Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.05.2014

15:24 Uhr

Gasehersteller

Reitzle verlässt Linde mit feuchten Augen

VonCornelia Knust

Elf Jahre lang war Wolfgang Reitzle Chef des Gase-Herstellers Linde. Seine letzte Hauptversammlung als Vorstandschef fällt emotional aus. Der Nachfolger bleibt zurück mit einem dicken Währungsproblem.

„Schillernde Persönlichkeit“: Linde-Chef Wolfgang Reitzle bei seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandsvorsitzender des Gaseherstellers. dpa

„Schillernde Persönlichkeit“: Linde-Chef Wolfgang Reitzle bei seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandsvorsitzender des Gaseherstellers.

MünchenEine beinahe stürmische Umarmung bekommt der Linde-Aufsichtsratschef Manfred Schneider von seinem Vorstandsvorsitzenden. Zuvor hatte er Wolfgang Reitzle, 65, für seine elf Jahre an der Spitze des Gase-Herstellers mit so warmen Worten gelobt, dass dieser feuchte Augen bekam und die Lippen schürzte.

Das Lob vor den rund 2.000 Aktionären galt überraschenderweise nicht nur der glasklaren Neuausrichtung des einstigen Mischkonzerns durch den technisch brillanten Reitzle. Schneider stellte vor allem Reitzles Wirken auf die Unternehmenskultur und seine „tiefe und enge Verbundenheit“ mit Linde in den Vordergrund sowie sein stetes Bemühen um die Eigenständigkeit des Unternehmens.

Dabei kennt man Reitzle aus Erzählungen von Mitarbeitern eher als abgehobenen Vorstandschef, der stets in einem für ihn reservierten Aufzug ins Büro auffährt – eine Darstellung, die ein Linde-Sprecher dementiert.

Nun also Reitzle in der Rolle des Dienenden. Die „schillernde Persönlichkeit“ hat, so stellt Schneider es dar, bei Linde ein Zuhause gefunden. Die Skeptiker seien damals schnell eines Besseren belehrt worden.

Immerhin war Reitzle ein von sich selbst ziemlich überzeugter Car Guy mit Karriere bei BMW und Ford. Und Linde war 2003 ein ziemlich langweiliger Laden in den Fängen der Deutschland AG. Doch er blieb dabei und lieferte sein Meisterstück. Heute, so lobt Reitzle sich in seiner Rede selbst, sei der Konzern „well positioned“.

28 Milliarden Euro Marktkapitalisierung habe er Ende 2013 erreicht. Allein der Zuwachs im Jahr 2013 sei mehr als das ganze Unternehmen zehn Jahre zuvor wert war - das könne er „sich nicht verkneifen zu bemerken“. Als ein Aktionär die Performance der Aktie im vergangenen Jahr gar nicht so beeindruckend findet, verweist Reitzle auf die langfristige Kursentwicklung: „Das ist doch, was Sie als Aktionär eigentlich gut finden müssen“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×