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01.10.2012

08:43 Uhr

Fusionspläne mit BAE

Lagardère zweifelt am Mehrwert für EADS

Den geplanten Zusammenschluss von EADS und BAE sieht Großaktionär Lagardère kritisch. Die französischen Interessen seien bei dem Fusionsvorhaben nicht ausreichend berücksichtigt, so der Konzern.

Arnaud Lagardère, Chef der französischen Groupe Lagardère. Reuters

Arnaud Lagardère, Chef der französischen Groupe Lagardère.

Paris/MünchenDer französische EADS-Großaktionär Lagardère hat die geplante Fusion des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns mit seinem britischen Konkurrenten BAE Systems kritisiert. "Lagardère hält zu diesem Zeitpunkt die Bedingungen der Annäherung von EADS und BAE für unbefriedigend", erklärte der Konzern am Montag.

Das Unternehmen rief die EADS-Führung auf, das Vorhaben "neu zu bewerten, um die Interessen der französischen Aktionäre bei der Kontrolle von EADS besser zu berücksichtigen". Das Fusionsvorhaben habe bislang nicht gezeigt, dass es EADS Mehrwert verschaffe.

Was EADS und BAE alles herstellen

EADS - Airbus

Der weltgrößte Hersteller von Passagierflugzeugen bietet eine breite Palette an: vom 100 Sitze zählenden A318 bis hin zum Superjumbo A380, in dem 500 Menschen Platz finden. Insgesamt gibt es 14 Modelle. Mehr als 6000 Airbus-Flugzeuge sind weltweit unterwegs. Airbus stellt aber auch Militärflugzeuge her, darunter den Transporter A400M. Airbus kam 2011 auf einen Umsatz von 33,1 Milliarden Euro, davon 2,5 Milliarden Euro aus dem Rüstungsgeschäft.

Astrium

Dahinter verbirgt sich das europäische Raumfahrtgeschäft von EADS. Hergestellt werden beispielsweise Satellitensysteme. Bekanntestes Produkt sind die Ariane-Raketen, mit denen Satelliten ins Weltall transportiert werden. Astrium kam 2011 auf einen Umsatz von fünf Milliarden Euro.

Cassidian

Diese Sparte produziert beispielsweise Drohnen. Über Cassidian ist EADS auch am Eurofighter-Konsortium beteiligt und Anteilseigner beim Raketensystemanbieter MBDA. Dieser Geschäftsbereich machte 2011 rund 5,8 Milliarden Euro Umsatz.

Eurocopter

Der Hersteller von Zivil- und Militärhubschraubern kommt auf einen weltweiten Marktanteil von rund 30 Prozent. Zu den bekanntesten Produkten gehören der militärisch genutzt Tiger und der zivile EC225 Super Puma. Diese Sparte erlöste 2011 rund 5,4 Milliarden Euro.

BAE - Electronic Systems

Dieser Unternehmensteil ist auf Elektronik zur Flug- und Motorsteuerung spezialisiert, stellt aber auch Kriegsgeräte und Nachtsichtsysteme her. Er kam 2011 auf einen Umsatz von 5,4 Milliarden Pfund.

Cyber and Intelligence

Ein Teil dieses Geschäftsbereiches von BAE ist in den USA angesiedelt. Geliefert werden beispielsweise Nachrichten und Informationen in Echtzeit an Regierungen und Truppen. Auch Sicherheits-Soft- und Hardware bietet das Unternehmen an. Der Umsatz betrug 2011 etwa 1,4 Milliarden Pfund.

U.S. Platforms & Services

Kriegsgeräte, aber auch Schiffsreparaturen werden unter diesem Namen angeboten. Aktiv ist diese BAE-Sparte in den USA, Großbritannien, Schweden und Südafrika. Einnahmen 2011: 5,3 Milliarden Pfund.

International Platforms & Services

Diese Sparte ist in Saudi-Arabien, Indien, Australien und dem Oman vertreten. Sie hält auch einen Anteil von 35 Prozent am Raketen-Hersteller MDBA.

Lagardère hat einen Anteil von 7,5 Prozent an EADS. Diesen hält die Holding Sogeade, die - zusammen mit den Anteilen des französischen Staats - insgesamt 22,35 Prozent von EADS kontrolliert. Auf deutscher Seite hält Daimler 22,35 Prozent der EADS-Anteile.

EADS und BAE sprechen sich dafür aus, im Moment der Fusion die bisherigen Sonderrechte der drei Großaktionäre abzuschaffen. Stattdessen sollen Deutschland, Frankreich und Großbritannien im neuen Gemeinschaftsunternehmen jeweils ein Vetorecht erhalten.

EADS und BAE Systems hatten Mitte September bekanntgegeben, über eine Fusion zu verhandeln. Der neue Konzern wäre das größte Rüstungsunternehmen der Welt und größer als der US-Konkurrent Boeing. EADS beschäftigt in Deutschland rund 50.000 Mitarbeiter an 29 Standorten.

Kommentare (1)

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WDSiebert

01.10.2012, 12:36 Uhr

Schon vor 13 Jahren kam eine Fusion zwischen BAe und der DASA nicht zustande weil die gewachsenen strategischen Geschäfte und Interessen nicht passten. BAe sah grösseren Mehrwert in einer Übernahme von Marconi und ging dann auf den damals stark wachsenden US-Markt. Das machte dann den Weg frei für die Gründung der heutigen Erfolgsstory EADS, in der Franzosen und Deutsche ihre Geschäftsanteile in gemeinsamen Programmen ausgewogen bündelten, insbesondere im Zukunfts- und Brot-und-Butter-Geschäft AIRBUS, in dem D und FR, Franz-Josef Srauss sei Dank, gleichgroße Anteile haben. Mit GB hat D halt nur Kampfflugzeuge (Tornado, Typhoon), eine aussterbende Spezies, die künftig von unbemannten Flugzeugen (Drohnen) ersetzt wird. Hochtechnologische Systemführerschaft in Verteidigungstechnik ist in anderen Ländern als in Deutschland entstanden und wird dort auch bleiben! Was also bringt der Deal? Für FR zusätzlichen Wettbewerb für Thales und Dassault. Und für Deutschland eine weitere Marginalisierung seiner Verteidigungsindustrie zur verlängerten Werkbank. Auch für die alte Mär vom strategischen Muss "ausgewogener Geschäftsanteile" zwischen militärischer und ziviler Aerospace gibt es bei schrumpfenden Militärmärkten keine guten Belege. Vielmehr müssen die militärischen Geschäfteinheiten weiter konsolidiert werden, unternehmerisch sinnvoller Weise um die bestehenden Kompetenzzentren herum. Die sind aber nicht in Deutschland. Und der Prozess wird aus GB gesteuert werden. Träumt einer davon, dass vielleicht Kompetenzen aus FR oder GB nach D kommen? Oder Thales oder Dassault nach Manching oder Friedrichshafen zieht? Nein, D wird in dem Merger EADS/BAe ohne Kompensation marginalisiert werden, wenn wir uns nicht zuvor weiter innerhalb der EADS stabilisieren und eigene Kompetenzen im Wettbewerb um Zukunftsmärkte aufbauen. Der Aktienmarkt hat ja sein Urteil schon gefällt: Minus 15%! Offenbar misst auch der Markt der BAe einen deutlich niedrigeren Wert bei. Bad news for shareholders!

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