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04.01.2011

11:04 Uhr

Gaskonzern

GDF Suez will Fördersparte versilbern

VonHolger Alich

Der französische Versorger prüft einen Teilverkauf seiner Gas- und Ölfördersparte, um so neue Investitionen in Gasvorkommen finanzieren zu können. Mit der Verschuldung des Konzerns habe die Überlegung aber nichts zu tun.

Gerard Mestrallet: Der Konzernchef plant Teilverkäufe um neu investieren zu können. Reuters

Gerard Mestrallet: Der Konzernchef plant Teilverkäufe um neu investieren zu können.

PARIS. Der französische Versorger GDF Suez will möglicherweise Teile seiner profitablen Gas- und Ölfördersparte Exploration & Production (E&P) verkaufen. Das so eingenommene Geld solle in die Entwicklung der Sparte reinvestiert werden, zum Beispiel in die Erschließung neuer Gasfelder, hieß es in Konzernkreisen. "Es ist vorstellbar, einen Minderheitspartner zu beteiligen." Laut Presseberichten würde der Konzern auch einen Börsengang erwägen. Dazu erklärte ein Sprecher: "Ein Börsengang der Sparte E&P steht derzeit nicht auf der Tagesordnung."

GDF Suez ist Europas größter Gaskonzern. Derzeit fördert das Unternehmen aber nur rund fünf Prozent seiner Gasverkäufe selbst, den Löwenanteil kauft GDF Suez von Zulieferern wie Gazprom. Konzernchef Gerald Mestrallet will den Anteil der eigenen Förderung an den Verkäufen auf zehn bis 15 Prozent steigern. Das Problem: Die Erschließung neuer Gasfelder ist sehr kostspielig.

Zwischen den Jahren 2008 und 2010 hat die Fördersparte des Konzerns 4,7 Milliarden Euro investiert, unter anderem um das Gasvorkommen im algerischen Touat zu erschließen. Und nach der Übernahme des Stromproduzenten International Power ist die Verschuldung des Gesamtkonzerns von 33,5 auf 44,2 Milliarden Euro angestiegen.

Daher rückt ein Teilverkauf der profitablen Sparte E&P in den Blickpunkt. Sie erwirtschaftete im Jahr 2009 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,5 Milliarden Euro, Analysten rechnen mit einem ähnlichen Gewinn für 2010. Auf Basis der Öl- und Gasreserven von 763 Mboe (Million Barrels of Oil Equivalent) taxieren Analysten den Wert der Sparte auf rund sechs Milliarden Euro. Sprich, der Verkauf von rund einem Drittel des Kapitals der Sparte würde rund zwei Milliarden Euro in die Kassen spülen. Geld, das in neue Förderprojekte investiert werden kann.

Intern wird zwar betont, dass die Überlegungen für einen Teilverkauf in keinem Zusammenhang mit dem Schuldenstand des Konzerns stünden. Doch unbestritten erhöht GDF Suez seine finanzielle Flexibilität durch ein solches Manöver.

Um die Schulden zu drücken, will Konzernchef Mestrallet insgesamt Aktiva im Wert von vier Milliarden Euro verkaufen. Analysten rechnen zum Beispiel mit dem Verkauf der Beteiligungen an belgischen Kommunalversorgern. Auch ein Teilverkauf des eigenen Gasleitungsnetzes, dessen Wert Analysten mit sechs Milliarden Euro beziffern, wird als Option genannt.

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