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22.01.2009

14:04 Uhr

Fusionsgerüchte

Fiat baggert weiter – „Das Bett ist groß“

VonKatharina Kort, Holger Alich

First we take Detroit, then we take Paris – frei nach dem Song des Musikers Leonard Cohen lässt sich so die derzeitige Strategie von Fiat beschreiben. Nach dem Einstieg bei Chrysler denkt der Autobauer angeblich noch über die Fusion mit einem französischen Wettbewerber nach. Einen starken Partner hat Fiat vielleicht auch nötig. Der Gewinn ist nämlich dramatisch eingebrochen.

Der italienische Autobauer Fiat zeigt sich fusionslüstern. Foto: ap. Quelle: ap

Der italienische Autobauer Fiat zeigt sich fusionslüstern. Foto: ap.

MAILAND/PARIS. Die Überraschungen beim italienischen Autokonzern reißen nicht ab. Nachdem das Unternehmen erst diese Woche bekannt gegeben hat, bei dem kriselnden US-Autokonzern Chrysler einzusteigen, machen nun die Gerüchte über eine mögliche Fusion mit der französischen PSA-Gruppe die Runde. Ein Grund für die Annahme waren Berichte, wonach Fiat derzeit auf verschiedenen Wegen Kapital in Milliardenhöhe besorgen will, sowohl in Form einer Kapitalerhöhung als auch in Form von Bankkrediten. Eine Kapitalerhöhung hat Fiat inzwischen dementiert.

Wobei der Autobauer frische liquide Mittel vielleicht gut gerbrauchen kann. Denn wegen der Absatzkrise im vierten Quartal 2008 muss Fiat einen Gewinnrückgang um 69,8 Prozent verkraften. Das Nettoergebnis sank in den letzten drei Monaten des Jahres auf 180 Millionen Euro im Vergleich zu 597 Millionen im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr verringerte sich der Gewinn um 16,2 Prozent auf 2,05 Milliarden Euro. Die Traditionsmarke hatte im vierten Quartal vor allem unter der Absatzkrise in Westeuropa und Südamerika zu leiden.

Und fürs laufende Jahr mit einem drastischen Nachfragerückgang. Weltweit werde der Absatz der eigenen Fahrzeuge um 20 Prozent einbrechen, teilte der Konzern mit. Eine besonders angespannte Lage erwarte man im ersten Quartal, hieß es weiter. Für die übrigen drei Quartale hofft Fiat auf Besserung, weil bis dahin die eingeleitete Restrukturierung greifen soll. Als Sofortmaßnahmen wird die Dividende eingeschränkt und der Aktienrückkauf vorerst gestoppt.

Nach der Mitteilung ging die Fiat-Aktie auf Talfahrt und wurde vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels notierte das Papier zeitweise mit 12,36 Prozent im Minus bei 3,90 Euro.

Die italienische Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ hatte vor Bekanntgabe der finsteren Nachrichten noch berichtet, dass Fiat mit verschiedenen Banken über Kreditlinien von insgesamt fünf Mrd. Euro verhandelt. Nach Angaben der Tageszeitung „La Repubblica“ sollte Fiat dagegen eine Kapitalerhöhung über zwei Mrd. Euro vorhaben. Angeblich sollte diese Kapitalerhöhung angesichts der schwierigen Börsenlage überproportional vom Hauptaktionär Ifi getragen werden, der die Interessen der Erben der Gründerfamilie Agnelli vertritt. Das Geld sollte laut „Repubblica“ dazu dienen, eine Fusion mit Peugeot zu ermöglichen.

Ein Sprecher von Fiat wollte sich zu den unterschiedlichen Berichten nicht äußern und verweist auf den Conference Call heute Nachmittag. Dort wird sich das Management um den Vorstandsvorsitzenden Sergio Marchionne den Fragen der Investoren und Journalisten stellen.

Aus dem Unternehmen ist bisher lediglich zu hören: „Das Bett ist groß“. Erst am Mittwoch hatte auch ein BMW-Sprecher bestätigt, dass die Gespräche über eine Kooperation zwischen Alfa Romeo und dem Mini weiterlaufen. Schon heute reichen die Produkt-bezogenen Allianzen von Fiat von der indischen Tata-Gruppe über die russische Severstal über Ford-Europe bis nach Frankreich.

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