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03.03.2016

10:26 Uhr

Gabelstapler-Hersteller

Jungheinrich stapelt hoch

VonRegine Palm

Jungheinrich feiert ein erfolgreiches Jahr 2015. Der Gabelstaplerhersteller konnte den operativen Gewinn um 10 Prozent steigern und blickt optimistisch auf das laufende Jahr. Aktionäre erhalten eine höhere Dividende.

Der Gabelstaplerhersteller hat seinen operativen gewinn um zehn Prozent gesteigert. dpa

Jungheinrich

Der Gabelstaplerhersteller hat seinen operativen gewinn um zehn Prozent gesteigert.

DüsseldorfDer Gabelstaplerhersteller Jungheinrich hat 2015 mehr Gewinn gemacht als erwartet und hebt seine Dividende an. Der operative Gewinn (Ebit) sei um zehn Prozent auf 213 Millionen Euro gestiegen, teilte Jungheinrich am Donnerstag mit. Die im vergangenen Sommer erhöhte Ergebnisprognose hatte einen Zuwachs auf 195 bis 205 Millionen Euro vorgesehen. Unter dem Strich verdiente das Hamburger Unternehmen 138 Millionen Euro, ein Plus von knapp zehn Prozent.

„2015 war erneut ein sehr erfolgreiches Jahr für Jungheinrich“, zog Vorstandschef Hans-Georg Frey Bilanz. Der Konzern habe in seinem Kernmarkt Europa sowie weltweit Marktanteile gewonnen. Der Umsatz kletterte um gut zehn Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Erstmals habe Jungheinrich mit 91.200 Fahrzeugen mehr als 90.000 Stück produziert.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Das Unternehmen mit weltweit gut 13.000 Beschäftigten profitiert von der robusten Nachfrage in Europa, den USA und Asien. Das kommt auch den Aktionären zugute. Sie sollen eine um 15 Cent höhere Dividende von 1,13 Euro je Stammaktie und von 1,19 Euro je Vorzugsaktie erhalten. Auch für das laufende Jahr zeigte sich der Vorstand optimistisch. „Der gute Auftragseingang zum Ende des vergangenen Jahres setzt sich 2016 fort und lässt uns positiv auf das laufende erste Halbjahr blicken“, sagte Frey.

Die guten Zahlen der Hamburger haben sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. Bereits nach neun Monaten hatte der Konzernumsatz von Jungheinrich mit 1,965 Milliarden Euro um zehn Prozent über dem Vorjahreswert gelegen. Aufgrund der anhaltend positiven Entwicklung hatte der Vorstand die im August erhöhte Prognose für das laufende Geschäftsjahr noch einmal bekräftigt. Bis zum Jahr 2017 will Jungheinrich den Umsatz auf über drei Milliarden steigen, 2020 würden dann vier Milliarden Euro erwartet. „Wir sind sehr gut auf Kurs“, hatte Vorstandschef Hans-Georg Frey im Dezember dem Handelsblatt gesagt. „Wir wachsen schneller als der Markt.“

Jungheinrich baut unter anderem sein internationales Geschäft weiter aus und hat dazu je einen Händler in Australien und in Malaysia übernommen. Erst vor wenigen Tagen gab das Hamburger Familienunternehmen zudem die Übernahme des Händlers Wylze-Logistik in Rumänien und die Gründung einer Vertriebsgesellschaft bekannt. Neu gegründet wurde auch Jungheinrich Südafrika, ab April ist zudem die neue Vertriebsgesellschaft in Chile am Start, dem drittgrößten südamerikanischen Markt für Flurförderzeuge. „Entlang der Konzernstrategie bauen wir konsequent unser globales Netzwerk aus und können damit die jeweiligen Marktpotenziale umfassender nutzen und ausschöpfen“, unterstrich Vertriebsvorstand Lars Brzoska.

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Die USA haben China 2015 als wichtigsten Einzelmarkt für deutsche Maschinen vom ersten Platz verdrängt. Die Branche hofft auf ein erneutes Wachstum des Absatzes im transatlantischen Markt – und frische Impulse für TTIP.

Gemessen an den Marktanteilen belegt Jungheinrich hinter Toyota und Kion weltweit den dritten Platz. Konkurrent Kion hat bereits vor einigen Tagen seine vorläufigen Zahlen vorgelegt; die Bilanz wird für den 17. März erwartet. Der Wiesbadener Gabelstapler-Hersteller, der für Marken wie Linde, Still und Fenwick steht, meldete Rekordzahlen. So sprang der Umsatz erstmals über die Marke von fünf Milliarden Euro und verbesserte sich im vergangenen Jahr um neun Prozent auf 5,01 Milliarden Euro. Der Überschuss kletterte um fast ein Viertel auf gut 221 Millionen Euro.

Kion profitierte eigenen Angaben zufolge vor allem von einem starken Geschäft im Kernmarkt Westeuropa. „Die Rekordergebnisse im abgelaufenen Geschäftsjahr belegen, dass die Kion Group bestens aufgestellt ist, von starken Marktentwicklungen wie in Westeuropa zu profitieren“, betonte Vorstandschef Gordon Riske bei Vorlage der Zahlen. Die Neufahrzeugbestellungen legten um sieben Prozent zu und hätten damit den Weltmarkt überflügelt, so Kion, der nur um ein Prozent wuchs.

Jungheinrich will am 23. März seine vollständige Bilanz veröffentlichen.

Mit Material von Reuters

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