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30.08.2014

15:04 Uhr

Gabelstaplerhersteller

Jungheinrich ohne Verluste in Russland

Gabelstaplerproduzent Jungheinrich musste im ersten Halbjahr keine Umsatzeinbußen im Russlandgeschäft hinnehmen. Das Geschäft mit gebrauchten Geräten glich Verluste beim Verkauf von Neuwahre aus.

Gabelstaplerproduzent Jungheinrich: Keine Verluste in Russland. obs

Gabelstaplerproduzent Jungheinrich: Keine Verluste in Russland.

HamburgTrotz der Ukraine-Krise hat der Hamburger Gabelstaplerproduzent Jungheinrich keine Umsatzeinbußen im Geschäft mit Russland zu beklagen. Zwar habe das Neugeschäft im ersten Halbjahr etwa zwölf Prozent unter dem Vorjahresergebnis gelegen, aber unter dem Strich sei das durch das Geschäft mit dem Service und den gestiegenen Verkauf gebrauchter Geräte fast vollständig ausgeglichen worden, sagte Vorstandschef Hans-Georg Frey der „Welt am Sonntag“. „Dieses Jahr werden wir, was Russland angeht, umsatzmäßig ungefähr auf Vorjahresniveau liegen.“

Weil Service und Dienstleistungen im Konzern einen Umsatzanteil von etwa 40 Prozent hätten, sei das Geschäftsmodell relativ krisenresistent, sagte der Jungheinrich-Vorstandschef. Genauso wie das Systemgeschäft, das weiter ausgebaut werden solle. Auch der Verkauf von Dieselstaplern solle anziehen.

Für das Jahr 2014 ist Frey optimistisch. Die Konjunktur und der Markt würden zwar an Dynamik nachlassen, aber insgesamt werde es so laufen, dass es für das Unternehmen ein sehr ordentliches Jahr werde.

Jungheinrich hatte im ersten Halbjahr von einer weltweit gestiegenen Nachfrage nach Gabelstaplern und Lagertechnik profitiert. Auftragseingang, Umsatz und Gewinn hatten im ersten Halbjahr deutlich zugelegt. Die Konzernerlöse im Berichtszeitraum um neun Prozent auf 1,17 Milliarden Euro, wobei das Deutschland-Geschäft um sechs Prozent auf 306 Millionen Euro wuchs.

Fragen und Antworten zu Sanktionen gegen Russland

Auf welche Sanktionen müssen sich Unternehmen einstellen?

Die EU diskutiert bislang über eine mögliche Einschränkung für Rüstungsausfuhren sowie für Exporte von Hochtechnologie für den Energiebereich. Offen ist, was damit genau gemeint ist. Außerdem sollen Möglichkeiten geprüft werden, den Zugang Russlands zu den EU-Finanzmärkten zu erschweren.

Was wären die Folgen?

Eingriffe in die Finanzierung würden die russische Wirtschaft querbeet treffen. „Die Abhängigkeit Russlands von externen ausländischen Finanzierungen hat in den letzten Jahres stark zugenommen“, schreiben die Volkswirte der Hypovereinsbank (HVB). Sollte die EU dem Beispiel der USA mit einem Verbot für die Finanzierung erster russischer Unternehmen folgen, werde dies zwangsläufig sehr schnell wirken - denn bislang hätten russische Firmen Finanzierungen in Dollar zumindest teilweise durch Finanzierungen in Euro ersetzen können.

Und wie sieht es mit Handelsbeschränkungen aus?

Von Handelsverboten beispielsweise bei Rüstung und Maschinen wären natürlich die Hersteller selbst betroffen. Schon jetzt berichten Maschinenbauer über Einbrüche, obwohl es noch gar keine konkreten Schritte gibt. „Die Russen würden uns die Maschinen ja gern abnehmen, aber es ist nicht sicher, ob sie zum Zeitpunkt der Fertigstellung überhaupt noch nach Russland ausgeführt werden können“, sagt der Präsident Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge. Einzelne Firmen berichten, russische Kunden sähen sich schon jetzt nach Alternativen zum Beispiel in Asien um. Die mittelständische Wirtschaft fürchtet, dass ein Embargo bei uns vor allem auf Klein- und Mittelbetriebe in den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektronische Erzeugnisse, Pharma und Nahrungsmittel zurückschlagen würde.

Wie wichtig ist denn Russland insgesamt als Kunde?

Russland hat zuletzt (2013) Waren für rund 36 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Das entspricht rund 3 Prozent aller Exporte. Damit steht das Land aber nur auf Platz 11 der wichtigsten Kunden, hinter Handelspartnern wie zum Beispiel Belgien, Polen, der Schweiz oder Österreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes führen aber lediglich 10 Prozent aller Exporteure Waren nach Russland aus. „Für etwa 73 Prozent dieser Unternehmen machen die Exporte nach Russland maximal ein Viertel ihrer gesamten Exporte aus.“ Einzelne Firmen oder Branchen könnten also deutlich heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft.

Dann droht also kein handfester Konjunktureinbruch?

Eher nicht. Sollte die ohnehin aktuell schwächelnde russische Wirtschaft weiter einbrechen, hätte das zwar auch negative Konsequenzen für Deutschland. Wegen des begrenzten Anteils der Exporte nach Russland wäre das für die deutsche Wirtschaft aber „wohl verschmerzbar“, meinen die HVB-Ökonomen.

Wie könnte Russland auf ein Embargo reagieren?

Auch das ist völlig unklar. Allerdings hätte Moskau genügend Mittel für einen Gegenschlag: Binnen eines Jahrzehnts hat es das Riesenreich von Platz 16 auf Platz 8 der weltweit größten Volkswirtschaften geschafft. Ein Großteil der Wirtschaftsmacht des „Rohstoffgiganten Russland“ beruht auf Erdöl, Erdgas, Kohle sowie Metallen wie Nickel, Aluminium. Und genau hier könnte das Drohpotenzial liegen - theoretisch zumindest: „Nach rationalen Erwägungen würden sich die Russen stärker selbst schaden, wenn sie uns den Gashahn beginnen abzudrehen, weil sie ... von den Einnahmen daraus abhängig sind“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Donnerstag im Südwestrundfunk.

Der Auftragseingang bis Ende Juni erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 1,25 Milliarden Euro.

Von

dpa

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