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29.01.2016

19:13 Uhr

Gamesa

Siemens will Windturbinenhersteller schlucken

Der spanische Windturbinenhersteller Gamesa gehört zu den größten der Welt – einem Bericht zufolge plant Siemens nun dessen Übernahme. Der deutsche Industriekonzern soll bereits Gespräche mit dem größten Aktionär führen.

Der deutsche Industriekonzern plant die Übernahme des spanischen Windturbinenbauers Gamesa. Reuters

Siemens setzt auf Windkraft

Der deutsche Industriekonzern plant die Übernahme des spanischen Windturbinenbauers Gamesa.

MünchenSiemens will seine Windkraft-Sparte mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa stärken. Der Windturbinen-Hersteller bestätigte am Freitagabend Gespräche mit Siemens. Dabei gehe es um eine Fusion mit der Windenergie-Sparte des Münchener Industriekonzerns. Entscheidungen gebe es aber nicht. Gamesa ist einer der größten Windanlagenbauer der Welt und an der Madrider Börse mehr als vier Milliarden Euro wert. Am Freitag schossen die Aktien um 19 Prozent nach oben.

Einem Insider zufolge soll Siemens etwas mehr als 50 Prozent an der fusionierten Windsparte besitzen. Den Rest sollen die Aktionäre von Gamesa halten. Größter Gamesa-Anteilseigner ist mit knapp 20 Prozent der spanische Energieversorger Iberdrola. Das fusionierte Unternehmen solle seinen Sitz in Spanien haben, fügte der Insider hinzu.

Laut Bankern würden die beiden Unternehmen gut zusammenpassen. Ihr Windkraft-Geschäft ergänze sich gut. Siemens ist im Geschäft mit Anlagen auf hoher See dominierend, ist aber mit Windrädern an Land schwach.

Das sind die größten Baustellen von Siemens

Energiesparte

Hier hat Siemens den Trend zu dezentralen Lösungen verpasst. Die Münchener ließen sich für ihre riesige Weltmeister-Gasturbine der H-Klasse feiern. Doch in Zeiten der Energiewende waren vor allem kleine Modelle gefragt, die die Konkurrenz im Portfolio hatte. Auch in Sachen Innovationskraft verlor Siemens den Anschluss. Mit teuren Akquisitionen, einem Stellenabbau und mehr Investitionen in Forschung & Entwicklung versuchen Joe Kaeser und Energievorstand Lisa Davis gegenzusteuern.

Wachstumsschwäche

Vor einer guten Dekade war Siemens doppelt so groß wie BMW. Inzwischen ist der Autobauer an dem Technologiekonzern vorbeigezogen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen trennte sich Siemens immer wieder von Geschäftssparten, ohne im gleichen Maß zuzukaufen. Zudem war Siemens auch organisch in den meisten Jahren wachstumsschwach und fiel hinter die besten Konkurrenten zurück. Kaeser setzt auf mehr Innovationen und einen besseren Kundenzugang. Ab dem Geschäftsjahr 2016 soll Siemens schneller wachsen als die Wettbewerber.

Ertragsschwäche

Kaesers Vorgänger Peter Löscher wähnte Siemens schon in der Champions League der weltbesten Unternehmen. Doch nach einem Zwischenhoch bröckelten die Renditen wieder ab. Für das Geschäftsjahr 2014/15 hatte Kaeser eine operative Umsatzrendite von zehn Prozent im Industriegeschäft versprochen. Angesichts der Kosten für den Umbau ist das ordentlich. Doch die besten Konkurrenten wie General Electric sind in vielen Bereichen besser. Durch kürzere Hierarchiewege, eine Sanierung der renditeschwachen Bereiche und den Abbau von Stellen will Kaeser mit seiner „Vision 2020“ Boden gut machen.

Dresser-Rand

Der Kauf des US-Kompressorenherstellers für zunächst 7,6 Milliarden Dollar war einer der größten Zukäufe in der Unternehmensgeschichte. Kaeser hatte sich, auch von seinem Vorgänger Peter Löscher, in einen Bieterwettbewerb treiben lassen. Doch seit der Übernahme ist der Ölpreis drastisch gefallen, die Förderer stellen ihre Investitionen zurück. Der Kaufpreis war im Nachhinein viel zu hoch. Nun muss Kaeser auf eine Erholung der Ölpreise hoffen und Dresser-Rand wenigstens erfolgreich integrieren.

Autor: ax

Das Geschäft mit Windturbinen lief zuletzt bei allen großen Anbietern schleppend. Angesichts des niedrigen Ölpreises zögern viele Investoren mit dem Bau neuer Windparks. Siemens hatte wie der US-Erzrivale GE im vergangenen Quartal mit Umsatzeinbußen in dem Segment zu kämpfen. Vorstandschef Joe Kaeser sprach aber von einem vorübergehenden Effekt für sein Unternehmen. Die Auftragslage spreche für steigende Einnahmen in dem Geschäftsfeld bereits in naher Zukunft.

Von

rtr

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