzrivale von EADS und dessen Tochterfirma Airbus, momentan vor allem bei Verkehrsflugzeugen mit über 100 Sitzplätzen. Die beiden Konzerne sind führend auf dem Weltmarkt. Verkaufsschlager sind die Mittelstreckenflieger der Baureihen A320 und B737. Airbus hatte in den vergangenen Jahren die Nase vorn, doch Boeing konnte den Konkurrenten im ersten Halbjahr bei den Auslieferungen überholen.

Boeing

Boeing liefert gleichzeitig so etwas wie die Blaupause für die geplante Fusion der Europäer. Der Konzern hatte 1997 den heimischen Wettbewerber McDonnell-Douglas übernommen und damit sein militärisches Standbein ausgebaut. Im ersten Halbjahr steuerte das Rüstungs- und Sicherheitsgeschäft zusammen mit der Raumfahrt knapp die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Zu den Produkten gehören Kampfhubschrauber (AH-64 Apache), Kampfjets (F/A-18), Transportflugzeuge (C-17 Globemaster III) sowie unbemannte Drohen und Aufklärungsmaschinen (E-3 Awacs).

Boeing

Vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erwies sich die Rüstungssparte als wertvoll. Boeing profitierte von den steigenden Militärausgaben der USA und konnte damit die Bestelleinbrüche bei den Passagiermaschinen abfedern. Momentan sind Verkehrsjets die Renner, während das Rüstungs-Standbein mit Einschnitten in den Militärbudgets vieler Staaten klarkommen muss.

Lockheed Martin

Amerikas größter Rüstungskonzern. Das Unternehmen stellt die Kampfjets F-16, F-22 und F-35 her sowie die Transportflieger C-130J Super Hercules und die riesige C-5 Galaxy. Daneben baut Lockheed-Martin unter anderem gepanzerte Fahrzeuge, Raketen, Hubschrauber und Radaranlagen. Weitere Standbeine sind die Raumfahrt- sowie Informationstechnik.

Northrop Grumman

Hersteller von unbemannten Drohnen wie dem Global Hawk, von Radaranlagen, Steuersystemen oder Raketen. Bekanntestes Produkt ist der futuristisch aussehende Tarnkappenbomber B-2.

General Dynamics

Der Konzern baut unter anderem Kriegsschiffe und U-Boote, stellt Artilleriesystem und Munition her und steckt hinter dem US-Kampfpanzer Abrams. Ziviles Standbein sind die Gulfstream-Geschäftsflugzeuge.

Auch über die Frage des deutschen Staatseinflusses in einem fusionierten Unternehmen müsse gesprochen werden. Andreae forderte darüber hinaus die langfristige Sicherung der EADS-Arbeitsplätze in Deutschland, insbesondere im zivilen Flugzeugbau.

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